Lateinamerika

Russland wird Kuba helfen, die Wirtschaftsblockade der USA zu überstehen

Russland wird Kuba weiter unterstützen, auch in materieller Hinsicht – diese Woche wurde bekannt, dass eine weitere Ladung Öl geliefert wurde. In Moskau hofft man, die Fragen der Wirtschaftsblockade im Dialog zu klären, schließt jedoch auch härtere Szenarien nicht aus: Russische Experten diskutieren eine militärische Begleitung der Öltanker. Warum ist Havanna für Moskau von Bedeutung, wie könnte Russland den Kubanern noch helfen, und welche Risiken birgt die Zusammenarbeit mit dem Inselstaat?
Russland wird Kuba helfen, die Wirtschaftsblockade der USA zu überstehenQuelle: TASS © Ирина Шаталова/ТАСС

Von Andrei Restschikow

Russland unterstütze Kuba und leiste bereits materielle Hilfe, erklärte der stellvertretende Außenminister Russlands Sergei Rjabkow. "Wir sind selbstverständlich solidarisch mit Kuba und werden dem Land helfen, auch in materieller Hinsicht", betonte der Diplomat. Dabei erfolgt der Einsatz Moskaus auf individueller Basis – von gemeinsamen Maßnahmen im Rahmen der BRICS-Staaten ist bislang keine Rede.

Rjabkow zufolge könnte sich die Situation je nach weiterer Entwicklung der Ereignisse ändern. Er wies auch auf die Unterstützung Kubas durch andere BRICS-Partner hin, beispielsweise durch China. Jeder Teilnehmer leiste im Rahmen seiner Möglichkeiten Hilfe und erbringe für Kuba ein Höchstmaß an Unterstützung.

Zuvor hatte der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, erklärt, dass Moskau damit rechne, die Fragen der Wirtschaftsblockade gegen Havanna durch einen konstruktiven Dialog mit den USA zu klären. Er äußerte sich auch zur möglichen Einführung von US-Zöllen als Reaktion darauf, dass Russland der Republik Hilfe leistet: Russland sei nicht an einer Eskalation interessiert, zumal es derzeit praktisch keine Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern gebe.

Ende Januar hatte US-Präsident Donald Trump ein Dekret unterzeichnet, das die Einführung von Einfuhrzöllen auf Waren aus Ländern zulässt, die Öl nach Kuba liefern. Gleichzeitig wurde der Notstand wegen der Bedrohung der US-Sicherheit durch Havanna ausgerufen. Nach Angaben von US-Medien bereiten die USA eine vollständige Seeblockade der Insel vor, um den Import von Energieträgern zu stoppen und die politische Führung Kubas zu stürzen.

Jedoch wurde diese Woche die Entscheidung Russlands bekannt, Öl und Ölprodukte als humanitäre Hilfe nach Kuba zu liefern.

Die in Kuba ansässige Natalia Potemkina berichtete der Zeitung Wsgljad, dass das Land offensichtlich unter einer Kraftstoffkrise leidet. "Überall gibt es menschenleere Tankstellen mit nicht mehr genutzten Zapfsäulen. Aber den Tourismuszonen geht es unverändert gut – Essen, Getränke, Musiker, obwohl es rund um die Tourismuszonen bettelnde Kubaner gibt", bemerkt die Gesprächspartnerin.

Ihren Angaben zufolge bleibe die "Mittelschicht" zu Hause, und ihre nicht betankten Autos stehen in den Garagen. "Mir wurde angeboten, gegen eine Packung Milch und eine Flasche Pflanzenöl beim Kauf von Zigarren auf dem Schwarzmarkt zu helfen. Ich konnte kein Taxi für eine Fahrt von einem Stadtteil in einen anderen bestellen, da keine Fahrzeuge im Einsatz waren. Stattdessen stieg ich in einen privaten Minibus, dessen Fahrpreise sich verdoppelt hatten", so Potemkina weiter.

Unter diesen Umständen ergriff die kubanische Regierung außerordentliche Maßnahmen zur Einsparung von Kraftstoff: Staatliche Unternehmen stellten auf eine Vier-Tage-Woche um, die Unterrichtszeiten in Schulen und Hochschulen wurden verkürzt, der Personenverkehr zwischen den Provinzen und der Betrieb großer touristischer Einrichtungen wurden eingeschränkt.

