Asien

Kampfhandlungen in Bergkarabach: Konfliktseiten werfen einander Raketenangriffe auf Zivilisten vor

Der vor einer Woche eskalierte Bergkarabach-Konflikt flaut nicht ab: Die schweren Gefechte im Südkaukasus dauern an, während Armenien und Aserbaidschan einander die Schuld geben. Am Sonntag sollen mehrere Ortschaften beiderseits der Kontaktlinie beschossen worden sein.
Kampfhandlungen in Bergkarabach: Konfliktseiten werfen einander Raketenangriffe auf Zivilisten vorQuelle: Sputnik

Am Sonntagmorgen haben die Behörden der international nicht anerkannten Republik Bergkarabach die aserbaidschanische Armee beschuldigt, die Hauptstadt Stepanakert erneut unter Beschuss genommen zu haben. Augenzeugen sprachen von mehreren Explosionen. Auf Videos waren auch Rauchsäulen zu sehen. Es gab Fliegeralarm, in der Stadt heulten Zivilschutzsirenen.

Der Präsident des nicht anerkannten Staates warf Aserbaidschan einen Angriff mit Mehrfachraketenwerfersystemen des Typs Smertsch und Polones auf die zivile Bevölkerung vor. Araik Arutjunjan kündigte vor diesem Hintergrund an, dass die Armee der Republik Bergkarabach von nun an aserbaidschanische Militäreinheiten in Großstädten des Nachbarlandes ins Visier nehmen werde. Auf Facebook rief er die zivile Bevölkerung dieser Städte auf, sich in Sicherheit zu bringen, um mögliche Opfer zu vermeiden. Die ganze Verantwortung trage die militärisch-politische Führung Aserbaidschans.

Kurz darauf berichtete das aserbaidschanische Verteidigungsministerium von einem Raketenbeschuss der zweitgrößten Stadt des Landes Gəncə durch die armenischen Streitkräfte. Es gebe mindestens ein Todesopfer und vier Verletzte.

Außerdem seien die Städte Tərtər und Horadiz in der Nähe der Kontaktlinie und weitere Ortschaften beschossen worden. Es gebe Tote und Verletzte unter der zivilen Bevölkerung. Nach Angaben der Militärbehörde in Baku sollen die meisten Artillerie- und Raketenattacken von Militärbasen um Stepanakert aus erfolgen. Man zerstöre diese Punkte mit Präzisionsschlägen, um die Sicherheit der Zivilbevölkerung zu gewährleisten.

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Das armenische Verteidigungsministerium wies seinerseits alle Vorwürfe zurück, Aserbaidschan vom Territorium Armeniens aus anzugreifen. Gleichzeitig teilte die Sprecherin der Militärbehörde in Jerewan, Schuschan Stepanjan, mit, dass die Armee der nicht anerkannten Republik Bergkarabach wichtige Militärobjekte im Hinterland Aserbaidschans angreife.

Am Samstag hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem armenischen Regierungschef Nikol Paschinjan telefoniert. Die deutsche Politikerin zeigte sich besorgt angesichts der anhaltenden Auseinandersetzungen und der steigenden Opferzahlen. Sie betonte, dass alle Seiten die Kampfhandlungen unverzüglich einstellen und Verhandlungen aufnehmen müssten. Die Bundeskanzlerin sprach sich zudem dafür aus, dass eine humanitäre Feuerpause zur Bergung von Soldaten vereinbart werden sollte.

Am Morgen des 27. September hatte Armeniens Premierminister Nikol Paschinjan erklärt, dass die aserbaidschanischen Streitkräfte eine Offensive gegen die international nicht anerkannte Republik Bergkarabach gestartet hätten. Aus dem Verteidigungsministerium in Baku verlautete hingegen, die armenischen Streitkräfte hätten gegen 4 Uhr MESZ aserbaidschanische Armeestellungen und Ortschaften unter Beschuss genommen. Die Behörden der nicht anerkannten Republik Bergkarabach gaben bekannt, dass unter anderem die Hauptstadt Stepanakert unter Beschuss geraten sei. In dem international nicht anerkannten Staat wurde der Kriegszustand ausgerufen und die allgemeine Mobilmachung angeordnet. Später traf auch Armenien die gleichen Maßnahmen.

Der Konflikt war im Februar 1988 ausgebrochen, als die autonome Region Bergkarabach mit der überwiegend armenischen Bevölkerung ihre Loslösung von Aserbaidschan angekündigt hatte. Im Laufe der bewaffneten Auseinandersetzungen, die von 1992 bis 1994 dauerten, verlor Baku seine Kontrolle über Bergkarabach und sieben Anrainergebiete. Im Jahr 1994 unterzeichneten Aserbaidschan, Armenien und die international nicht anerkannte Republik Bergkarabach unter Vermittlung der Russischen Föderation ein Protokoll über einen Waffenstillstand. Trotzdem kam es wiederholt zu Kampfhandlungen, zuletzt im Juli dieses Jahres, als insgesamt 18 Menschen bei einem Konflikt an der armenisch-aserbaidschanischen Grenze ums Leben kamen.

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