Afrika

Mali: Mindestens 20 Tote bei Hochzeit – Französisches Militär machte Jagd auf Dschihadisten

Mehr als 20 Zivilisten wurden am Sonntag in Mali von einem nicht identifizierten Kampfhubschrauber getötet. Nach eigenen Angaben war das französische Militär in dem Gebiet aktiv und machte erfolgreich Jagd auf Dschihadisten. Eine Hochzeit habe dort nicht stattgefunden.
Mali: Mindestens 20 Tote bei Hochzeit – Französisches Militär machte Jagd auf DschihadistenQuelle: Reuters © Reuters / Benoit Tessier

Am Wochenende wurden mehr als 20 Menschen bei einem Luftangriff in einer abgelegenen Wüstenregion im Zentrum Malis getötet.

Tabital Pulakuu, ein Verein zur Förderung der Peul-Kultur, berichtete von einem Luftangriff während einer Hochzeit, "der mindestens 20 Zivilisten das Leben gekostet hat" .

Zeugenaussagen von Einheimischen bestätigten laut den Nachrichtenagenturen Reuters, AFP und AP, dass ein Kampfhubschrauber auf eine Hochzeitsgesellschaft in Bounti geschossen hatte und dabei mehr als 20 Menschen ums Leben gekommen waren, darunter auch Kinder. Der Hubschrauber soll dschihadistische Kämpfer auf Motorrädern in der Nähe der Dörfer Bounti und Kikara verfolgt haben.

Nach Angaben des französischen Militärs hat es am Sonntag Luftangriffe in Zentralmali durchgeführt und dabei Dutzende islamistische Kämpfer getroffen. Am Massaker bei der Hochzeit wollte es nicht beteiligt gewesen sein. Ziele sollen im Vorhinein gründlich von einer Drohne identifiziert worden sein.

"Berichte über eine Hochzeit stimmen nicht mit den Beobachtungen überein, die gemacht wurden", so Oberst Frederic Barbry, ein französischer Militärsprecher, am Dienstag gegenüber der Nachrichtenagentur Associated Press (AP). Die Operation sei durch eine mehrtägige Geheimdienstmission vorbereitet worden, die eine "verdächtige Ansammlung von Menschen" zeigte. Das französische Militär konnte daraus schließen, dass es sich um eine "terroristische bewaffnete Gruppe handelte, basierend auf der Haltung der Individuen, ihrer Ausrüstung und anderen Geheimdienstinformationen", sagte er.

Eine französische Militärquelle erklärte gegenüber AFP: "Es kann keine Zweifel oder Unklarheiten geben, es gab keine Hochzeit."

Laut Al Jazeera sagten mehrere Dorfbewohner und andere lokale Augenzeugen jedoch, dass bis zu 20 Hochzeitsgäste durch das Feuer von einem Hubschrauber getötet wurden. Am helllichten Tag habe demnach ein einzelner Hubschrauber am Sonntag sehr plötzlich das Feuer eröffnet und eine zu einer Hochzeit versammelte Menschenmenge in Panik versetzt. Der Hubschrauber sei sehr tief geflogen, die Gäste um ihr Leben gerannt.

Der französischen Nachrichtenagentur AFP zufolge kann auch die nationale Armee Malis offensiv aus der Luft operieren. Die malischen Behörden, die seit dem Putsch vom 18. August vom Militär dominiert werden, haben bisher gegenüber AFP geschwiegen.

Am Samstag wurden im Osten Malis zwei französische Soldaten durch eine Bombe am Straßenrand getötet, als sie sich auf einer Aufklärungsmission befanden. Laut der Intelligence Group, einem privaten US-Geheimdienstunternehmen, soll die dschihadistische Gruppe Dschamāʿat Nusrat al-Islām wa-l-Muslimīn, ein al-Qaida-Ableger, für den Angriff die Verantwortung übernommen haben.

Drei weitere Soldaten wurden letzte Woche in Mali durch einen Bombenanschlag getötet, zu dem sich eine weitere al-Qaida-nahe Organisation bekannt haben soll. Am Samstag wurden im benachbarten Niger nahe der malischen Grenze Berichten zufolge zwischen 50 und 100 Dorfbewohner von unbekannten Bewaffneten massakriert.

Frankreich hat derzeit etwa 5.100 Soldaten in der Sahel-Region stationiert, nachdem vor sieben Jahren im Zuge des Libyen-Konflikts im Jahr 2011 französisch geführte Luftangriffe das Land und die Region destabilisierten.

Auch die Bundeswehr beteiligt sich mit mehr als 1.000 Soldaten in Mali an der 12.000 Mann starken sogenannten "UN-Stabilisierungsmission MINUSMA". Die UN-Mission gilt als der gefährlichste derzeit laufende Einsatz der UNO.

Seit dem Start der Operation Barkhane im Jahr 2013 sind 49 französische Soldaten ums Leben gekommen. Die französische Regierung erfährt zunehmend von eigenen Bürgern, aber auch seitens der Menschen in der Sahel-Region Ablehnung gegenüber der militärischen Präsenz.

Die französische Verteidigungsministerin Florence Parly sprach jüngst in einem Interview mit der Tageszeitung Le Parisien davon, die zusätzlichen 600 Mann der Barkhane-Mission wieder zu reduzieren, da eine Verstärkung "per Definition vorübergehend" sei. Allerdings verwies sie auch auf die Schwierigkeit, terroristische Gruppen dauerhaft einzuschränken. Eine Entscheidung wird auf dem für Februar geplanten Gipfel Frankreichs und der G5 Sahel erwartet, der regionalen westafrikanischen Anti-Terror-Truppe, zu der Burkina Faso, Mali, Mauretanien, Niger und Tschad gehören.

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