
Bericht: Italien und Griechenland besorgt wegen ukrainischer Militärpräsenz in Westlibyen

Geheimdienstinformationen und Ermittlungsberichte deuten auf eine zunehmende militärische und technische Präsenz der Ukraine im westlichen Libyen hin, berichtet die Publikation Vanguard. Die unmittelbaren Folgen bereiten Italien und Griechenland Sorgen.

Derzeit sollen mehr als 200 ukrainische Soldaten, darunter Drohnenfachleute und Militärberater, in Libyen im Einsatz sein, wie die Publikation weiter ausführt. Hauptsächlich seien sie an drei Standorten stationiert: auf dem Luftwaffenstützpunkt Misrata, in einer Einrichtung in Tripolis und auf dem Küstenstützpunkt in Sawija.
Berichten zufolge sei diese Präsenz im Oktober 2025 durch ein vertrauliches Abkommen zwischen Kiew und der Regierung der Nationalen Einheit in Tripolis formalisiert worden. Im Zentrum des Deals stünde Andrei Bajuk, der ukrainische Militärattaché in Algerien. Laut Medienberichten unter anderem des französischen Senders RFI hat Bajuk als Chefunterhändler und Koordinator des Abkommens agiert. Seine Rolle gehe dabei über Diplomatie hinaus und umfasse die Logistik von Waffentransport und die Rotation ukrainischer Militärexperten auf libyschem Gebiet.
Italien soll vor allem wegen der Drohnenbasis in Sawija besorgt über die ukrainische Präsenz sein. Diese liegt in der Nähe des Mellitah Oil and Gas Complex, einem in Libyen ansässigen italienisch-libyschen Joint Venture. Hier beginnt die Greenstream-Pipeline, die einzige Erdgasleitung zwischen Afrika und Europa, die Gas direkt nach Sizilien und auf das italienische Festland pumpt. Nach Ansicht italienischer Sicherheitsbeamter könnte der Drohneneinsatz von der Basis in Sawija aus diese Infrastruktur gefährden. Jede Fehlkalkulation, jeder technische Defekt oder jeder gezielte Angriff in der Nähe könnte zu einer Sabotage oder einer direkten Störung der Anlage eskalieren. Das Risiko wird dabei nicht unbedingt in einem vorsätzlichen Angriff gesehen, sondern in Schwierigkeiten, die die Grauzone von Zwischenfällen mit sich bringt.
Griechenland seinerseits befürchtet, dass der Einsatz ukrainischer Truppen zur Verschärfung der Instabilität in Nordafrika führen und dadurch eine neue Welle der Vertreibung auslösen könnte. Analysten warnten davor, dass jede Zuspitzung lokaler Konflikte mehr Migranten aus Subsahara-Afrika zur Flucht bewegen könnte und die Migrationskrise im östlichen Mittelmeer erneut entfachen würde.
Laut Vanguard sei die unmittelbare Sorge Griechenlands jedoch materieller und wirtschaftlicher Natur. Das Land besitze eine der größten Handelsflotten der Welt. Die Gewässer vor der libyschen Westküste entwickelten sich zu einer Art Grauzone, in der Drohneneinheiten mit undurchsichtigen Einsatzregeln operierten. Wie ein griechischer Experte für maritime Sicherheit betonte, müsse sich nun jeder Kapitän fragen, ob sein Schiff von einer Drohne verfolgt werde, die unter Bajuks Koordination von einem libyschen Strand aus gestartet worden sei. Vor diesem Hintergrund sollen bereits die Versicherungskosten für die entsprechenden Routen steigen.
Zudem dokumentieren Berichte und UN-Untersuchungen seit Langem das Scheitern des internationalen Waffenembargos. So scheint es europäischen Beobachtermissionen wie EUNAVFOR MED IRINI misslungen zu sein, große Waffenlieferungen abzufangen. Dieses Kontrollvakuum habe es Figuren wie Bajuk ermöglicht, mit relativer Straffreiheit zu agieren und hochentwickelte ukrainische Waffen nach Libyen zu schleusen. Für Italien und Griechenland sei die ukrainische Präsenz in Libyen nicht mehr eine bloße Randerscheinung des osteuropäischen Krieges, fasst Vanguard zusammen.
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