Asien

Myanmar nach dem Putsch: Polizei schießt auf Demonstranten

Im Norden Myanmars ist es zu heftigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gekommen. Auf den Videos ist zu sehen, wie die Polizei das Feuer auf die Menge eröffnet. Bisher ist unklar, ob es sich um scharfe Munition oder Gummigeschosse handelte.
Myanmar nach dem Putsch: Polizei schießt auf DemonstrantenQuelle: Reuters © STRINGER

Am 14. Februar ist es in Myanmar erneut zu Protesten gekommen. Dutzende Demonstranten standen am Sonntag unweit eines Kraftwerks in der Stadt Myitkyina der Bereitschaftspolizei gegenüber. Die Stadt liegt 1.480 Kilometer von der Hauptstadt Yangon im Norden des Landes entfernt, wo es seit dem Militärputsch vom 1. Februar wiederholt zu Protesten kommt.

Mehreren Berichten zufolge wurde das Militär eingesetzt, um die Unruhen zu unterdrücken. Zu den Zusammenstößen in Myitkyina kam es, nachdem die Behörden den Strom abgeschaltet hatten. Bisher ist unklar, ob die Sicherheitskräfte bei den Einsätzen scharfe Munition oder Gummigeschosse verwendeten. Medienberichten zufolge feuerte die Polizei auch Tränengas und Rauchgranaten ab und setzte Wasserwerfer ein, um die Demonstranten zu zerstreuen. Die britische BBC berichtete, dass fünf Journalisten während der Ausschreitungen festgenommen wurden. Ein Video zeigt Protestierende, wie sie vor mehreren Schüssen davonlaufen.

Kurz nach den Ereignissen in Myitkyina meldete die Aktivistengruppe NetBlocks Internet Observatory eine "fast vollständige Abschaltung des Internets" im Land. Die Gruppe machte die Regierung für den Ausfall verantwortlich und stellte fest, dass die Konnektivität im ganzen Land über Nacht von einem normalen Niveau auf 14 Prozent zurückging. Die Verbindungen wurden am Montag gegen 9 Uhr Ortszeit wiederhergestellt. Laut NetBlocks konnten die meisten Einwohner jedoch noch immer nicht auf soziale Medien zugreifen.

Unterdessen forderten die Botschaften mehrerer westlicher Länder, darunter die der USA, der EU, Großbritanniens, Kanadas, Deutschlands und Frankreichs, die Sicherheitskräfte auf, "keine Gewalt gegen Demonstranten und Zivilisten auszuüben". Dabei verwiesen sie auf die Inhaftierung von Staatschefin Aung San Suu Kyi und die Ausrufung eines einjährigen Ausnahmezustands durch das Militär nach dem Sturz der legitimen Regierung. Am Sonntag verkündete die US-Botschaft auf Twitter:

"Wir unterstützen die Menschen in Myanmar bei ihrem Streben nach Demokratie, Freiheit, Frieden und Wohlstand. Die Welt schaut zu."

Die größte Protestwelle in Myanmar seit der Krise im Jahr 2007 brachte Tausende von Menschen auf die Straße, wo diese die Freilassung von Suu Kyi und die Rückkehr der Zivilregierung forderten. Die Generäle erklärten einen landesweiten Ausnahmezustand und nahmen die Friedensnobelpreisträgerin von 1991 am 1. Februar fest. Das Militär beschuldigt die Regierungspartei, eine mögliche Manipulation der Wahlen nicht untersucht zu haben, bei denen die Nationale Liga für Demokratie-Partei (NLD) von Suu Kyi im November vergangenen Jahres einen durchschlagenden Sieg errungen hatte. Suu Kyi wurde unter Hausarrest gestellt. Die Polizei behauptet, in ihrem Haus nicht genehmigte Funkgeräte gefunden zu haben. Während Suu Kyis Arrest ursprünglich am Montag auslaufen sollte, sagen ihre Anwälte, dass sie bis zum 17. Februar in Untersuchungshaft bleiben müsse.

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