Nahost

Pünktlich zu neuen Verhandlungen warnen "westliche Geheimdienste" vor iranischen Atom-U-Booten

Iran hat bereits angekündigt, dass die Entwicklung nuklear angetriebener U-Boote auf der Agenda der Streitkräfte der Marine steht. Die Produktion von U-Booten mit Atomantrieb verstoße nicht gegen die Verpflichtungen Irans zum Atomabkommen von 2015, so Konteradmiral Amir Rastegari.
Pünktlich zu neuen Verhandlungen warnen "westliche Geheimdienste" vor iranischen Atom-U-BootenQuelle: AFP © Vahid Reza Alavei

Unter Berufung auf mutmaßliche Informationen "westlicher Geheimdienste" berichtete die Welt kürzlich, dass Iran seine Bemühungen um die Entwicklung von Atom-U-Booten in der letzten Zeit "erheblich" vorangetrieben habe. Das Springer-Blatt zitiert den Oberbefehlshaber der iranischen Marine, Hossein Khansadi, der im April vergangenen Jahres gegenüber iranischen Nachrichtenagenturen offiziell erklärte, "die Entwicklung nuklear angetriebener U-Boote steht klar auf der Agenda der Marine der Streitkräfte der Islamischen Republik Iran".

Nach Wahrnehmung der Zeitung hat sich der Konteradmiral dabei "verplappert". Während die Welt Stimmung gegen Iran macht, unterstrich Khansadi in seinem Interview seinerzeit, dass das iranische Nuklearprogramm zu friedlichen Zwecken und zur Verteidigung des Landes genutzt werde, während die Führung des Landes den Bau einer Atombombe verboten habe. 

"Die Position der Islamischen Republik Iran um die Debatte über die Kernenergie in Iran ist sehr klar und deutlich, und das Oberste Staatsoberhaupt Irans hat mehrfach betont, dass sie friedlich ist. Das Militär und die Regierung bewegen sich in dem für das Atomprogramm festgelegten Rahmen."

Doch wenn es keine Abschreckung und keine Bereitschaft zur Verteidigung gebe, dann könnten auch Frieden und Stabilität nicht durchgesetzt werden, sagte er weiter. 

Die Organisation für Innovation und Forschung der Verteidigung (SPND), die zum iranischen Verteidigungsministerium gehört, sei, so die Welt, unter anderem in dieses Projekt involviertDer Leiter dieses Forschungszentrums war der Nuklearwissenschaftler Mohsen Fachrisadeh. Er wurde im November 2020 offenbar von Mossad ermordet.

Dass das iranische Verteidigungsministerium an einem U-Boot-Projekt arbeitet, ist kein Geheimnis. Konteradmiral Amir Rastegari, der Leiter der maritimen Industriegruppe des Verteidigungsministeriums (MIG), erklärte im April 2020, dass U-Boote ein wichtiges Instrument in Seekonflikten seien. Er fügte seinerzeit hinzu, dass Iran die Fähigkeit besitze, Atom-U-Boote herzustellen. "Wir haben noch keinen Auftrag erhalten", Atom-U-Boote herzustellen.

Der Konteradmiral betonte anschließend, dass die Produktion von U-Booten mit Atomantrieb nicht gegen die Verpflichtungen Irans zum Atomabkommen von 2015 verstößt.

Der Bericht der Welt geht von den möglichen Gefahren aus, die ein Atom-U-Boot Irans mit sich bringen kann: "Während zivile Atomkraftwerke Uran mit einem Anreicherungsgrad von drei bis fünf Prozent benötigen, wird bei Reaktoren auf U-Booten meist höher angereichertes Uran verwendet, oftmals auf 80 bis 90 Prozent – ein Anreicherungsgrad, bei dem Uran auch als Sprengmaterial für Atomwaffen einsetzbar wäre."

Hierbei handelt sich allerdings in erster Line nicht um mögliches für Atombomben hergestelltes Sprengmaterial, sondern um die strategische Bedeutung der Entwicklung iranischer U-Boote mit Atomantrieb zur Verschiebung der Machtgefüge in der Region. Strategisch könnte ein iranisches Atom-U-Boot die geopolitische Lage im Nahen Osten entscheidend verändern: "Durch die Leistungsfähigkeit des Nukleartreibstoffs müssen Atom-U-Boote praktisch nie auftauchen, um zu tanken, wie etwa mit Diesel betriebene U-Boote. Solange der Proviant für die Besatzung reicht, können sie für Wochen oder Monate unter Wasser bleiben und dadurch lange Strecken unentdeckt zurücklegen." Der Welt-Bericht erklärte weiter, Atom-U-Boote könnten auch Raketen unbemerkt nah an ihr Ziel bringen. Das Raketenprogramm Irans sei sehr entwickelt.

Insofern ist für die USA und ihren Verbündeten, insbesondere Israel und Saudi-Arabien, ein iranisches Atom-U-Boot eine große Herausforderung. Vor Kurzem berichtete The Wall Street Journal, dass seit Ende 2019 Israel iranische Öltanker in der Region ins Visier nimmt. Es habe Waffen wie Seeminen eingesetzt, um iranische Schiffe auf ihrem Weg nach Syrien im Roten Meer und in anderen Gebieten der Region zu treffen. Als Vergeltungsmaßnahmen ziele Iran mit Angriffen auf israelische Schiffe. Nachdem ein iranischer Frachter Mitte März im Mittelmeer durch einen Sprengkörper beschädigt wurde und bei diesem Vorfall Mossad unter Verdacht stand, beschoss Iran den Medien zufolge ein in israelischem Besitz befindliches Schiff mit einer Rakete im Golf von Oman.

Angesichts der zunehmenden Spannungen in internationalen Gewässern zwischen Israel und Iran im Nahen Osten ist anzumerken, dass Iran bereits die Flotte der Iranischen Revolutionsgarde mit leichten und halbschweren U-Booten aus eigener Produktion ausgestattet hat. Der Zweck der kleinen U-Boote bestehe darin, verdeckte Operationen und Vergeltungsmaßnahmen durchzuführen. Insofern kann die Entwicklung iranischer U-Boote mit Atomantrieb Ziele von einer größeren Reichweite ins Visier nehmen und eine beträchtliche Machtverschiebung in der Region hervorrufen. 

Mehr zum Thema - Israel nimmt iranische Öltanker auf ihrem Weg nach Syrien ins Visier

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