Afrika

Marokko: Über 150 Migranten erstürmen spanische Exklave Melilla – 20 Grenzpolizisten verletzt

Erneute Eskalation der Migrantenkrise in Nordafrika: Am Dienstag haben mehr als 150 Flüchtlinge versucht, über die marokkanische Grenze in die spanische Exklave Melilla zu fliehen. Dabei kam es zu Zusammenstößen mit dem spanischen Grenzschutz. Mehrere Beamte wurden verletzt.
Marokko: Über 150 Migranten erstürmen spanische Exklave Melilla – 20 Grenzpolizisten verletztQuelle: Reuters © Juan Medina

Aufnahmen von der Szene zeigen, wie die Eindringlinge die Polizisten mit Steinen bewarfen. Die Sicherheitskräfte setzten daraufhin Pfefferspray ein. Wie eine Sprecherin der Regierungsdelegation in Melilla gegenüber der Zeitung El Mundo mitteilte, zogen sich infolge der Zusammenstöße insgesamt 20 Beamte der Guardia Civil mehrheitlich leichte Verletzungen wie etwa Prellungen zu.  

Während die Polizisten den Migranten zahlenmäßig weit unterlegen waren, schaffte es am Ende keiner der Flüchtlinge, die Grenze zu Melilla zu überqueren, so die Sprecherin. Ihr zufolge handelte es sich dabei grundsätzlich um Asylsuchende aus Ländern südlich von Marokko. Die Grenzverletzung konnte auch dank der "aktiven Zusammenarbeit" der marokkanischen Sicherheitskräfte verhindert werden, hieß es.

Die Migrantenkrise in Marokko war erstmals vor rund einem Monat an der Grenze zu Ceuta, der ebenfalls in Nordafrika gelegenen autonomen Region Spaniens, ausgebrochen. Anlass dafür war die Entscheidung Madrids, das Staatsoberhaupt der von Marokko umstrittenen Demokratischen Arabischen Republik Sahara (DARS), Brahim Ghali, in Spanien medizinisch behandeln zu lassen, ohne Rabat darüber zu informieren. 

Während die beiden Länder darüber hinaus miteinander in Clinch kamen, schlichen rund 9.000 Migranten über die marokkanische Grenze illegal nach Ceuta. Den Ansturm schrieben die spanischen Behörden den gelockerten Grenzkontrollen zu. Auf die Kritik aus Madrid reagierte Marokko mit dem Versprechen, alle Migranten zurückzunehmen, und zeigte sich "bereit, mit den europäischen und den EU-Nationen bei der Bewältigung der Krise zu kooperieren". Der Streit eskalierte jedoch erneut, nachdem Marokko vergangene Woche die spanische Regierung beschuldigt hatte, zu versuchen, die Krise zu "europäisieren" und die Aufmerksamkeit von den eigentlichen Ursachen der Migration abzulenken.

Am Dienstag kündigte die spanische Außenministerin Arancha González Laya die Erwägung Madrids an, die beiden autonomen Städte Ceuta und Melilla in den europäischen Schengen-Raum aufzunehmen. Derzeit können Marokkaner aus den Nachbarstädten visafrei in die Enklaven reisen, jedoch nicht auf das spanische Festland.

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