Lateinamerika

Invasion in Venezuela: Trump hat alles aufs Spiel gesetzt

Die Invasion in Venezuela befleckt Trumps Weste aufs Neue. Zwei Drittel der US-Bürger waren dagegen. Zudem hat er fundamental gegen den MAGA-Grundsatz verstoßen, sich nicht militärisch in die Angelegenheiten anderer Länder einzumischen. Ihm bleibt jetzt nur ein imperialistischer Erfolg, doch der ist nicht sicher.
Invasion in Venezuela: Trump hat alles aufs Spiel gesetzt© Illustration: © RIA Nowosti / durch KI generiert

Von Irina Alksnis

Die Invasion der USA in Venezuela offenbart, in welch schwieriger, wenn nicht gar kritischer Lage sich US-Präsident Donald Trump befindet: Diese Operation wurde entgegen der öffentlichen Meinung (70 Prozent der US-Bürger waren dagegen) und entgegen der Standardprozedur (der US-Kongress hat gerade Ferien, was es ermöglichte, ihn nicht darüber zu informieren) durchgeführt.

Dabei löst die Entführung und Verschleppung des rechtmäßigen Präsidenten dieses Landes, Nicolás Maduro, und seiner Frau in die USA keineswegs die Probleme des US-Präsidenten, sondern verschafft ihm lediglich einen Zeitvorsprung, um seine Hauptziele zu erreichen. Dies umfasst die Einsetzung einer Marionettenregierung in Venezuela und die Übernahme der Kontrolle über das venezolanische Öl durch die USA.

Gelingt dies, und zwar in kurzer Zeit, wäre dies für Donald Trump tatsächlich eine große Errungenschaft, deren Nutzen alle damit verbundenen Risiken überwiegen würde. Die Kontrolle über das venezolanische Öl würde die US-Wirtschaft stützen und dem Weißen Haus erheblichen Einfluss auf den globalen Ölmarkt verschaffen. Dabei sollten die proamerikanischen Marionetten in Caracas die Rückkehr der harten Macht Washingtons über den lateinamerikanischen "Hinterhof" symbolisieren. Darüber hinaus bekämen die Vereinigten Staaten eine ernst zu nehmende geopolitische Waffe gegen die engsten Partner des "chavistischen" Venezuela – China, Iran, Kuba und Russland.

Trumps Problem besteht jedoch darin, dass diese Entwicklung keineswegs vorprogrammiert ist. Allem Anschein nach sollte die US-Armee rasch aus Venezuela abgezogen werden, um Verluste unter den US-Soldaten zu vermeiden. Die Entmachtung der Chavisten soll anderen Kräften überlassen werden – beispielsweise privaten Militärunternehmen und der venezolanischen Opposition. Ob dies jedoch gelingen würde, ist fraglich, da mehrere hochrangige Führungskräfte des Landes (darunter der Vizepräsident und der Verteidigungsminister Venezuelas) ihre Bereitschaft zum Widerstand bekundet haben.

Ebenso lässt sich auch ein Szenario der Chaosbildung in Venezuela mit einem Bürgerkrieg aller gegen alle und der Machtergreifung durch Drogenkartelle nicht ausschließen. In den vergangenen Jahrzehnten erlebte die Welt zahlreiche Beispiele dafür – von Libyen bis Syrien. Vermutlich würde eine solche Entwicklung Washington noch mehr Kopfzerbrechen bereiten als die Chavisten, da dieses Mal alles direkt vor der Haustür der USA stattfinden würde und nicht weit weg am anderen Rand der Welt.

Kurz gesagt: Trump muss einen möglichst schnellen und "sauberen" Sieg erringen, der es ihm ermöglichen würde, all seinen Kritikern – sowohl im Inland als auch auf internationaler Ebene – Paroli zu bieten. Sollte etwas schiefgehen, würde die Invasion in Venezuela zu einem grandiosen Scheitern eines gefährlichen Abenteuers werden, das die Gegner des US-Präsidenten nutzen würden, um ihn politisch zu begraben. Dabei würde auch MAGA seinen Beitrag leisten und den US-Demokraten in die Hände spielen, denn es verstößt gegen das Grundprinzip der MAGA-Bewegung, sich militärisch in die Angelegenheiten anderer Länder einzumischen.

Was die moralischen Aspekte, das Völkerrecht und die grundlegenden Normen der Weltpolitik betrifft (wo es ein absolutes Tabu ist, ein Staatsoberhaupt anzugreifen) – dazu gibt es nichts mehr zu sagen. Wir leben in einer Zeit, in der all dies keine Bedeutung mehr hat und die Souveränität eines Landes nur noch durch seine Militärmacht geschützt werden kann. Russland – ebenso wie die gesamte Welt – hat heute erneut eine Bestätigung dafür erhalten.

Übersetztausdem Russischen. Der Artikel ist am 3. Januar 2026 zuerst bei RIA Nowosti erschienen.

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