Lateinamerika

Ex-Präsident Lula: Brasilien braucht im eigenen Hinterhof keine Erlaubnis Washingtons

In einem Interview mit RT spricht Luiz Inácio Lula da Silva, der ehemalige Präsidenten Brasiliens, über seine mögliche Rückkehr in die Politik im Jahr 2022 und welchen Platz er sich für sein Land auf der globalen Bühne wünscht.
Ex-Präsident Lula: Brasilien braucht im eigenen Hinterhof keine Erlaubnis WashingtonsQuelle: RT

Der ehemalige Präsident Brasiliens Luiz Inácio Lula da Silva hat in einem RT-Interview erklärt, er wünsche sich für die Zukunft mehr Gleichberechtigung und dass sich starke Länder wie die USA nicht in die Angelegenheiten anderer Nationen einmischen. Er sagte:

"Diese Idee der Amerikaner, ein Leuchtturm für die Welt zu sein und niemand anderen wirtschaftlich mit sich konkurrieren zu lassen, ist falsch. Die Amerikaner müssen wissen, dass wir keinen Sheriff oder Nachhilfelehrer wollen, wir wollen einen Partner. Wir wollen Brüder und Schwestern."

"Wir wollen, dass alle Länder brüderlich sind, dass sie Partnerschaften entwickeln. Brasilien muss ein souveränes Land sein, genauso wie Russland, China und die USA."

Lula führte Brasilien in den Jahren von 2003 bis 2010 und war Teil der sogenannten rosa Flut in Lateinamerika. Der Kontinent, den Washington traditionell als seinen Hinterhof betrachtet, erlebte zu dieser Zeit ein Wiedererstarken linker Kräfte. Lula ist stolz auf die massiven Reformen seiner Regierung zur Armutsbekämpfung und die Stärkung der Beziehungen Brasiliens zu anderen Nationen der Welt. Der ehemalige Präsident betonte:

"Wir haben bewiesen, dass Brasilien Souveränität und internationalen Protagonismus haben kann und dass dies erreicht werden kann, ohne die USA fragen zu müssen. Wir müssen die USA nicht um Erlaubnis bitten, um Eigentümer unseres eigenen Hinterhofs zu sein."

"Das Problem ist, dass Brasilien eine herrschende Klasse hat, eine Elite, die unterwürfig ist. Sie können nichts tun, ohne die USA um Erlaubnis zu fragen."

Lula beschrieb in dem Interview, wie er im Jahr 2002 vor seinem Amtsantritt von US-Präsident George W. Bush ins Weiße Haus eingeladen wurde, der gerade die internationale Unterstützung für die geplante NATO-geführte Invasion im Irak anheizte. Er erinnerte sich:

"Ich sagte Präsident Bush, dass ich Saddam Hussein nicht kannte, dass der Irak 12.000 Kilometer von meinem Land entfernt ist, dass der Irak Brasilien nie etwas angetan hat und dass mein Krieg nicht gegen den Irak, sondern gegen den Hunger in meinem Land gerichtet war."

Brasilien erlebte im Jahr 2018 mit der Wahl des rechtsgerichteten Präsidenten Jair Bolsonaro einen politischen Erdrutsch. Lula durfte aufgrund einer strafrechtlichen Verurteilung nicht gegen ihn kandidieren. Im Jahr 2022 kann er Bolsonaros Macht jedoch anfechten, da Brasiliens Oberster Gerichtshof Lulas Verurteilung inzwischen aufgehoben hat.

Bolsonaros Führung sei für Brasilien katastrophal, aufgrund der Todesopfer und der Schäden, die das Land durch COVID-19 erlitten hat, "fast genozidal", so Lula. Der Politiker ist der Meinung, dass der amtierende Präsident die Notwendigkeit nicht berücksichtigt habe, "die Regierung zu humanisieren". Bolsonaro "hat die Protokolle nicht definiert, er hat die Wissenschaftler oder die Gouverneure der Bundesstaaten nicht versammelt, er hat keine Entscheidungen getroffen, die eine demokratische Regierung, die sich um das Volk sorgt, getroffen hätte."

Ein Teil des Problems seien die politisch motivierten Entscheidungen der Bolsonaro-Regierung gewesen, die in China und Russland hergestellten Impfstoffe gegen COVID-19 abzulehnen und zu diffamieren. Öffentliche Gesundheitspolitik dürfe nicht auf Ideologie basieren, erklärte Lula. Er hob hervor:

"Brasilien muss, wenn es kann, den US-amerikanischen Impfstoff, den russischen Impfstoff, wie auch den chinesischen, kubanischen oder jeden anderen Impfstoff mit wissenschaftlich nachgewiesener Qualität kaufen."

Ob er im kommenden Jahr für das Präsidentenamt kandidieren wird, wollte er nicht bestätigen, sagte aber, dass Bolsonaros Macht schwindet, da die öffentliche Unterstützung für ihn schrumpft. Lula resümierte:

"Ich bin sicher, dass die Demokratie die Wahlen im Jahr 2022 gewinnen wird."

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