Lateinamerika

Kolumbien: Anschläge rechter Paramilitärs auf indigene Aktivisten – schon 284 Morde im Jahr 2020

Nach einem blutigen Wochenende in Kolumbien steigt die Anzahl der 2020 ermordeten indigenen Aktivisten und Politiker auf 284. Rechte Paramilitärs und Drogenbanden eliminieren sozial aktive Personen. Indigene Räte sehen eine Mittäterschaft der kolumbianischen Regierung.
Kolumbien: Anschläge rechter Paramilitärs auf indigene Aktivisten – schon 284 Morde im Jahr 2020Quelle: Reuters © Luisa Gonzalez

Am Wochenende vom 5./6. Dezember wurden in den westlichen Departamentos Chocó und Cauca in Kolumbien acht Angehörige von indigenen und afrokolumbianischen Gemeinden ermordet. Die indigenen Räte machen paramilitärische Gruppierungen und Drogenbanden für die Tötungen verantwortlich. Kolumbiens Präsident Iván Duque dulde deren Treiben, das gegen indigene Selbstbestimmung und ehemalige Kämpfer der FARC (Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens – Volksarmee) gerichtet ist.

Im laufenden Jahr 2020 wurden bereits 284 politische Aktivisten in Kolumbien ermordet. Zusätzlich gab es 79 Massaker mit 340 Opfern. Seit dem Waffenstillstand zwischen der FARC und der kolumbianischen Regierung im Jahr 2016 und der Entwaffnung der Rebellengruppe wurden 245 ehemalige FARC-Kämpfer ermordet.

In Bahía Solano (Departamento Chocó) ermordeten Angehörige der Gaitán-Selbstverteidigungsgruppen (AGC) den indigenen Gemeindesprecher Miguel Tapí. Vermummte Männer der AGC hatten ihn zunächst entführt, einige Stunden später fanden Verwandte des 60-Jährigen seinen Körper enthauptet auf. Nach dem Mord an Tapí sind Hunderte Indigene aus Bahía Solano auf der Flucht vor den AGC-Banden. In Bahía Solano sind in diesem Jahr bereits 17 Personen von ihnen ermordet worden.

Die AGC haben sich in der Zone nach der Entwaffnung der FARC ausgebreitet. Sie besetzen eine Region, die für den Waffen- und Drogenschmuggel von strategischer Bedeutung ist, da sie an der Grenze zu Panama liegt. Sie ist umkämpft zwischen den AGC, der kriminellen Organisation Los Chacales (Die Schakale) und den indigenen Selbstverwaltungen, die mit der ELN-Guerilla verbunden sind.

Mordanschläge wurden auch im Departamento Cauca verübt. Sieben Angehörige der lokalen indigenen Gemeinden wurden dort innerhalb von 24 Stunden ermordet. Indigene machen ein Viertel der Bevölkerung von Cauca aus. Sie organisieren sich in zahlreichen Kollektiven und autonomen Gemeinschaften. Ermordet wurden Juan Carlos Petins aus der indigenen Schutzzone Tálaga, Eduardo Pino Julicué, der Sohn einer angesehenen Rätin des indigenen Bündnisses von Nord-Cauca, sowie Gildon Soliz Ambuila, ein afrokolumbianischer Sozialaktivist der Gemeinde Buenos Aires.

Am 5. Dezember schossen zwei Männer von einem Motorrad aus auf ein Ladenlokal in der Gemeinde Santander de Quilichao. Dabei wurden vier Personen getötet – der ehemalige FARC-Kämpfer Fernando Trochez Ulcué, sein Bruder Carlos Escué, Anführer einer indigenen Jugendorganisation, und der Menschenrechtskoordinator von Acin, Mauricio Capaz.

Der Indigene Regionalrat von Cauca (CRIC) spricht der Regierung von Präsident Iván Duque eine Mitschuld aus. Sie unterstütze oder toleriere bewaffnete Strukturen, die sich durch den Waffen- und Drogenhandel finanzieren und Jagd machen auf Kollektivbauern, Indigene und Afrokolumbianer. Die kolumbianische Regierung profitiere von der Gewalt, weil durch politische Morde führende Sozialaktivisten ausgeschaltet und ein großer Teil der Bevölkerung verängstigt werde. Indigene Kollektive sollen aufgelöst und enteignet werden. Der CRIC appelliert an die internationale Gemeinschaft, angesichts der Gewalt in Kolumbien nicht länger wegzuschauen und Druck auf Duque sowie die kolumbianische Regierung auszuüben.

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