Lateinamerika

Western Union schließt wegen US-Sanktionen alle Filialen in Kuba

Western Union schließt umgehend all seine 407 Niederlassungen in Kuba. US-Sanktionen zwingen den Finanzdienstleister zu dieser drastischen Maßnahme. Die Regierung in Havanna sieht Nachteile für die Insulaner und ihre Angehörigen in den USA.
Western Union schließt wegen US-Sanktionen alle Filialen in KubaQuelle: AFP © Niurka Barroso

Das kubanische Außenministerium hat am Dienstag angekündigt, dass Western Union demnächst seine 407 Filialen in Kuba schließen wird. Die Maßnahme geht auf die Sanktionen des Weißen Hauses gegen den Karibikstaat zurück. Die von der Regierung unter US-Präsident Donald Trump verhängten Einschränkungen machen demnach Geldüberweisungen aus den USA nach Kuba faktisch unmöglich.

Im Juni wurde der kubanische Finanzdienstleister FINCIMEX auf die Sanktionsliste des US-Außenministeriums gesetzt. Am 23. Oktober führte das US-Finanzministerium neue Einschränkungen zur Kontrolle über kubanische Aktiva ein. Das Ministerium für Ausländische Angelegenheiten in Havanna teilte vor diesem Hintergrund mit:

Diese Politik wird die Überweisungen nach Kuba über lizenzierte US-Unternehmen unmöglich machen, was dem kubanischen Volk und kubanischen Familien in den USA direkt schaden wird.

In seiner Erklärung bemängelte das Außenministerium außerdem, dass sich die Maßnahme mitten in der COVID-19-Pandemie vollziehe:

Das unterstreicht den Zynismus, die Verachtung für das kubanische Volk und den Opportunismus der US-amerikanischen Regierung.

Zuvor hatte der kubanische Außenminister Bruno Rodríguez einen Bericht vorgelegt, wonach die US-Sanktionen Kuba innerhalb eines Jahres 5,57 Milliarden US-Dollar gekostet haben. Diese Summe sei dem Karibikstaat zwischen April 2019 und März 2020 durch die wirtschaftliche Blockade der USA verloren gegangen. Die Verluste seien die bisher höchsten in einem Jahr und um 1,226 Milliarden Dollar höher als im Vorjahreszeitraum.

Als Reaktion auf die Verstaatlichung von US-Vermögen in Kuba hatten die USA im Jahr 1961 ihre diplomatischen Beziehungen zu dem Land abgebrochen. Washington verhängte auch ein handelswirtschaftliches Embargo gegen den Inselstaat. Im Dezember 2014 erkannte der damalige US-Präsident Barack Obama die frühere US-Politik gegenüber Kuba als zu ineffizient und verkündete eine schrittweise Annäherung an den Karibikstaat. Laut seinem Plan sollten die bilateralen Beziehungen allmählich normalisiert und die Sanktionen gemildert werden. Mit dem Amtsantritt von Donald Trump im Januar 2017 wurde die US-Politik gegenüber Kuba jedoch umgehend wieder verschärft. Der Republikaner schränkte die Reisemöglichkeiten für US-Bürger nach Kuba ein und setzte ein Verbot für Geschäfte mit vom kubanischen Militär kontrollierten Unternehmen durch.

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