Lateinamerika

Boliviens Ex-Präsidentin Jeanine Áñez soll sich im Gefängnis selbst verletzt haben

Gegen die ehemalige bolivianische Übergangspräsidentin Jeanine Áñez wird derzeit wegen Völkermordes und Körperverletzung ermittelt. Die Politikerin sitzt seit Mitte März in Haft. Am Samstagmorgen soll sie im Gefängnis einen Selbstverstümmelungsversuch unternommen haben.
Boliviens Ex-Präsidentin Jeanine Áñez soll sich im Gefängnis selbst verletzt habenQuelle: AFP © LUIS GANDARILLAS

Der bolivianische Regierungsminister Carlos Eduardo Del Castillo Del Carpio hat auf einer Presserunde mitgeteilt, dass die frühere Übergangspräsidentin Jeanine Áñez am Samstagmorgen im Gefängnis Miraflores in La Paz versucht habe, sich selbst zu verletzen. Die Politikerin habe sich selbst in einen Arm geschnitten.   

"Ihr Gesundheitszustand ist vollkommen stabil. Sie hat zwar kleine Ritze an einem Arm. Es gibt jedoch keinen Grund zur Sorge."

Nach Angaben des Ministers handele es sich um oberflächliche Verletzungen. Die Politikerin sei umgehend medizinisch versorgt worden. Auf die Frage nach dem Grund der Selbstverstümmelung, antwortete De Castillo, dass er darüber nicht im Bilde sei. Man habe eine psychiatrische Begutachtung angeordnet.

Ein Journalist fragte den Regierungsminister danach, wie er den Vorschlag der ehemaligen Präsidenten Carlos Mesa und Jorge Quiroga bewerte, die frühere interimistische Staatschefin angesichts ihrer "sehr schwachen Gesundheit" auf freien Fuß zu setzen. De Castillo erwiderte, dass weder das Regierungsministerium noch die Regierung des Landes die Zuständigkeit habe, Verdächtige aus der Haft zu entlassen. Diese Kompetenz besitze ausschließlich der Justizapparat.

"In verschiedenen Gesundheitseinrichtungen der Provinz La Paz sind entsprechende medizinische Untersuchungen durchgeführt worden. Sie alle bestätigen, dass Frau Áñez alle gesundheitlichen Voraussetzungen erfüllt, um weiterhin in Untersuchungshaft zu bleiben."

Die ehemalige Übergangspräsidentin war Mitte März 2021 festgenommen worden. Sie wurde im Zusammenhang mit dem Staatstreich im Andenland im November 2019 wegen Terrorismus und Verschwörung beschuldigt. Darüber hinaus wurden ihr Verstöße gegen das bolivianische Recht und die bolivianische Verfassung zur Last gelegt. Am 20. August erhob die bolivianische Staatsanwaltschaft gegen Áñez außerdem eine Anklage wegen Völkermords, Körperverletzung mit Todesfolge und schwerer Körperverletzung. Die Politikerin soll demnach für 20 Tote bei Krawallen in den Ortschaften Sacaba und Senkata im November 2019 verantwortlich sein.

Áñez hatte sich selbst zur Übergangspräsidentin ernannt, nachdem Präsident Evo Morales nach der Wahl im Oktober 2019 auf Druck des Militärs zurückgetreten war. Ihm wurde Wahlbetrug vorgeworfen. Dieser Vorwurf stellte sich im weiteren Verlauf als falsch heraus. Morales erhielt nach dem Putsch politisches Asyl in Mexiko. Der MAS-Kandidat Luis Arce entschied dann eine mehrfach verschobene Präsidentenwahl im Oktober 2020 für sich. Dies ermöglichte Morales die Rückkehr nach Bolivien.

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