Asien

Huawei rüstet nach Sanktionen erfolgreich um: Erstes Top-Handy ohne Abhängigkeit von US-Teilen

Die USA halten den chinesischen Telekommunikationskonzern Huawei für ein Sicherheitsrisiko und setzten ihn auf die schwarze Liste. Komponenten aus den USA dürfen nicht mehr geliefert werden. Huawei rüstete erfolgreich um und ist nicht mehr auf US-Zulieferungen angewiesen.
Huawei rüstet nach Sanktionen erfolgreich um: Erstes Top-Handy ohne Abhängigkeit von US-TeilenQuelle: Reuters © Michael Dalder

Die Hardware des neuen Mobilfunktelefons von Huawei "Mate 30", welches im September vorgestellt wurde, ist nicht mehr auf US-Technologie angewiesen. Allein das Android-Betriebssystem stammt noch aus den USA. In Washington hatte man Huawei den Kampf angesagt und das chinesische Unternehmen auf eine Sanktionsliste gesetzt. 

Als der britische Premierminister Boris Johnson jüngst mit einem Huawei-Gerät im Frühstücksfernsehen ein Selfie aufnahm, erntete er dafür prompt Kritik. Johnson konnte das augenscheinlich nicht nachvollziehen und fragte, was an einem Huawei-Mobiltelefon so schlimm sei. Seitens der USA wird Huawei vorgeworfen, im Auftrag der chinesischen Regierung zu agieren und Spionage in den USA zu betreiben. US-Soldaten wurde untersagt, Mobiltelefone dieses Herstellers zu benutzen, US-Firmen dürfen keine Hard- und Software mehr an Huawei liefern. Aber das neue Modell Mate 30 kann mit gewölbtem Bildschirm und einer Weitwinkelkamera erfolgreich in den Wettbewerb gegen den US-Hersteller Apple treten. 

Angesichts sich abzeichnender Probleme mit den Vereinigten Staaten von Amerika begann das chinesische Unternehmen bereits 2012 mit der Umrüstung und einer damit verbundenen Minderung der Abhängigkeiten von den USA, wofür die Mitarbeiter sogar Überstunden machten. Gegenüber dem Wall Street Journal meldete die Zentrale nun den Erfolg, man habe sich gänzlich von US-Komponenten, beispielsweise den Elektronik-Chips verabschiedet. Die Lücke im noch bestehenden Bedarf ausländischer Bauelemente füllen inzwischen der japanische Anbieter Murata Seisakusho und andere Unternehmen, die nicht in den USA beheimatet sind.

In Washington will man jüngst bei ausländischen Regierungen darüber hinaus erreichen, dass Huawei auch nicht am 5G-Netzwerkausbau teilhaben darf. Die Zulassung von Huawei-Produkten würde auch in Deutschland zu einem schnelleren und finanziell günstigeren Ausbau für den künftigen Mobilfunkstandard sorgen. 

Die anhaltend ablehnende Haltung gegenüber Huawei wird gesetzgeberisch in den USA auch mit dem neuen National Defense Authorization Act 2020 durchgesetzt. Dieses vom US-Repräsentantenhaus verabschiedete Papier beinhaltet  Maßnahmen gegen Huawei, die eine Streichung Huaweis von der Sanktionsliste erschweren. So dürfe künftig von Seiten der USA an Huawei ohne eine spezielle Lizenz keinerlei für die nationale Sicherheit der USA als relevant eingestufte Technologie mehr verkauft werden.

Nur ein Bericht des Kongresses über die jüngsten Aktivitäten Huaweis könnte wieder eine Löschung aus der Sanktionsliste bewirken. Bewiesen werden müsse, dass das Unternehmen und seine leitenden Angestellten gegen keinerlei US- oder UNO-Sanktionen verstoßen haben. Sollte es tatsächlich zu einer Aufhebung der Sanktionen kommen, werden US-Unternehmen dennoch das Nachsehen haben. Denn auf Lieferungen aus den Vereinigen Staaten von Amerika ist Huawei weitgehend nicht mehr angewiesen.