Nahost

Israel: Immer mehr Arbeitgeber drohen "impfunwilligen" Angestellten mit Entlassung

Für mehrere EU-Länder soll der israelische Impfpass ein Vorbild sein, doch in Israel selbst kommt es nun zu einer Ausgrenzung von "Impfunwilligen". Mehrere Unternehmen planen Sanktionen gegen Mitarbeiter, die sich nicht impfen lassen wollen.
Israel: Immer mehr  Arbeitgeber drohen "impfunwilligen" Angestellten mit Entlassung© AVSHALOM SASSONI/MAARIV

In der Berichterstattung der deutschen Mainstream-Medien wird immer wieder gerne darauf hingewiesen, dass in Israel, wo schon ein großer Teil der 9,3 Millionen Einwohner geimpft ist, allmählich wieder die Normalität zurückkehrt. In Israel dürfen zum Beispiel geimpfte Menschen wieder Konzerte besuchen – allerdings nur mit Maske. Der sogenannte "Grüne Pass" bietet geimpften Menschen in Israel mehr Freiheiten im durch die Corona-Maßnahmen eingeschränkten öffentlichen Leben. Auch innerhalb der EU wird dieses Modell diskutiert und wohl bald Schule machen.

Doch wie von einigen Kritikern der Corona-Maßnahmen in Israel bereits befürchtet wurde, scheint auf die "Impf-Euphorie" nun die Ausgrenzung der "Impfunwilligen" zu folgen: Mehrere Unternehmen und Einrichtungen des Landes planen einer Meldung der dpa zufolge Sanktionen gegen Mitarbeiter, die sich nicht impfen lassen wollen. Als Begründung wird meist angeführt, dass "niemand das Recht habe, andere zu gefährden". Die nationale Lotteriegesellschaft beispielsweise will Mitarbeiter feuern, die sich nicht impfen lassen wollen. Lotterie-Chef Avigdor Izchaki soll der israelischen Nachrichtenseite Ynet zufolge gesagt haben:

"Wer sich nicht impfen lässt, wird zunächst in den unbezahlten Urlaub geschickt und dann entlassen."

In der nationalen Lotterie Mifal Hapais arbeiten mehr als 3.000 Angestellte sowie mehrere Tausend freie Mitarbeiter. Schufersal, eine der größten Supermarktketten des Landes, hatte seine Angestellten vor die Wahl gestellt, sich entweder impfen oder sich mehrmals in der Woche auf SARS-CoV-2 testen zu lassen. Bei Kritikern der COVID-19-Massenimpfungen löste dies wütende Proteste aus, einige riefen zum Boykott der Supermarktkette auf und zerschnitten demonstrativ vor laufenden Kameras der lokalen TV-Sender ihre Kundenkarten.

Auch das Hadassah-Krankenhaus in Jerusalem hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, dass nicht geimpfte Mitarbeiter keinen direkten Kontakt zu Patienten mehr haben dürfen. Ungeimpfte Mitarbeiter sollen in Zukunft administrative oder andere Tätigkeiten ausführen, die das Krankenhaus als passend erachtet. Eine Sprecherin des Krankenhauses erklärte der Times of Israel:

"Wir können Krankenschwestern und Ärzte zu Verwaltungsangestellten machen oder sie in andere Jobs stecken, die wir im Krankenhaus finden."

Bisher sollen fünf Prozent beziehungsweise etwa 300 Krankenhausmitarbeiter noch keine Immunität durch Impfungen oder eine überstandene COVID-19-Infektion besitzen. Damit folgt das Krankenhaus einer Anweisung des israelischen Gesundheitsministeriums, die besagt, dass ungeimpfte Mitarbeiter von der Arbeit in bestimmten Abteilungen in israelischen Krankenhäusern und der kommunalen Gesundheitsversorgung ausgeschlossen werden sollen. Dazu zählen beispielsweise Onkologiestationen sowie die Arbeit mit Frühgeborenen und Knochenmarktransplatationspatienten. Die Richtlinie des Gesundheitsministeriums besagt außerdem:

"Ein neuer Angestellter, der sich weigert, geimpft zu werden, sollte nicht in einer medizinischen Einrichtung eingestellt werden."

Weiter heißt es, dass ungeimpfte Mitarbeiter nur dann auf der Corona-Station arbeiten dürfen, wenn sie eine spezielle Verzichtserklärung unterschreiben. Dem Ministerium zufolge soll ungeimpftes Personal der staatlichen Krankenhäuser außerdem in eine Impfklinik vorgeladen werden und über "die möglichen medizinischen Konsequenzen", die aus dem "Versäumnis der Impfung" erfolgen, aufgeklärt werden.

Zeev Rotstein, der CEO des Hadassah-Klinikums, erklärte, er sei sich der "Spannung" zwischen den individuellen Rechten und der beruflichen Verantwortung bewusst, doch die "Gesundheit der Patienten steht an erster Stelle". Nadav Davidovitch, ein leitender Beamter in der israelischen Vereinigung der Ärzte für das öffentliche Gesundheitswesen, sieht die Regelung des Hadassah-Krankenhauses mit gemischten Gefühlen und gab zu bedenken, dass die Regelung aufgrund des Mangels an Pflegekräften nicht sehr praktikabel sei.

Mit den Sanktionen gegen Impfunwillige werden nun anscheinend einige der Befürchtungen von israelischen Impfkritikern war: Bereits Ende Februar hatte es in Tel Aviv massive Demonstrationen gegen die Massenimpfungen und die Einführung des "Grünen Passes" gegeben. Nach einem Bericht der Jerusalem Post forderten die Protestierenden "mehr Transparenz" von der israelischen Regierung und ein Ende der "Tyrannei". Die Demonstranten verlangten außerdem, dass das 30-jährige Embargo für die Details der Sitzungen des Verfassungsausschusses über die Beschlüsse zu den Corona-Maßnahmen aufgehoben wird.

Außerdem sollte die Initiative für den "Grünen Pass" zurückgenommen werde, da man eine Zweiklassengesellschaft befürchte: eine privilegierte "geimpfte Klasse" und eine untere Klasse derjenigen, die den Impfstoff nicht bekommen können oder wollen.

Auf einem der Schilder, die auf der Demonstration in die Menge gehalten wurden, stand "Apartheid" auf Englisch und Hebräisch neben einem grünen Pass. Ein anderes Schild setzte grüne Pässe mit dem Judenstern im Dritten Reich und den tätowierten Armen von ehemaligen KZ-Häftlingen gleich. Einer der Redner der Demonstration sagte, dass ihn dies an seine Großtante erinnere, die von "genau denselben Leuten umgebracht wurde", die heute die Bewegungsfreiheit einschränken. Weiter erklärte der Redner, dass "das Volk der medizinischen Unterdrückung müde" sei.

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