Lateinamerika

Medienberichte: Guaidó versuchte, dem venezolanischen Staat Milliarden zu stehlen

Der selbst ernannte venezolanische "Interimspräsident" Guaidó plant seine Altersvorsorge. Die Washington Post berichtet, er habe versucht, Milliarden US-Dollar der staatlichen Erdölgesellschaft PDVSA zu stehlen oder Schmiergelder von Paraguay zu kassieren.
Medienberichte: Guaidó versuchte, dem venezolanischen Staat Milliarden zu stehlenQuelle: AFP © Federico PARRA / AFP

Der selbst ernannte venezolanische Interimspräsident Juan Guaidó hat nach Recherchen der Washington Post versucht, sich Vermögenswerte in Höhe von 40 Milliarden US-Dollar anzueignen. Über zwei Verbündete nahm er Kontakte zu venezolanischen Unternehmern auf, die Gelder der staatlichen Erdölgesellschaft PDVSA abgreifen sollten. Zudem bot er der paraguayischen Regierung einen Erlass der Schulden beim venezolanischen Staat an – gegen Schmiergelder in Millionenhöhe.

Nach Angaben der Washington Post boten sich die venezolanischen Unternehmer Jorge Reyes und Pedro Antar Guaidó selbst an, um Gelder der staatlichen Erdölgesellschaft PDVSA, die in der Karibik gebunden sind, zu identifizieren und unter Kontrolle zu bringen. Insgesamt wurde eine Summe von umgerechnet 40 Milliarden US-Dollar genannt. Guaidó zeigte sich in einem Telefonat im April 2019 sehr interessiert. Im Dezember 2019 kam es zu einem persönlichen Treffen zwischen Reyes und Antar und zwei Vertretern von Guaidó in Florida: Javier Troconis und Fernando Blasi.

Troconis ist ein ehemaliger Ölmanager, der noch immer als Guaidós Sonderbeauftragter für die Wiederbeschaffung von Vermögenswerten fungieren soll. Blasi ist Leiter der Handelsabteilung der von Guaidó kontrollierten venezolanischen Botschaft in Washington. Beide bestritten auf Nachfrage der Washington Post die Vorwürfe.

Der Deal platze, da die Seite von Guaidó Forderungen vorgelegt hatte, die beide Unternehmer nicht erfüllen wollten. Reyes bezeichnete diese im Gespräch mit der Washington Post als "schockierend" und einen Akt der Erpressung. Unter anderem forderte Blasi eine Vorauszahlung von 750.000 US-Dollar an die Firma seines Bruders Margin, damit der Auftrag überhaupt erteilt werde.

Die Parallelregierung von Guaidó weist die Vorwürfe als unbegründet zurück. Man habe keine Beweise für die Korruptionsvorwürfe gegen Troconis und Blasi gefunden. Die internen Untersuchungen sollen aber weitergehen. Außerdem bat Guaidós Botschafter in den USA, Carlos Vecchio, die US-Regierung, eine Untersuchung in diesem Fall einzuleiten.

Ein verlockendes Angebot an Paraguay

Der Washington Post liegen zudem Entwürfe von Verträgen vor, die im Namen der Parallelregierung von Guaidó an die offizielle Regierung Paraguays gerichtet wurden. In diesen bietet Guaidó – als selbst ernannter Repräsentant des venezolanischen Staates – Paraguay einen Schuldenerlass an. Nach offizieller Rechnung hat Paraguay derzeit 269 Millionen US-Dollar Schulden bei Venezuela. Guaidó bot an, die Summe zu halbieren – gegen Honorarzahlungen von 26 Millionen US-Dollar an Drittpersonen aus seinem Umfeld.

Juan Ernesto Villamayor, der Stabschef des paraguayischen Präsidenten Mario Abdo Benítez, soll diese Pläne des Guaidó-Lagers um Troconis bestätigt haben. Troconis wurde in einem offiziellen Schreiben der venezolanischen Parallelregierung an den paraguayischen Präsidenten als legitimer Unterhändler ausgewiesen. Das Schreiben wurde vom paraguayischen Radiosender Monumental AM 1080 über Twitter öffentlich gemacht und belastet Guaidó und Trocconis.

Darüber hinaus berichtet das Lateinamerika-Portal Amerika21, wie Guaidó und Trocconis versuchten, Vermögenswerte des venezolanischen Lebensmittelministeriums in Höhe von 1,7 Milliarden Dollar unter Kontrolle zu bekommen, die bei einer britischen Bank eingelegt waren. Einen entsprechenden Vertrag unterzeichnete Troconis mit einer Anwaltskanzlei in Florida.

Direkte Investitionen aus den USA

Am 2. Januar gab das US-Außenministerium bekannt, dass die USA seit 2017 "an Venezolaner, die an der von Maduro verursachten Krise leiden" rund 1,2 Milliarden US-Dollar zahlten. Die Information wurde auf dem spanischsprachigen Twitterkonto des Ministeriums veröffentlicht.

Die venezolanische Regierung kritisiert schon seit geraumer Zeit die Zahlungen der US-Regierung an venezolanische Oppositionsgruppen unter dem Deckmantel sogenannter "humanitärer Hilfe". Mitte Dezember forderte Venezuelas Präsident Nicolás Maduro den US-Kongress auf, den Verbleib von "Geldern der Steuerzahler" zu untersuchen, die an "Kriminelle" in Venezuela gezahlt worden seien und "jetzt auf Bankkonten in Steuerparadiesen lagern".

Kurz vor dem Jahreswechsel bewilligte der US-Kongress eine neue Zahlung von mindestens 33 Millionen US-Dollar für das Jahr 2021 zu Händen der selbst ernannten Regierung von Guaidó für "Initiativen für die Demokratie" in Venezuela.

Ende Dezember deckten die venezolanischen Behörden ein Terrornetzwerk der rechten Opposition auf, das Geiselnahmen und Morde an Politikern sowie Sprengstoffanschläge geplant hatte, um die Konstituierung der Nationalversammlung am 5. Januar 2021 zu verhindern. Dieses Netzwerk wurde von Anhängern Guaidós aus Kolumbien geleitet und aus dem Ausland finanziert.

Schwindende Zustimmung für Guaidó aus der EU

Anlässlich der Konstituierung der Nationalversammlung am 5. Januar erklärte die EU ihr Bedauern, da sie die Zusammensetzung als Resultat "undemokratischer" Wahlen betrachtet. In einer offiziellen EU-Mitteilung wird allerdings sichtbar, dass die EU Guaidó nicht mehr explizit als "Präsidenten" Venezuelas anspricht. Stattdessen bedauert die sie lediglich die "Nichtanerkennung von Oppositionsführern".

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