Lateinamerika

Drei Fußballfelder pro Minute: Abholzung im brasilianischen Amazonasgebiet auf Höchststand seit 2008

Die Abholzung des Amazonasregenwalds hat in Brasilien kräftig zugelegt. Laut offiziellen Angaben stieg die entwaldete Fläche um 9,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Fast die Hälfte des in diesem Jahr gerodeten Dschungelgebiets entfiel auf den Bundesstaat Pará.
Drei Fußballfelder pro Minute: Abholzung im brasilianischen Amazonasgebiet auf Höchststand seit 2008Quelle: Reuters © UESLEI MARCELINO

Die brasilianische Weltraumagentur INPE hat am Montag ihre jüngsten Statistiken über die Abholzung im Amazonasgebiet vorgelegt. Die für die Überwachung des Regenwaldes zuständige Behörde teilte mit, dass zwischen August 2019 und Juli 2020 in der Region 11.088 Quadratkilometer Dschungel abgeholzt worden sind. Das entspricht rund 4.340 Fußballfeldern pro Tag oder drei Fußballfeldern pro Minute.

Demnach stieg die Abholzung gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 9,5 Prozent. Die abgeholzte Fläche war die größte seit dem Jahr 2008. Auf den Bundesstaat Pará entfielen 46,8 Prozent des im laufenden Jahr entwaldeten Gebiets, gefolgt von Mato Grosso mit 15,9 Prozent und Amazonas mit 13,7 Prozent. Die endgültigen Zahlen sollen in den ersten Monaten des Jahres 2021 vorgelegt werden.

Brasiliens Vizepräsident General Hamilton Mourão gab zu, dass die Statistiken alles andere als zufriedenstellend seien. Der Vorsitzende des Amazonas-Rates sagte auf einer Pressekonferenz am Montag:

"Das ist nicht zum Feiern. Das vorläufige Ergebnis bedeutet, dass wir den Impuls in unserer Arbeit aufrechterhalten und weiter nach einem Weg suchen müssen, um die Kennwerte der Zerstörung zu senken."

Cristiane Mazzetti von der Umweltschutzorganisation Greenpeace sagte:

"Die Entwicklungsvision der Bolsonaro-Regierung für das Amazonasgebiet führt uns zurück in die Vergangenheit mit Entwaldungsraten, die seit 2008 nicht mehr erreicht wurden."

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro sieht in der Region vor allem ungenutztes wirtschaftliches Potenzial und will noch mehr Flächen für Landwirtschaft, Bergbau und Energiegewinnung erschließen. Internationale Kritik an seiner Umweltpolitik weist er als Einmischung in innere Angelegenheiten zurück. Weil der Regenwald im Amazonasgebiet immense Mengen CO2 binden kann, ist er auch für das Weltklima von großer Bedeutung.

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(rt/dpa)