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Krieg in Afghanistan: Zahl der zivilen Opfer hat sich während Trumps Amtszeit mehr als verdreifacht

Die Zahl der zivilen Todesopfer in Afghanistan ist unter US-Präsident Donald Trump um 330 Prozent angestiegen. Ein neuer Bericht macht hierfür den Versuch der US-Regierung verantwortlich, die militärischen Einsatzregeln zu lockern.
Krieg in Afghanistan: Zahl der zivilen Opfer hat sich während Trumps Amtszeit mehr als verdreifachtQuelle: Reuters © Jonathan Ernst

Während der ersten drei Jahre von Trumps Präsidentschaft sollen jährlich durchschnittlich 1.134 Zivilisten bei Luftangriffen unter Führung der USA und der afghanischen Regierungstruppen getötet worden sein. Dies ist ein Anstieg von fast 95 Prozent gegenüber der durchschnittlichen jährlichen Todesrate unter Trumps Vorgänger Barack Obama, so ein am Montag vom "Costs of War Project" der Brown University veröffentlichter Bericht.

In den ersten sechs Monaten des Jahres 2017 bombardierten die USA Afghanistan 1.984 Mal, dreimal so oft wie im gleichen Zeitraum des Jahres 2016. Die gestiegene Zahl der Luftangriffe sei ein direktes Ergebnis der Politik der Trump-Regierung gewesen, die die "Einsatzregeln für Luftangriffe gelockert hat", heißt es in dem Bericht.

Da das Pentagon und das afghanische Militär von der Notwendigkeit befreit waren, in direkter Tuchfühlung mit den feindlichen Streitkräften zu stehen, bevor sie den Tod von oben herbeiführen konnten, nutzten sowohl das Pentagon als auch das afghanische Militär die Situation aus. Sie warfen eine noch nie dagewesene Anzahl von Bomben ab, darunter die Massive Ordnance Air Blast, auch bekannt als "Mutter aller Bomben". Diese gilt als die "ergiebigste" Bombe der USA. Die vielen Luftangriffe sollten "die Taliban zur Versöhnung drängen", beteuerte US-Brigadegeneral Lance Bunch gegenüber Reportern im Jahr 2018.

In den Jahren 2016 bis 2019 stieg die Zahl der Opfer unter der afghanischen Zivilbevölkerung nach den neuen Einsatzregeln um 330 Prozent an. Die USA "erkennen die Gefährdung der afghanischen Zivilbevölkerung als Teil ihrer militärischen Strategie in Afghanistan an", heißt es im Bericht weiter. Die Autoren stellten fest, dass Washington im Jahr 2019 65 sogenannte Kondolenz-Zahlungen in Höhe von mehr als 314.000 US-Dollar an "freundlich gesinnte afghanische Zivilisten" geleistet habe. Diese Zahlungen erfolgten als "Ausdruck des Mitgefühls oder des guten Willens" und seien nicht als "Entschädigung oder Wiedergutmachung" gedacht gewesen.

Das vergangene Jahr erwies sich für die afghanische Zivilbevölkerung als das schlimmste in dem fast zwei Jahrzehnte dauernden Krieges. Allein in diesem Jahr wurden rund 700 afghanische Zivilisten getötet, mehr Zivilisten als in jedem anderen Jahr seit Beginn des Krieges, so der Bericht. In Zukunft werde es jedoch schwieriger werden, genau zu bestimmen, wie viele Zivilisten durch US-amerikanische Kriegshandlungen sterben, denn im März 2020 stellte das Pentagon die Veröffentlichung von Daten über die Anzahl der Luftangriffe ein. Angeblich um Auswirkungen auf die Friedensgespräche zu vermeiden.

Während die US-Luftangriffe gemäß dem vorläufigen Friedensabkommen zwischen Washington und den Taliban in diesem Jahr offenbar zurückgingen, verstärkte die afghanische Regierung ihre eigenen Luftangriffe in diesem Zeitraum. Nachdem in den ersten sechs Monaten des Jahres 86 Menschen getötet und 103 weitere verletzt wurden, verdoppelte Kabul fast die Zahl der Opfer von Juli bis September, sodass im Laufe dieser drei Monate weitere 70 Zivilisten getötet wurden.

Während seiner Kampagne für die US-Präsidentschaft im Jahr 2016 versprach Donald Trump, US-Truppen aus den nicht endenden Kriegen im Nahen Osten nach Hause zu bringen. Dieses Versprechen hielt er jedoch nicht und schickte im Jahr 2017 weitere Truppen nach Afghanistan, bevor er in diesem Jahr damit begann, ihre Zahl zu reduzieren.

Die USA haben in den 20 Jahren, die sie im längsten Krieg in der US-Geschichte verbracht haben, wenig vorzuweisen. Obwohl sie Billionen von US-Dollar ausgegeben und Tausende von Soldaten in den Tod geschickt haben. Die Taliban kontrollieren nach wie vor mehr als die Hälfte des Landes.

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