Lateinamerika

Washington ruft "haltet den Dieb": Moskau und seine Desinformation sind schuld an Venezuela-Krise

Die USA bemühen sich intensiv, Venezuela zu destabilisieren. Für die Krise dort sollen aber Moskau und russische Medien verantwortlich sein. Das sagt zumindest US-Außenminister Pompeo. Seine Aussage gleicht der eines Ertappten, der "haltet den Dieb" schreit.
Washington ruft "haltet den Dieb": Moskau und seine Desinformation sind schuld an Venezuela-KriseQuelle: Reuters

Die Vereinigten Staaten arbeiten weiter am Sturz des amtierenden venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro, nachdem sie im Januar den selbsternannten Interimspräsidenten Juan Guaidó flugs als Staatschef anerkannt haben – der im Gegensatz zu Maduro keineswegs dafür demokratisch gewählt wurde. Aber nicht diese fortwährende Missachtung des Völkerrechts, nicht die tödlichen US-Sanktionen oder die vor den Augen der Weltöffentlichkeit vollzogene Umsetzung der bereits seit langem bekannten US-Pläne, einen Militärputsch in Venezuela zu organisieren, sind nach Ansicht von Mike Pompeo verantwortlich für die Krise in dem lateinamerikanischen Land.

Laut dem US-Außenminister hat Russland "die Krise verursacht", indem es Maduro "politische Rückendeckung" verschafft und andere Länder dazu gedrängt habe, die "demokratische Legitimität" von Guaidó zu missachten.

Zu Pompeos kurioser Interpretation der Ereignisse in Venezuela zählt etwa die Behauptung, dass dort Kuba "die wahre imperialistische Macht" sei. Seine Tirade gipfelte in dem Vorwurf, Moskau habe "seine staatlich geförderten Desinformationsorgane wie Russia Today und Sputnik genutzt, um von der humanitären Katastrophe des Maduro-Regimes abzulenken".

Ein brennender Lastwagen und "Maduros Banditen"

Die Aussage entbehrt nicht einer gewissen Ironie, wurden doch US-Regierungsvertreter wiederholt der Lüge im Zusammenhang mit der Venezuela-Krise überführt. So behaupteten sie, venezolanische Sicherheitskräfte hätten einen Lastwagen mit US-Hilfsgütern an einem Grenzübergang angezündet, damit dieser nicht in das Land gelange.

US-Sicherheitsberater John Bolton schrieb in einem Tweet über "maskierte Banditen", die angeblich auf Geheiß Maduros den Lastwagen angezündet hätten – obwohl Videoaufnahmen bezeugten, dass es in Wahrheit Oppositionelle waren, die Molotow-Cocktails auf die venezolanische Polizei warfen und so auch den Brand entfachten.

Unabhängige Journalisten und RT-Reporter stellten Boltons Darstellung unverzüglich in Frage und berichteten über die Videoaufnahmen. Die US-Mainstreammedien zogen es jedoch vor, diese Aufnahmen und Zweifel zu ignorieren und folgten stattdessen willfährig Boltons Erzählung von "Maduros Banditen". Erst als die New York Times zwei Wochen später herausfand, was RT-Leser längst wussten, wurde es auch im Mainstream akzeptiert, dass für den brennenden Lastwagen wohl doch "nur" Regierungsgegner verantwortlich waren.

Washington verbreitet Fake News über angeblich blockierte Brücke

In einem anderen Fall zuvor verbreiteten US-Vertreter, darunter auch Pompeo, das Foto einer blockierten Brücke zwischen Kolumbien und Venezuela und behaupteten, Maduro habe den Grenzübergang nur blockiert, um humanitäre Hilfe fernzuhalten.

Die besagte Brücke war jedoch seit ihrer Errichtung noch niemals für den Verkehr geöffnet, und zudem wurde und wird der Übergang seit Jahren von kolumbianischer Seite aus blockiert. US-Medien verbreiteten dennoch ungeprüft oder mutwillig die Darstellung des Weißen Hauses.

Und sie belassen es nicht nur dabei, im Zusammenhang mit Venezuela die Fake News der Trump-Regierung unkritisch zu verbreiten. Sie setzen solche auch selbst in die Welt. Etwa dann, wenn es um die Anzahl der von der Opposition mobilisierten Anhänger geht oder um vermeintliche Überläufer des venezolanischen Militärs.

Daher überrascht es nicht, dass eine Mehrheit dieser US-Medien gern und unkritisch Pompeos Darstellungen der Ereignisse in Venezuela immer wieder akzeptiert und verbreitet – im Gegensatz zu RT. Und das dürfte auch der Grund sein, warum der Außenminister nun auch noch Stimmung gegen die "russischen Desinformationsorgane" macht, weisen sie doch regelmäßig auf die aus Washington, D.C. verbreiteten Lügen hin.

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