Afrika

Mindestens 166 Tote bei Protesten und ethnischen Spannungen in Äthiopien

Bei Protesten in Äthiopien sind mindestens 166 Menschen getötet worden. Die Unruhen und Zusammenstöße mit Sicherheitskräften begannen, nachdem der Sänger Hachalu Hundessa am Montagabend erschossen worden war. Das Internet blieb auch am Sonntag weitgehend abgeschaltet.
Mindestens 166 Tote bei Protesten und ethnischen Spannungen in ÄthiopienQuelle: Reuters © TIKSA NEGERI

Nach dem am Dienstag in Äthiopien massenhafte Unruhen ausgebrochen waren, kamen bei Protesten nach Angaben der Behörden insgesamt mindestens 166 Menschen ums Leben. Wie der stellvertretende Polizeichef der Region Oromia, Girma Gelan, am Samstagabend im Staatsfernsehen sagte, seien dort mindestens 156 Menschen getötet worden. Zuvor hatten die Behörden mindestens zehn Tote in der Hauptstadt Addis Abeba gemeldet.

Die blutigen Proteste und Zusammenstöße mit Sicherheitskräften wurden durch den gewaltsamen Tod des politisch engagierten Sängers Hachalu Hundessa ausgelöst. Der 34-Jährige wurde am Montagabend in Addis Abeba angeschossen und erlag seinen Verletzungen in einem Krankenhaus. Der Hintergrund der Tat blieb bislang unklar.

Seitdem wurden nach Polizeiangaben in der Hauptstadt und in der Region Oromia rund 2.300 Menschen festgenommen. Regierungschef Abiy Ahmed sagte, die Vorfälle seien koordinierte Versuche gewesen, Unruhen im Land zu stiften. Am Wochenende war die Lage in Oromia Berichten zufolge weiter angespannt. Etliche Läden blieben geschlossen. Wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur berichtete, hatte sich die Lage in Addis Abeba bis zum Sonntag wieder entspannt. Allerdings blieb das in Teilen Äthiopiens abgeschaltete Internet weiter aus.

Oromo ist die größte ethnische Gruppe in Äthiopien. Ihre Vertreter fühlen sich jedoch seit Jahren marginalisiert. In den Jahren 2014 bis 2018 ist es in der Region Oromia deswegen zu massenhaften Antiregierungsprotesten gekommen.

Der aktuelle Ministerpräsident Abiy Ahmed wird als Reformer gesehen und hat unter anderem wegen seiner Befriedungsbemühungen am Horn von Afrika den Friedensnobelpreis erhalten. Allerdings sind während seiner Amtszeit ethnische Spannungen und Konflikte wieder aufgeflammt.

Die Unruhen in Äthiopien sind auch deshalb heikel, weil sich das Land derzeit in einem Streit mit Ägypten und dem Sudan über den künftig größten Staudamm Afrikas befindet. Die Grand-Ethiopian-Renaissance-Talsperre wird von Äthiopien im Blauen Nil erbaut und soll das Land mit Strom versorgen. Allerdings fürchtet das flussabwärts gelegene Ägypten um seine Wasserversorgung. Addis Abeba will noch im Juli beginnen, den Stausee zu füllen – egal ob mit oder ohne Einigung der Nachbarländer. Die Afrikanische Union (AU) versucht zwischen den Ländern zu vermitteln. Zudem hat Ägypten den UN-Sicherheitsrat eingeschaltet. (dpa)

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