Nahost

Damaskus über US-Vorgehen in Syrien: "Wie Piraten"

Der erste Vorwand für die USA, um in Syrien einzugreifen, waren die angeblichen "Menschenrechte" gewesen. Der zweite lautete "Bekämpfung des Terrorismus". Donald Trump ließ alle Masken fallen und erklärte offen, dass Washington vor allem das syrische Erdöl im Blick hat.
Damaskus über US-Vorgehen in Syrien: "Wie Piraten"Quelle: www.globallookpress.com © snapshot-photography/B.Shamlo

Syriens Erdölminister hat die US-Streitkräfte in seinem Land bezichtigt, "wie Piraten" zu handeln. Washington erbeutet weiterhin den größten Teil des Ölreichtums aus dem ressourcenreichen Nordosten des Landes, wo das Pentagon kurdische Milizen unterstützt. Der für Erdöl- und Mineralressourcen zuständige Minister Bassam Tuma erklärte dem staatlichen syrischen Fernsehen:

"Die Amerikaner und ihre Verbündeten zielen auf den syrischen Ölreichtum und seine Tanker ab wie Piraten."

Er fügte hinzu, dass der Raubzug die syrische Wirtschaft lähmen soll, die von Öleinnahmen abhängt.

"Was während des gesamten (Syrien-)Krieges passiert ist, hat es in keinem anderen Land gegeben, in dem Sinne, dass wir daran gehindert werden, unsere Reichtumsressourcen zu nutzen."

Gleichzeitig verhindere Washington, dass grundlegende Güter Syrien erreichen.

Tuma sagte, dass der Gesamtschaden, der dem syrischen Erdölsektor durch die US-Besatzung bisher zugefügt wurde, 92 Milliarden Dollar übersteigt. Er ergänzte, dass Washington derzeit 90 Prozent der Erdölressourcen in der Nordostregion kontrolliert.

In einem Interview mit der libanesischen Zeitung al-Akhbar sagte der Gouverneur der nordöstlichen Provinz Hasaka, Ghassan Khalil, letzten Monat, dass die von den USA unterstützten kurdischen Kämpfer täglich 140.000 Barrel Rohöl von den Feldern in der Gegend stehlen. Er behauptete, die Kämpfer benutzten dann Tanker, um das Öl über die Grenze in den Irak zu schmuggeln.

Seit mindestens 2015 unterstützt das Pentagon die überwiegend kurdische Miliz "Syrische Demokratische Kräfte" (SDF). Diese kontrolliert einen bedeutenden Teil des Nordostens Syriens. Die USA selbst unterhalten eine Truppe von rund 900 Soldaten im Land, in Koordination mit den SDF agieren.

Während US-Vertreter behaupten, die völkerrechtlich illegale Militärpräsenz in Syrien solle das Wiederaufleben des Islamischen Staates (IS, früher ISIS) verhindern, sprach der ehemalige Präsident Donald Trump oftmals offen über den Wunsch, sich den Ölreichtum Syriens anzueignen.

Trump erklärte im Oktober 2019:

"Wir behalten das Öl – merken Sie sich das (...). Ich habe das immer gesagt: 'Behaltet das Öl.' Wir wollen das Öl behalten. 45 Millionen Dollar im Monat? Behaltet das Öl."

Letztes Jahr hatte die Trump-Regierung ein Abkommen zwischen den SDF und einer US-amerikanischen Ölfirma namens Delta Crescent Energy vermittelt, wie Politico und andere Medien berichteten. Die Firma wird vom ehemaligen US-Botschafter in Dänemark, James Cain, sowie einem pensionierten Offizier der Eliteeinheit Delta Force der US-Armee und einem ehemaligen britischen Ölmanager geleitet. Aus Protest gegen die fortgesetzte Plünderung der Ölfelder verurteilte Damaskus das Abkommen "auf das Schärfste" und bezeichnete den Vertrag als "null und nichtig".

Während die Regierung von Joe Biden signalisiert hatte, dass sie der Besetzung der syrischen Ölressourcen keine Priorität mehr einräumt, berichteten erst letzten Monat lokale arabischsprachige Medien, dass die US-Streitkräfte einen neuen Flughafen neben einem Ölfeld bauen, wo Washington einen Militärstützpunkt unterhält.

Etwa zur gleichen Zeit erklärte Pentagon-Sprecher John Kirby, dass das Pentagon von der Zusammenarbeit mit Energieunternehmen ausgeschlossen sei – "außer, wenn (das) unter bestimmten bestehenden Berechtigungen angemessen (ist)". Das deutet darauf hin, dass die Biden-Regierung die Praxis auf einer begrenzten Basis fortsetzen wird. Ein Sprecher der US-geführten Streitkräfte in Syrien, Oberst Wayne Marotto, wiederholte diese Position vor Kurzem, erwähnte aber nicht das von Kirby zitierte Schlupfloch für die weitere Zusammenarbeit mit Erdölfirmen.

Syrische Vertreter, einschließlich Präsident Baschar al-Assad selbst, verurteilten wiederholt Washingtons Öldiebstahl und drohten zudem mit rechtlichen Schritten. Kurz nach Bidens Amtsantritt forderte der syrische UN-Botschafter Baschar al-Dschaafari den neuen Präsidenten auf, die US-Truppen abzuziehen und die Besatzung der Ölfelder zu beenden. Er erklärte:

"Die neue US-Regierung muss die Akte der Aggression und der Besatzung beenden, aufhören, den Reichtum meines Landes zu plündern, ihre Besatzungstruppen abziehen und aufhören, separatistische Milizen, illegale Einheiten und Versuche, die Souveränität Syriens zu bedrohen, zu unterstützen."

Biden zeigte aber bisher wenig Interesse an einem Abzug aus Syrien. Er befahl im letzten Monat eine Reihe von Luftangriffen auf Milizen in Syrien. Dennoch erklären US-Beamte, sie würden die Truppenpräsenz dort überprüfen.

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