Asien

Großveranstaltungen in Zeiten von Corona: Japan plant Testlauf mit 27.000 Menschen

Mithilfe technologischer Neuerungen plant die japanische Regierung ein dreitägiges Experiment, das Maßnahmen gegen die Ausbreitung von COVID-19 bei Großveranstaltungen testen soll. Rund 27.000 Menschen werden sich Ende Oktober im Yokohama Stadium einfinden.
Großveranstaltungen in Zeiten von Corona: Japan plant Testlauf mit 27.000 MenschenQuelle: AFP © STR / JIJI PRESS

Der Präfekturausschuss der südlich von Tokio gelegenen Präfektur Kanagawa plant in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung von Yokohama ein dreitägiges Experiment, um Maßnahmen zu prüfen, die eine Verbreitung von COVID-19 bei Großveranstaltungen unterbinden sollen. Hierfür sollen sich am 30. Oktober zunächst 27.000 Menschen im Yokohama Stadium einfinden, was einer Kapazität von rund 80 Prozent der Zuschauerplätze entspricht. Sollte der erste Testlauf erfolgreich sein, wird in den darauffolgenden beiden Tagen der Versuch unternommen, das Stadion auf die volle Kapazität von rund 34.000 Sitzplätzen zu füllen. 

Die Durchführung des Experiments wurde am vergangenen Donnerstag von einem Unterausschuss der Regierung genehmigt. Dies bestätigte der Minister für wirtschaftliche Wiederbelebung Yasutoshi Nishimura der Presse. Der Testlauf soll primär untersuchen, ob sich große Menschenmassen ohne Infektionsrisiko versammeln können. Der Gouverneur von Kanagawa Yuji Kuroiwa setzte einen potenziell erfolgreichen Ausgang des Experiments in Kontext zu den verschobenen Olympischen Spielen, die im kommenden Jahr in Tokio stattfinden sollen.

Wir wollen die fortschrittlichsten Technologien mobilisieren, um ein Modell vorzustellen und einen Weg für den Erfolg der Olympischen Spiele in Tokio zu finden.

Hochpräzise Kameras und Leuchtsignale sollen kontinuierlich die Dichte und den Fluss an Menschen bei dem Test beobachten. Mithilfe von Gesichtserkennungssoftware sollen Menschen, die keine Maske tragen, aus der Masse herausgefiltert werden. Auch Wärmebildkameras sollen zum Einsatz kommen, um Menschen mit einer ungewöhnlich hohen Körpertemperatur erkennbar zu machen. Die Daten werden im Nachhinein ausgewertet und in effiziente Maßnahmen umformuliert.

Erst im vergangenen Monat wurde die Begrenzung der Anzahl an Menschen bei Großveranstaltungen von 5.000 auf 10.000 angehoben. Eine Obergrenze von 50 Prozent für Veranstaltungsorte mit einer Kapazität von über 10.000 Menschen wurde derweil bis Ende November verlängert. Veranstaltungsorte für relativ kleine Veranstaltungen die ein geringeres Infektionsrisiko aufweisen, so wie zum Beispiel Konzertsäle für klassische Musik oder Kinos, dürfen in voller Kapazität ihre Arbeit aufnehmen.

Ähnliche Testläufe – wenn auch zunächst in einer geringeren Größenordnung – wären auch in Deutschland möglich. Bislang weigert sich jedoch die Politik aufgrund der steigenden Zahl an Neuinfektionen, solche Unterfangen in Erwägung zu ziehen. Geschäftsführer des Veranstaltungsdienstleisters Media Spectrum GmbH & Co. KG, Dirk Schmidt-Enzmann, bekräftigte in einem Kurzbeitrag des Zuschauer-Talks Ihre Meinung dem WDR, dass Technologien für die Durchführung von Großveranstaltungen auch hierzulande zur Verfügung stünden. Temperaturmesser und Zählsysteme für Räume könnten laut Schmidt-Enzmann einen sicheren und geordneten Rahmen für größere Veranstaltungen schaffen. Einen Sinn hinter den strikten Auflagen erkennt der Geschäftsführer nicht, zumal mehrere Hunderttausende Soloangestellte – die unter normalen Umständen mit seinem Unternehmen zusammenarbeiten – derzeit um ihre Existenz bangen müssen. Das Unternehmen bemüht sich weiterhin Großveranstaltungen in Zeiten von COVID-19, unter den richtigen Bedingungen, möglich zu machen. 

Japan bestätigte am vergangenen Donnerstag etwa 700 Neuinfektionen mit COVID-19, darunter 79 in der Präfektur Kanagawa. Die jüngste Zahl bringt die landesweite Summe an Infizierten auf über 92.100. In Tokio wurden am selben Tag 284 neue Fälle gemeldet. Die japanische Regierung ist derzeit bemüht, Rahmenbedingungen für gewisse Branchen zu schaffen, die aufgrund von COVID-19 enorme wirtschaftliche Verluste verbuchen mussten. Das Experiment Ende Oktober könnte daher neue Wege etablieren, wie künftig mit dem Virus umgegangen wird. 

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