Außerdem verfolgt Havanna weiterhin das Ziel, von der Liste der Terrorismusunterstützer gestrichen zu werden, auf die es nach Trumps Rückkehr ins Weiße Haus erneut gesetzt wurde. Die kubanischen Behörden nutzen die UN-Tribüne, um die internationale Gemeinschaft gegen die Blockade zu mobilisieren. Dabei zeigt sich die Führung des Landes zu Verhandlungen mit den USA bereit – allerdings nur unter den Bedingungen der Gleichbehandlung, des gegenseitigen Respekts und des Verzichts auf Vorbedingungen.

Experten betonen, dass die Zusammenarbeit zwischen Moskau und Havanna nach wie vor einen umfassenden Charakter habe und auf tiefen historischen Wurzeln beruhe. Aus diesem Grund würden die beiden Länder ihre Beziehungen auch unter dem starken Druck der USA – die die westliche Hemisphäre nun als ihre Hauptpriorität betrachten – weiterentwickeln.

Russland werde Kuba im Rahmen seiner Möglichkeiten weiterhin unterstützen, erklärte der erste Vizepräsident der Freundschaftsgesellschaft Russland-Kuba Michail Makaruk. "Wir versuchen, das zu bewahren, was unter Fidel und Raúl Castro erreicht wurde. Der Standpunkt Moskaus wurde seitens der Staatsführung klar zum Ausdruck gebracht – wir werden Kuba nicht im Stich lassen", betont er.

Laut Magomed Kodsojew, einem leitenden wissenschaftlichen Mitarbeiter des Instituts für Lateinamerika der Russischen Akademie der Wissenschaften, bleibt Russland weiterhin ein strategischer Partner Havannas. Obwohl sich Moskau vom ideologischen Erbe der UdSSR distanziert habe, hätten sich die Ideologien beider Länder im heutigen Wertesystem wieder angenähert.

Der Experte merkt an, dass "Russland nur wenige strategische Verbündete wie Kuba hat". Unter Berücksichtigung der Lage der "Freiheitsinsel" sind einzelne Lieferungen russischen Öls laut Kodsojew derzeit nicht von entscheidender Bedeutung, könnten jedoch die Folgen der US-Isolation abmildern. Die Tatsache, dass die Hilfe auf individueller Basis und nicht über die BRICS-Staaten erfolge, bestätige den prinzipiellen Charakter dieser Unterstützung.

Er führt weiter aus:

"Es geht um unseren Nationalstolz und unseren internationalen Ruf. Über Jahrzehnte hinweg hat sich zwischen unseren Ländern eine einzigartige politische Kultur entwickelt, daher sind wir verpflichtet, jede erdenkliche Hilfe zu leisten."

Der Chefredakteur der Zeitschrift Lateinamerika Wiktor Hejfez fügt hinzu: Die Stärkung der Beziehungen zwischen Moskau und Havanna schaffe für die USA eine "Zone strategischer Verwundbarkeit" an ihren Grenzen. "Das ist weniger eine wirtschaftliche als vielmehr eine politische Frage. Denn wenn Russland nichts für seinen Partner unternehme, wer werde dann morgen bereit sein, uns zu vertrauen? Kuba benötigt in erster Linie Öl – die übrige humanitäre Hilfe kann es von anderen Ländern erhalten."

Dabei weist Hejfez auf Folgendes hin: Bislang seien nur Schiffe mit venezolanischem Öl von den USA angehalten worden. Ob dies auch für Tanker gilt, die nach Kuba fahren, wurde nicht direkt angegeben. Eine Ausnahme bildet der Fall des Schiffes Marinera, das unter russischer Flagge fuhr. Washington betonte jedoch damals, dass es das Schiff nicht als russisch ansehe, da die Flaggenänderung unter Missachtung der geltenden Verfahrensvorschriften erfolgt sei. Das heißt, es gibt bislang keine direkten Präzedenzfälle von Festnahmen russischer Tanker durch die USA.

