Afrika

Afrikanische Union verabschiedet Resolution zu Sklaverei, Kolonialismus und Wiedergutmachung

Die Sklaverei und der Kolonialismus werden als Verbrechen gegen die Menschheit klassifiziert. Afrikas Forderung nach historischer Gerechtigkeit und Wiedergutmachung soll vorangetrieben werden. Dazu kommt es zur Vorlage eines Resolutionsentwurfs bei der UN-Generalversammlung im März.
Afrikanische Union verabschiedet Resolution zu Sklaverei, Kolonialismus und Wiedergutmachung© Urheberrechtlich geschützt: Präsidentschaft von Ghana

Von Nicholas Mwangi

Afrikanische Staats- und Regierungschefs haben eine historische Resolution verabschiedet, in der Sklaverei, Deportation und Kolonialismus als Verbrechen gegen die Menschheit eingestuft werden. Dies markiert einen wichtigen Schritt in Afrikas langjährigem Kampf um historische Gerechtigkeit und Wiedergutmachung.

Die Entscheidung wurde am Ende einer zweitägigen hochrangigen Beratung im Rahmen der 39. ordentlichen Sitzung der Versammlung der Afrikanischen Union (AU) getroffen, die vom 14. bis 15. Februar im Hauptquartier der AU in Addis Abeba, Äthiopien, stattfand.

Die Teilnehmer befassten sich mit einer umfassenden Studie, die die rechtlichen und moralischen Implikationen untersuchte, die sich daraus ergeben, wenn die Kolonialisierung als Verbrechen gegen die Menschheit und bestimmte Handlungen, die während der Zeit der Sklaverei, Deportation und Kolonialherrschaft begangen wurden, als Völkermord an den afrikanischen Völkern bezeichnet werden.

In ihrem Abschlusskommuniqué bekräftigte die Versammlung die zentrale Bedeutung von historischer Gerechtigkeit, wahrheitsgemäßer Aufklärung, Erinnerung und Wiedergutmachung. Sie bekräftigte zugleich die Notwendigkeit, die Würde der afrikanischen Völker und der Menschen afrikanischer Herkunft weltweit zu wahren.

Mahama will Resolution bei der UN-Generalversammlung vorlegen

Ein zentrales Ergebnis des Gipfels war die Annahme eines Resolutionsentwurfs, der im März der Generalversammlung der Vereinten Nationen vorgelegt werden wird. Die Beschlussvorlage zielt darauf ab, den transatlantischen Sklavenhandel weltweit als schwerstes Verbrechen gegen die Menschheit anzuerkennen.

Die Initiative wird von Ghanas Präsident John Dramani Mahama in seiner Eigenschaft als Beauftragter der AU für die Förderung der Gerechtigkeit und die Zahlung von Reparationen vertreten. Vor der Versammlung bezeichnete Mahama die Verabschiedung der Resolution als einen Moment, den Menschen afrikanischer Herkunft weltweit lange erwartet haben. Er sagte:

"Alle Menschen afrikanischer Herkunft haben auf diesen Tag gewartet. Die Wahrheit kann nicht begraben werden. Die rechtlichen Grundlagen sind solide, der moralische Imperativ ist unbestreitbar."

Der Resolutionsentwurf, der erstmals während der 80. Sitzung der UN-Generalversammlung im September 2025 angekündigt wurde, ist das Ergebnis der anhaltenden Bemühungen des Kontinents, die Reparationsagenda Afrikas innerhalb des internationalen Systems voranzubringen.

Schaffung kontinentaler Mechanismen für Reparationen

Präsident Mahama berichtete über deutliche Fortschritte bei der Einrichtung institutioneller Mechanismen zur Förderung der Reparationsgerechtigkeit. Dazu gehören das Koordinierungsteam und der Expertenausschuss für Wiedergutmachung der AU und eine Gruppe von Rechtsexperten, die mit der Entwicklung rechtlicher Strategien und Rahmenbedingungen beauftragt ist.

Er bezeichnete die Ausrufung des Jahres 2025 zum "Jahr der Gerechtigkeit für Menschen afrikanischer Herkunft durch Wiedergutmachung" durch die AU als "historischen Wendepunkt", nicht nur symbolisch, sondern als eine strategische und internationale Verpflichtung des Kontinents.

Die Mitgliedstaaten sind aufgefordert, nationale Reparationskommissionen einzurichten, formelle Gespräche mit den historischen Täterstaaten aufzunehmen und die vorgeschlagene "Dekade der Reparationen" zu unterstützen, um die Kontinuität über das Gedenkjahr hinaus zu gewährleisten.

"Reparationsgerechtigkeit wird uns nicht geschenkt werden. Wie die politische Unabhängigkeit muss sie durch Entschlossenheit und Einigkeit eingefordert, vorangetrieben und gesichert werden", erklärte Mahama.

Die aktuelle Dynamik baut auf früheren Maßnahmen auf kontinentaler Ebene auf, darunter Resolutionen von 2025, die Sklaverei und Kolonialismus formal als Völkermord und Verbrechen gegen die Menschheit eingestuft haben. Diese Positionen wurden auf einer Konferenz am 1. Dezember 2025 in Algier, Algerien, bekräftigt. Dort untersuchten afrikanische Staats- und Regierungschefs, Diplomaten und Wissenschaftler die Verbrechen des Kolonialismus und deren anhaltende Folgen.

Neben der Reparationsagenda befasste sich die jüngste Versammlung auch mit dem Bericht der Kommission zur Lage in Palästina. Die afrikanischen Staats- und Regierungschefs betonten erneut die Solidarität der Union mit Palästina und bekräftigten ihre Unterstützung für eine gerechte, dauerhafte und umfassende Lösung im Einklang mit dem Völkerrecht und den einschlägigen Resolutionen der Vereinten Nationen.

Es wird erwartet, dass die Vorlage der von der AU unterstützten Resolution vor der UN-Generalversammlung im März einen wichtigen Moment in der kontinentalen Kampagne für die weltweite Anerkennung und Wiedergutmachung historischer Ungerechtigkeiten gegenüber den afrikanischen Völkern markieren wird.

Mahama forderte die derzeitigen Führungskräfte Afrikas auf, sich der Situation zu stellen. Er drängte darauf, dass "diese Generation nicht wegen ihres Zögerns, sondern wegen ihres Mutes, Gerechtigkeit voranzutreiben, Würde wiederherzustellen, Wiedergutmachung zu sichern und eine auf Wahrheit basierende Zukunft zu gestalten, in Erinnerung bleiben möge".

Aus dem Englischen übersetzt von Olga Espín.

Mehr zum Thema – Afrika will Reparationen von Frankreich – Algerien geht mit Beispiel voran

RT DE bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.