Lateinamerika

Wegen Corona-Impfskandal: Peruanische Außenministerin tritt zurück

Nach dem Medienwirbel um den Ex-Präsidenten Perus Martín Vizcarra ziehen nun auch weitere Politiker der Übergangsregierung Konsequenzen wegen ihres Vordrängens für eine Impfung. Kurz nach der Gesundheitsministerin legt auch die Außenministerin ihr Amt nieder.
Wegen Corona-Impfskandal: Peruanische Außenministerin tritt zurückQuelle: AFP © Luis IPARRAGUIRE

Am Sonntag gestand die 68-jährige peruanische Außenministerin Elizabeth Astete ein, die erste Dosis des Corona-Impfstoffes des chinesischen Konzerns Sinopharm außerhalb der klinischen Studien und noch vor Beginn der nationalen Impfkampagne am 22. Januar erhalten zu haben. Dies berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Ein entsprechendes Angebot sei ihr von der peruanischen Universität Cayetano Heredia unterbreitet worden, die für die klinischen Versuche des Vakzins zuständig war. Die Reaktionen auf die Enthüllung, dass der frühere Präsident Martín Vizcarra und seine Ehefrau sich bevorzugt hatten impfen lassen, hätten ihr gezeigt, dass sie einen schweren Fehler begangen habe, erklärte Astete auf Twitter. Sie habe daher entschieden, sich die zweite Spritze nicht geben zu lassen. Die Politikerin sagte ferner:

"Aus den genannten Gründen habe ich dem Präsidenten mein Rücktrittsschreiben vorgelegt."

Erst am Vortag hatte der amtierende peruanische Staatschef Francisco Sagasti den Rücktritt der Gesundheitsministerin Pilar Mazzetti angenommen. Grund für die Abdankung ist ein vor wenigen Tagen entstandener Skandal um Martín Vizcarra, in dessen Verlauf bekannt wurde, dass der Ex-Präsident und seine Frau schon im Oktober gegen das Virus geimpft worden waren. Das im November wegen Bestechungsvorwürfen vom Parlament abgesetzte Staatsoberhaupt gab an, er und seine Frau seien freiwillige Teilnehmer einer klinischen Studie des Sinopharm-Vakzins gewesen. Die zuständige Universität in Lima dementierte dies jedoch. Seitdem stieg in dem südamerikanischen Land der Druck auf weitere Politiker, Erklärungen über ihren Impfstatus abzugeben.

Anfang Januar hatte die Regierung des lateinamerikanischen Landes eine Vereinbarung mit China über den Kauf von insgesamt 38 Millionen Dosen des Sinopharm-Impfstoffes erzielt. Die erste Charge von 300.000 Impfdosen traf vor einer Woche in Peru ein, sodass die landesweite Impfkampagne bereits vergangenen Dienstag anlaufen konnte.

Im Rahmen der ersten Phase der Kampagne sollen vorrangig Beschäftigte des Gesundheitswesens geimpft werden, die der Lungenkrankheit COVID-19 am ehesten ausgesetzt sind. Auch Interimspräsident Francisco Sagasti bekam als einer der ersten die Corona-Schutzimpfung.

Im Zuge der weltweiten COVID-19-Pandemie hat Peru nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität bereits mehr als 1,2 Millionen nachgewiesene Fälle zu beklagen. Im Zusammenhang mit der Infektion verzeichnete das Land inzwischen rund 43.700 Sterbefälle.

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