Medienberichte: USA liefern Rekordmengen von LNG in die EU

Laut Reuters liefern die USA erstmals mehr Erdgas in die EU als Russland. So machten im September LNG-Lieferungen aus den USA fast 70 Prozent der europäischen Importe. Doch die Kosten für die Länder seien um ein Vielfaches höher. Europa hat damit Asien als wichtigstes LNG-Zielland der USA verdrängt.

Die USA haben sich zu einem der führenden LNG-Lieferanten für Europa entwickelt. Ihre Exporte von Flüssigerdgas auf den alten Kontinent wurden im September wieder erhöht, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters diese Woche unter Berufung auf Daten von Refinitiv Eikon, einer Plattform zur Analyse von Finanzmarktinformationen. Wegen des Ausfalls eines großen LNG-Terminals in den USA lagen die Exporte in den ersten acht Monaten des Jahres 2022 jedoch insgesamt unter dem Durchschnitt.

Ein Brand im Juni hatte die Herstellung im Freeport-Terminal, der zweitgrößten Verflüssigungsanlage in den Vereinigten Staaten, zum Erliegen gebracht. Dadurch bleibt die LNG-Produktion in den USA hinter der vollen Kapazität zurück. Auf das Freeport-Terminal in Texas entfiel vor dem Vorfall ein Fünftel aller LNG-Exporte der USA.

Unterdessen steigen sowohl die Nachfrage als auch die Preise für das LNG, da die energiehungrigen europäischen Abnehmer nach Alternativen zum russischen Erdgas suchen. Wie aus Daten der Tanküberwachung hervorgeht, hat Europa zum ersten Mal Asien als wichtigstes Zielland für US-amerikanisches Flüssigerdgas abgelöst. Im September gingen 87 Verschiffungen mit 6,3 Millionen Tonnen nach Europa und übertrafen damit leicht das Volumen vom August (6,25 Millionen Tonnen). Damit lag der Anteil der US-LNG-Exporte nach Europa im September bei fast 70 Prozent, gegenüber 56 Prozent im August und 63 Prozent im Juli.

Nach früheren Berichten der staatlichen Energy Information Administration (EIA), haben die USA fast drei Viertel ihres gesamten Flüssigerdgases nach Europa geliefert. Die EIA ist eine statistische US-Behörde, die sich mit Erfassung, Analyse und Verbreitung von Informationen aus dem gesamten Spektrum der Energiequellen befasst., haben die USA in den ersten vier Monaten des Jahres 2022 fast drei Viertel ihres gesamten Flüssigerdgases nach Europa geliefert.

Der Anstieg hat zur Folge, dass fast die Hälfte der LNG-Importe der EU auf die USA zurückzuführen ist, was etwa doppelt so viel ist wie im Jahr 2021. Europaweit sind 36 LNG-Terminals in Betrieb – von Polen über die Niederlande und Frankreich bis nach Spanien. Deutschland hat bislang noch keine solche Anlage. Der Import läuft über die Terminals in Belgien oder den Niederlanden.

Doch obwohl die LNG-Exporte aus den USA dazu beigetragen haben, die europäischen Gasspeicher früher als geplant zu füllen, waren die Ausgaben nach Ansicht von Experten zehnmal höher als die in der Vergangenheit üblichen durchschnittlichen Kosten für das Auffüllen der Tanks für den Winter.

Durch die erhöhten Lieferungen von tiefgekühltem Flüssiggas in die EU gab es im vergangenen Monat auch weniger Ladungen für Asien, Lateinamerika und die Karibik.

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