Taliban entdecken ballistische Raketen sowjetischer Herkunft in einem Versteck im Pandschir-Tal

Nach Übernahme der Kontrolle über das Pandschir-Tal haben die Taliban ein Versteck mit mehreren alten ballistischen Raketen aus sowjetischer Produktion entdeckt. Wegen nicht sachgerechter Lagerung scheinen die Flugkörper aber nicht einsatzfähig zu sein.

Taliban-Milizen entdeckten das Raketenlager bei der Sicherung des Gebiets am Ufer des Panschir-Flusses, wie im Internet aufgetauchte Bilder und Videos zeigen. Das Panschir-Tal war vergangene Woche nach einer kurzen Auseinandersetzung mit lokalen Widerstandskräften von den Taliban eingenommen worden.

In einem von den Taliban gedrehten Video sind jeweils etwa zehn ballistische Kurzstreckenraketen vom Typ Luna-M (NATO-Codename FROG-7) und R-17 (NATO-Codename SS-1c Scud-B) zu sehen. Wie Satellitenbildern zu entnehmen ist, wurden die Geschosse offenbar schon seit längerer Zeit an diesem Ort gelagert. Das Video zeigt, dass die Munition stark verwittert und die Lackierung teilweise abgeblättert ist.

Mehrere Sprengköpfe, die wahrscheinlich für Luna-M-Raketen bestimmt waren, liegen ebenfalls herum. Da sie offensichtlich in Transportbehältern aufbewahrt wurden, scheinen sie sich in einem besseren Zustand zu befinden. Ob die Raketen betankt sind, blieb zunächst unklar. Angesichts der prekären Lagerbedingungen ist es allerdings unwahrscheinlich, dass die Munition einsatzbereit ist.

Bei der R-17 handelt es sich um eine ballistische Kurzstreckenrakete, die Ende der 1950er-Jahre in der Sowjetunion entwickelt wurde. Sie kann Gefechtsköpfe, darunter auch nukleare, über eine Strecke von bis zu 300 Kilometern befördern. Die Luna-M ist eine taktische Kurzstreckenrakete mit einer maximalen Reichweite von 70 Kilometern.

Die ballistischen Raketen wurden in den 1980er-Jahren von der Sowjetunion an die sozialistische afghanische Regierung geliefert. Nach dem Zusammenbruch der sowjetisch gestützten Regierung Afghanistans Anfang der 1990er-Jahre gelangte die Munition in die Hände verschiedener militanter Gruppen, darunter auch der Widerstandskräfte im Panschir-Tal unter der Führung des damaligen Befehlshabers Ahmad Schah Massoud.

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