Lateinamerika

Venezuela könnte Öllieferungen für die USA nach Russland und China umleiten

Venezolanisches Rohöl, welches ursprüngliches für die USA bestimmt war, könnte die Regierung von Caracas in andere Länder umleiten. Dabei wurden Russland und China als mögliche Ziele genannt. Washington wirft dem russischen Unternehmen Rosneft Umgehung der US-Sanktionen gegen Venezuela vor.
Venezuela könnte Öllieferungen für die USA nach Russland und China umleiten Quelle: Reuters © Carlos Garcia Rawlins

Der venezolanische Ölminister und Präsident der staatlichen Ölgesellschaft PDVSA, Manuel Quevedo, kündigte am Montag auf einem Treffen der OPEC und anderer Ölminister in Aserbaidschan an, dass Caracas seine Schifffahrtsrouten für die Rohöltransporte ändern werde. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, dass hierbei auch die russische staatliche Ölgesellschaft Rosneft und China als Ziele angesehen würden. In einer Erklärung des aserbaidschanischen Energieministeriums unter Berufung auf Quevedo heißt es:

Russland und China gelten wegen der Aussetzung der Ölexporte nach Indien als die Hauptziele. 

In der ersten Februarhälfte war Indien der führende Käufer des venezolanischen Rohöls, bevor es dem Druck der USA ausgesetzt wurde. Washington hatte gegen den staatlichen Ölhandel Venezuelas Sanktionen erhoben. Dabei machen die Öleinnahmen Venezuelas 98 Prozent seiner Exporterlöse aus. 

Die US-Regierung unter Donald Trump unterstützt den selbsternannten Interimspräsidenten Juan Guaidó. Mehr als 50 Länder folgten dem Vorbild der USA und fordern Neuwahlen in Venezuela. Der venezolanische Präsident Nicolás Maduro wirft den Vereinigten Staaten vor, einen Regime-Change herbeiführen zu wollen. In drei diplomatischen Vertretungen in den USA und Panama übernahm bereits die von Guaidó angeführte venezolanische Opposition die Kontrolle. 

Dem Unternehmen Rosneft warf der US-Außenminister Mike Pompeo in der vergangenen Woche vor, sich den Sanktionen zu widersetzen, indem es weiterhin Öl von PDVSA erwerbe. Rosneft wies die Vorwürfe mit dem Hinweis zurück, dass die Verträge zum Kauf des Rohöls aus Venezuela lange vor den Sanktionen Washingtons unterzeichnet wurden. Dabei betonte das Unternehmen, sich nicht politisch engagieren zu wollen und lediglich kommerzielle Aktivitäten im Interesse aller Aktionäre zu verfolgen. 

Um die Risiken für PDVSA einzudämmen, ordnete Maduro Anfang des Monats die Verlegung der Europazentrale des staatlichen Ölkonzerns von Lissabon nach Moskau an. Das neue Büro soll im April im Rahmen eines Besuchs von Quevedo in der russischen Hauptstadt eröffnet werden. 

Mehr zum ThemaDer Stromausfall in Venezuela und die NATO-Strategie der Cyberangriffe