
Nepal will Klimakompensation für Flutkatastrophe

Nepal hat eine Klimakompensation für die verheerenden Überschwemmungen gefordert. Wie Shisir Khanal, der Außenminister des Himalaya-Landes, in einem Interview mit der Zeitung Guardian bestätigte, reichten die nepalesische Finanz- und Umweltministerium ein Schreiben an den UN-Fonds für Verluste und Schäden, der 2022 im Einklang mit dem Pariser Klimaabkommen eingerichtet wurde, um 20 Millionen US-Dollar für klimabedingte Schäden zu beantragen.

Khanal rief zur Klimagerechtigkeit auf und erklärte, das Engagement der größten Volkswirtschaften der Welt sei unerlässlich, um Nepal beim Wiederaufbau zu helfen. Das Land sei für weniger als 0,1 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich, während seine Nachbarn Indien und China zu den größten Emittenten der Welt zählen.
Ferner ruderte Khanal während des Interviews zurück und betonte, es gehe nicht darum, die Schuld auf das eine oder andere Land abzuwälzen, sondern um ein gemeinsames Vorgehen. Die Entschädigungsforderung sollte zudem als "Weckruf an die Weltgemeinschaft" dienen, einen robusten Mechanismus zur Unterstützung gefährdeter und kleiner Volkswirtschaften wie Nepal zu schaffen.
Die jüngste Katastrophe war weitaus extremer als alle Überschwemmungen, die normalerweise während der Monsunzeit auftreten, und fühlte sich an wie ein Tsunami, der aus dem Himalaya kam, hob der Minister hervor. Das Land erlebte bis zu 20 Meter hohe Wellen, durchsetzt mit Trümmern, Schlamm, Steinen und Felsen. Die Masse rutschte mit einer Geschwindigkeit von fast 180 Kilometer pro Stunde herab.
Die beantragte Entschädigungssumme werde bei Weitem nicht ausreichen, räumte Khanal ein. Laut einigen Schätzungen könnte sich die Gesamtschaden auf mehr als fünf Milliarden US-Dollar belaufen, möglicherweise auch höher ausfallen. Über 20.000 Häuser sowie die Hauptverkehrsstraße sind wieder aufzubauen. Dörfer in gefährdeten Gebieten entlang des Flusses, von denen einige vollständig weggespült wurden, sollten möglicherweise an höher gelegene Orte verlegt werden.
Für Nepal war die Katastrophe äußerst besorgniserregend. Khanal sah darin ein starkes Warnsignal dessen, was auf die Welt zukomme. Der Minister betonte:
"Wir haben so wenig zum Klimawandel beigetragen. Es ist unerlässlich, dass diejenigen in der Weltgemeinschaft, die von größeren, weitaus umweltschädlichen Volkswirtschaften profitieren und deren historischer Beitrag zu den Treibhausgasemissionen weitaus größer ist als der unsere, eine gemeinsame Verantwortung übernehmen. Dies betrifft die gesamte Menschheit."
Laut dem Guardian gehen Wissenschaftler davon aus, dass die Klimakrise eine Rolle bei den Überschwemmungen gespielt hat. Sie wurden Ende August ausgelöst, als ein schmelzender Gletscher teilweise zusammenbrach und dadurch einen verheerenden Erdrutsch sowie Sturzfluten in Nepal und den von China kontrollierten Gebieten Tibets hervorrief. Bislang wurden mehr als 1.300 Todesopfer bestätigt, über 5.500 Menschen gelten als vermisst.
Der Himalaya erwärmt sich um fast 50 Prozent schneller als der globale Durchschnitt. Im Jahr 2023 teilte die UNO mit, dass die Berge in Nepal aufgrund der globalen Erwärmung in etwas mehr als 30 Jahren fast ein Drittel ihres Eises verloren hatten.
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