Lateinamerika

Chiles Linke gewinnt mit Gabriel Boric die Präsidentschaftswahl: Se abrirán las grandes alamedas

Bei der Stichwahl um das Präsidentenamt in Chile hat sich der linksgerichtete Abgeordnete Gabriel Boric gegen den rechtskonservativen Politiker José Antonio Kast durchgesetzt. Der Amtsantritt des neuen Staatschefs ist für März vorgesehen.
Chiles Linke gewinnt mit Gabriel Boric die Präsidentschaftswahl: Se abrirán las grandes alamedasQuelle: AFP © Martin Bernetti

Der frühere Studentenführer Gabriel Boric ist mit 35 Jahren zum jüngsten Präsidenten in der Geschichte Chiles gewählt worden. Der Kandidat des linken Wahlbündnisses "Apruebo Dignidad" (Ich stimme der Würde zu) kam in der Stichwahl am Sonntag (Ortszeit) auf knapp 56 Prozent. Der deutschstämmige Rechtspopulist José Antonio Kast erhielt gut 44 Prozent der Stimmen und gratulierte seinem Konkurrenten zum Sieg. Die Wahl galt aufgrund der gewaltigen politischen Kluft zwischen beiden Kandidaten als Zäsur, vielen sogar als wichtigste Wahl seit Chiles Rückkehr zur Demokratie 1990.

Boric, der aus Punta Arenas an der Südspitze des Landes stammt, hatte 2011 die Studentenproteste in Chile angeführt und war 2013 zum Abgeordneten gewählt worden. Im ersten Wahlgang vor vier Wochen belegte er knapp hinter Kast Platz zwei. Mit ihm kommt auch eine neue politische Generation in den Präsidentenpalast: Boric steht für eine wiederbelebte progressive Linke, die vor allem seit 2019 stark gewachsen ist. Unter seiner Führung dürfte das Land den eingeschlagenen Kurs gesellschaftlicher Öffnung beibehalten.

Tausende feierten, angezogen von seiner ersten Rede, auf der Hauptverkehrsstraße Alameda in der Hauptstadt Santiago de Chile und in anderen Städten des südamerikanischen Landes. Boric versicherte seinen Landsleuten, er wolle die im Wahlkampf offen zutage getretenen Gräben zwischen Rechts und Links überbrücken:

"Ich werde der Präsident aller Chileninnen und Chilenen sein."

Boric hat ein öffentliches Bildungswesen und bessere Gesundheitsversorgung nach dem Vorbild des europäischen Sozialstaats versprochen. Zudem setzt er sich für die Rechte von Migranten, Indigenen und Homosexuellen ein. Sein 20 Jahre älterer Rivale Kast hingegen hatte Steuersenkungen, einen Grenzgraben gegen illegale Einwanderung und hartes Vorgehen gegen Kriminelle in Aussicht gestellt. Der neunfache Vater und strenggläubige Katholik von der Republikanischen Partei gilt als Sympathisant des früheren Diktators Augusto Pinochet.

Chile gilt, zumindest unter neoliberal geprägten Analysten, als eine Art Musterbeispiel in der Region. Das Land hat das höchste Pro-Kopf-Einkommen in Südamerika, die Armut konnte in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gesenkt werden. Doch die soziale Schere klafft weit auseinander. Weite Teile des Gesundheits- und Bildungswesens sind privatisiert, immer mehr Chileninnen und Chilenen fühlen sich abgehängt.

Vor zwei Jahren forderten deshalb wochenlang jeden Tag Tausende von Demonstranten soziale Reformen und den Rücktritt von Präsident Sebastián Piñera. Eine ihrer wichtigsten Forderungen, die auch Boric unterstützte, konnten sie bereits durchsetzen: Derzeit arbeitet ein Konvent eine neue Verfassung aus. Der aktuelle Text stammt noch aus der Zeit der Militärdiktatur von Pinochet (1973-1990).

Insgesamt waren diesmal in Chile rund 15 Millionen Menschen wahlberechtigt. Die Wahlbeteiligung lag bei 55 Prozent. Der Amtsantritt des neuen Staatschefs ist für März vorgesehen.

Mehr zum Thema - Chile: Tausende feiern Jahrestag der sozialen Erhebung

(dpa/rt)

Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.

Liebe Leser und Kommentatoren,

wir schätzen die Möglichkeit sehr, Ihnen mit der Kommentarfunktion eine Plattform zum gegenseitigen Austausch bieten zu können. Leider müssen wir diese Möglichkeit vorübergehend einschränken, bis effektive Mittel und Wege gefunden sind sicherzustellen, dass dieses Kommunikationsmittel nicht missbraucht wird.

Das Kommentieren auf unserer Website soll für alle so sicher und so wenig einschränkend wie möglich sein, bei alledem jedoch Hass, Hetze und Beleidigungen konsequent ausschließen.

Ihr RT DE-Team