Asien

Außenpolitischer Kurswechsel: Pakistans Außenminister reist nach China

Der pakistanische Außenminister Shah Mehmood Qureshi ist am vergangenen Donnerstag zu einem zweitägigen Gipfeltreffen mit seinem Amtskollegen Wang Yi nach China gereist. Der Besuch Qureshis in China macht einen Kurswechsel in der Außenpolitik Pakistans in der Region deutlich.
Außenpolitischer Kurswechsel: Pakistans Außenminister reist nach ChinaQuelle: www.globallookpress.com © via www.imago-images.de

Der pakistanische Außenminister Shah Mahmood Qureshi ist am vergangenen Donnerstag zu einem zweitägigen Gipfeltreffen mit seinem Amtskollegen Wang Yi nach China gereist – nur wenige Tage nachdem Pakistans Armeechef General Qamar Javed Bajwa während seines Besuchs in Riad die Audienz beim saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman verweigert worden war.

Der Besuch Qureshis in China macht einen Kurswechsel in der pakistanischen Außenpolitik in der Region deutlich. In den Medien Pakistans wird bereits berichtet, dass sich das Land nach dem Besuch auf die Partnerschaft mit China anstatt auf jene mit Saudi-Arabien und den USA konzentrieren wird. Insbesondere Indien sei verärgert über die gemeinsame Erklärung zwischen Pakistan und China, die nach den strategischen Gesprächen der Außenminister beider Länder veröffentlicht wurde. Die Außenminister Pakistans und Chinas führten ihren zweiten jährlichen strategischen Dialog, in dem es um die Möglichkeiten zur Verbesserung ihrer bilateralen Beziehungen und die Kaschmir-Frage sowie die Fortschritte bezüglich des chinesisch-pakistanischen Wirtschaftskorridors ging.

Der Aufbau des Wirtschaftskorridors China-Pakistan sei in eine neue Phase einer hochqualitativen Entwicklung eingetreten und werde weiterhin eine wichtige Rolle bei der Wiederbelebung Pakistans spielen, erklärte Wang am Freitag während des Treffens mit seinem pakistanischen Amtskollegen. Beide Seiten würden sich bemühen, die entsprechenden Projekte rechtzeitig fertigzustellen, mehr Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen, die Zusammenarbeit in Bereichen wie Industrieparks und Landwirtschaft zu stärken sowie das Potenzial des Korridors weiter zu nutzen, um eine gemeinsame Entwicklung zu erreichen, so Wang weiter.

Der Besuch des pakistanischen Außenministers in China findet zu einer Zeit statt, in der die Beziehungen zwischen Pakistan und Saudi-Arabien besonders angespannt sind. Pakistan erwartet mehr Unterstützung vonseiten der Saudis im Kaschmir-Konflikt. Der Streit um die Region Kaschmir symbolisiert den bilateralen Konflikt zwischen Indien und Pakistan. Tausende Menschen demonstrierten am 5. August, dem ersten Jahrestag des Verlustes der Teilautonomie im indisch kontrollierten Teil Kaschmirs, in Pakistan gegen die entsprechende Entscheidung des Nachbarlandes. Pakistans Präsident Arif Alvi und Außenminister Qureshi führten die größte Demonstration in der Hauptstadt Islamabad an. Dort sangen Teilnehmer anti-indische Slogans und forderten eine globale Intervention. Die indische Regierung von Premierminister Narendra Modi hatte am 5. August 2019 der indisch verwalteten Region Jammu und Kaschmir ihre Teilautonomie entzogen, um sie stärker in das mehrheitlich hinduistische Indien zu integrieren.

Die Spannungen zwischen Saudi-Arabien und Pakistan nehmen derweil zu, nachdem das Königreich die Rückzahlung seines Milliardenkredits zurückgefordert hatte. Im Oktober 2018 stellte es Pakistan ein Finanzpaket in Höhe von 6,2 Milliarden US-Dollar für drei Jahre zu. Dieses beinhaltete Bargeldunterstützung in Höhe von drei Milliarden US-Dollar, während Öl und Gas für den Rest des Geldes nach Pakistan geliefert werden sollten. Die saudische Regierung erklärte den Vertrag vorzeitig für beendet und drang darauf, den Kredit vollständig zurückzubekommen. Von chinesischer Seite aus ging bereits eine Milliarde Dollar an Pakistan, um das Darlehen zurückzuzahlen. Insofern wird spekuliert, ob es sich bei diesem Treffen unter anderem um eine weitere finanzielle Hilfe der Chinesen handelte. 

Hierbei ist anzumerken, dass Pakistan seit Jahren gute politische Beziehungen zu Iran und der Türkei pflegt, die von den Saudis mit Argusaugen beobachtet wird. Pakistan fand in den letzten Jahren zunehmend Anschluss an China als "Allzeit-Freund", wie die Partnerschaft in beiden Ländern auch genannt wird.

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