Asien

Afghanische Regierung beschließt Ausgangssperre im Kampf gegen Taliban

Die Taliban setzen ihre Offensive in Afghanistan fort. So habe die islamistische Gruppierung nach eigenen Angaben auch rund 90 Prozent der Landesgrenzen unter eigener Kontrolle. Vor diesem Hintergrund kündigt die Regierung für einen Monat eine nächtliche Ausgangsperre an.
Afghanische Regierung beschließt Ausgangssperre im Kampf gegen TalibanQuelle: AFP © SAJJAD HUSSAIN

Angesichts des Vormarsches der Taliban will die afghanische Regierung in 31 der 34 Provinzen des Landes eine nächtliche Ausgangssperre verhängen. Wie ein Sprecher des Innenministeriums am Samstag mitgeteilt hat, werde diese nach einem Beschluss von Präsident Aschraf Ghani von 22:00 bis 04:00 Uhr Ortszeit gelten. Nur drei Provinzen, darunter auch Kabul mit der gleichnamigen Hauptstadt, seien davon ausgenommen.

Mit dem Schritt will die Regierung ein Eindringen von Taliban-Kämpfern in größere Städte und nächtliche Terroranschläge verhindern. Die Taliban haben seit Beginn des Abzugs der ausländischen Truppen Anfang Mai mehrere Offensiven gestartet und dabei große Gebietsgewinne erzielt. Mittlerweile kontrollieren sie knapp über die Hälfte aller Bezirke des Landes. Nach eigenen Angaben hat die islamistische Gruppierung bereits 90 Prozent der Landesgrenzen unter eigener Kontrolle.

Trotz des Vormarsches der Taliban will US-Präsident Joe Biden den Afghanistan-Einsatz am 31. August – knapp 20 Jahre nach 9/11 – beenden. Dann sollen US-Soldaten nur noch zum Schutz der eigenen Botschaft in Afghanistan verbleiben. Zahlreiche Afghanen, die während des Einsatzes für die USA tätig waren, etwa Dolmetscher, können spezielle Einwanderungsvisa für die USA beantragen. Nach Einschätzung von Fachleuten droht den Helfern nach dem Abzug der US-Truppen die Rache der Taliban.

Inzwischen hat Biden bis zu 100 Millionen US-Dollar (rund 85 Millionen Euro) für Flüchtlinge aus Afghanistan genehmigt. Das aus einem Notfallfonds kommende Geld solle eingesetzt werden, um "unerwartet dringende Bedürfnisse" von Menschen zu erfüllen, die wegen der Situation in dem Land gefährdet seien. Das Büro des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) schätzt die Zahl der allein seit diesem Januar binnenvertriebenen Afghanen auf 270.000. Somit beträgt die Gesamtzahl der Afghanen, die ihre Häuser verlassen mussten, jetzt mehr als 3,5 Millionen. Friedensgespräche zwischen den Taliban und der Regierung in Kabul laufen seit September des Vorjahres, allerdings treten diese auf der Stelle.

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(rt/dpa)

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