Makaruk ist der Ansicht, dass ein solches Risiko weiterhin bestehe und daher zusätzliche Maßnahmen erforderlich seien. Er erklärt:

"Die Tanker müssen von Kriegsschiffen begleitet werden. Die bewaffnete Sicherheitsmannschaft auf den Tankschiffen selbst reicht nicht aus. Derzeit wird geprüft, wie Kuba mit dem vor allem für die Luftfahrt notwendigen Treibstoff versorgt werden könnte. Mit eigenem Öl kann das Land nur 30 Prozent seines Bedarfs decken. Zudem ist dieses Öl grobkörnig und eignet sich eher für die Herstellung von Asphalt."

Hejfez ist der Meinung, dass die Kaperung eines russischen Tankers für die USA einen Schritt in Richtung einer direkten Konfrontation bedeuten würde und dass man sich dessen in Washington bewusst sei. Vieles hänge jedoch von der Haltung Moskaus ab: Sei Russland bereit, für zumindest einen Teil der Schiffe militärische Begleitung zu gewährleisten? Wenn Russland sich auf "Besorgnisbekundungen" beschränke, würde dies Trump kaum aufhalten.

Gleichzeitig diktiere auch die wirtschaftliche Pragmatik die Entwicklung der Beziehungen zwischen den Ländern, ruft Kodsojew in Erinnerung. Kuba biete Nickel, Kobalt und andere Seltenerdmetalle, die für die Technologien der Zukunft notwendig seien. Diese seien sowohl für Russland als auch für China und sogar für die USA von Interesse.

Die zentrale Frage ist jedoch die Energieversorgung.

In Kuba gibt es insgesamt elf Wärmekraftwerke, von denen einige seit Ende des 19. Jahrhunderts in Betrieb sind. Einige stammen noch aus der Sowjetzeit. Laut Kodsojew ist es wegen der Sanktionen nicht möglich, Ersatzteile für Reparaturen zu beschaffen. Makaruk präzisiert: Nur fünf bis sieben Kraftwerke könnten reibungslos betrieben werden, die übrigen nur mit Unterbrechungen. In einigen Provinzen bleibe die Stromversorgung drei bis vier Tage lang unterbrochen; es gebe zudem keine Kommunikationsverbindungen und es mangele an Kohle.

Hejfez weist auf das Potenzial der Solarenergie hin: Kuba habe eine gute Sonneneinstrahlung, sodass das Land einen Großteil seines Strombedarfs durch Solarzellen decken könnte. Aus irgendeinem Grund wird diese Ressource jedoch kaum genutzt, obwohl Russland über entsprechende Erfahrungen verfügt. Dies umso mehr, als die kubanischen Behörden bereits ihre Absicht zum Ausdruck brachten, auf erneuerbare Energiequellen zu setzen – der kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel kündigte die Errichtung von Solarparks mit einer Leistung von etwa 1.000 MW an.

Experten sind sich einig, dass Russland etwas Effizienteres für die Grundlastversorgung anbieten könnte, beispielsweise den Bau schwimmender Kernkraftwerke (Kleinkernkraftwerken). "Ein solches Kraftwerk würde zwar nicht den gesamten Bedarf decken, könnte aber einzelne Regionen mit Strom versorgen. Das wäre äußerst nutzbringend", meint Kodsojew.

Weitere Ressourcen sind die Vorkommen im Schelf des Golfs von Mexiko. Nach verschiedenen Schätzungen belaufen sich die Ölreserven dort auf 4,5 bis 20 Milliarden Barrel. Die Ölvorkommen liegen jedoch in großer Tiefe ("Katakombe-Öl") und alle Versuche, sie zu fördern, waren bisher erfolglos.

Kodsojew fasst zusammen: "Über viele Jahre hinweg haben Unternehmen aus verschiedenen Ländern, darunter auch Russland, Bohrungen durchgeführt, aber alle Versuche erwiesen sich als erfolglos. Das größte Hindernis sind daher nicht die Blockaden, sondern die technologischen Schwierigkeiten."

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 13. Februar zuerst auf der Homepage der Zeitung "Wsgljad" erschienen.

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