
Japan: Kampf um Damentoiletten im Parlament

Von Astrid Sigena
Im Dezember 2025 meldete die japanische öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt NHK, dass sich japanische Parlamentarierinnen in einer überparteilichen Aktion zusammengeschlossen hätten, um für mehr Damentoiletten im japanischen Parlament zu kämpfen. Rund 60 weibliche Abgeordnete des japanischen Unterhauses unterzeichneten einen entsprechenden Appell, der dem Vorsitzenden des Ausschusses für Geschäftsordnung und Verwaltung überreicht wurde. In der Petition wird die Erweiterung und Verbesserung der Damentoiletten im Parlamentsgebäude gefordert.
In den vergangenen Jahren hat die Anzahl weiblicher Abgeordneter in Japan kontinuierlich zugenommen. Bei den letzten Wahlen zum Shūgiin, dem japanischen Abgeordnetenhaus, war eine Rekordzahl an Kandidatinnen gewählt worden. 73 von 465 Abgeordneten (also knapp 16 Prozent) sind Frauen. Damit wurde der bisherige Höchstwert vom Jahr 2009 übertroffen (damals waren es 54 Frauen, die das Abgeordnetenamt bekleideten).

Die Petition bemängelt nun, dass die Anzahl der Damentoiletten im Kokkai-gijidō, dem Parlamentsgebäude, nicht mehr ausreiche. Der Mangel an ausreichenden Toiletten beeinträchtige schließlich nicht nur die Abgeordneten, sondern auch ihre Mitarbeiterinnen, deren Zahl ebenfalls gestiegen sei. Deshalb müssten zusätzliche Toiletten eingebaut und bereits bestehende Toiletten renoviert werden. Das betreffe insbesondere die Damentoiletten in der Nähe des Plenarsaals, die regelmäßig überfüllt seien. Vor den Plenarsitzungen gebe es stets lange Schlangen.
In der Nähe des Plenarsaals befindet sich lediglich eine Damentoilette mit zwei Kabinen, das gesamte Parlamentsgebäude verfügt über insgesamt neun Damentoiletten mit 22 Kabinen. Da auch Besucherinnen die Toiletten mitbenutzen müssten, reiche die Zahl bei Weitem nicht aus. Die männlichen Parlamentarier, Abgeordnetenmitarbeiter und Besucher haben dagegen zwölf Herrentoiletten mit 67 Kabinen und Urinalen zur Verfügung.
Yasuko Komiyama, eine der Initiatorinnen der Petition, erklärte gegenüber der Presse, dass die Frauen im Parlament aus Zeitnot oft darauf verzichten würden, auf die Toilette zu gehen. Die Arbeitsbedingungen von Frauen im Parlament müssten verbessert werden. Auf der Plattform Facebook beklagte sie, dass das Parlamentsgebäude 1936 errichtet worden sei, also aus einer Zeit stamme, als es noch keine weiblichen Abgeordneten gegeben habe (Frauen erhielten in Japan das Wahlrecht erst nach dem Zweiten Weltkrieg). Es handele sich also immer noch um eine Einrichtung für Männer, obwohl sich die Zeiten mittlerweile geändert hätten. Der zuständige Vorsitzende des Geschäftsordnungsausschusses im japanischen Parlament versprach, sich der Sache anzunehmen und eine mögliche Erweiterung des historischen Gebäudes ins Auge zu fassen.
Nun wurde bekannt, dass auch Sanae Takaichi, die frisch gekürte japanische Premierministerin, die Petition unterzeichnet hat. Ob auch Takaichi als höchste Politikerin im Staate unter der Toilettenknappheit zu leiden hat, ist fraglich. Womöglich möchte sie auch einfach ihre Glaubwürdigkeit in Sachen weiblicher Gleichberechtigung aufbessern. Denn eigentlich hatte Takaichi ihren Anhängern versprochen, den Frauenanteil im Kabinett auf ein Niveau zu steigern, das mit dem in den skandinavischen Ländern vergleichbar ist, die weltweit Spitzenreiter bei der Beteiligung von Frauen an der politischen Macht sind. Der Frauenanteil in den Regierungskabinetten dieser Länder ist oft nahe an der Parität. Doch in dieser Hinsicht enttäuschte Takaichis Auswahl für ihr Kabinett: Lediglich zwei von 19 Ministern sind weiblich.
Da liegt es nahe, sich auch aus populistischen Gründen eines Themas anzunehmen, das nicht nur für Parlamentarierinnen, sondern auch für die gewöhnliche Japanerin von Dringlichkeit ist. Der Mangel an Damentoiletten wird in Japan schon länger beklagt, lange Schlangen vor den entsprechenden Örtlichkeiten sind üblich.
Ob sich wirklich etwas bessert? Bereits der frühere Premierminister Shigeru Ishiba hatte versprochen, seine Regierung werde sich die Verbesserung der Toilettensituation für den weiblichen Teil der Gesellschaft zur Aufgabe machen. Vielleicht wird sich wenigstens für die Parlamentarierinnen etwas ändern. Denn das Gleichstellungsziel in Japan ist es, dass bei den nächsten Parlamentswahlen 30 Prozent der Gewählten Frauen sein sollen. Spätestens dann sollte das Abgeordnetenhaus gerüstet sein für den Zustrom an Parlamentarierinnen.
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