Indien will im Handel mit Russland auf nationale Währungen umstellen

Moskau und Neu-Delhi arbeiten intensiv daran, den bilateralen Handel auf nationale Währungen umzustellen. Laut einem hochrangigen indischen Beamten könnte der Umstieg bereits bald erfolgen. Hierbei würden auf indischer Seite mehrere verstaatliche Banken eingesetzt.

Ein System, das direkte Rupien-Rubel-Zahlungen im Handel zwischen Russland und Indien ermöglicht, könnte diese Woche eingeführt werden. Das verkündete A. Sakthivel, der Präsident der Federation of Indian Export Organizations (FIEO), gegenüber CNBC. Die Vereinbarung würde es Indien und Russland ermöglichen, Finanztransaktionen unter Umgehung des US-Dollars abzuwickeln. Russland kann aufgrund der westlichen Sanktionen im Zusammenhang mit dem Konflikt in der Ukraine den US-Dollar nicht mehr verwenden.

Dem Beamten zufolge arbeitet die indische Regierung an einem Vorschlag, der es bis zu fünf verstaatlichten indischen Banken ermöglichen soll, sich an dem Rupien-Rubel-Handelsmechanismus zu beteiligen. Die Vereinbarung würde es indischen Exporteuren ermöglichen, trotz der Sanktionen, die unter anderem internationale Zahlungsmechanismen wie SWIFT in Russland verbieten, weiterhin Geschäfte mit Russland zu tätigen. Außerdem könnte Indien weiterhin russische Energieexporte und andere Waren kaufen.

Nach Ansicht von Sakthivel könnte die indische Wirtschaft von den Sanktionen gegen Russland profitieren, da sie den Exporteuren im Land die Möglichkeit geben, auf dem russischen Markt zu expandieren. Er erklärte:

"Der Export nach Russland ist nicht sehr groß und findet nur im Bereich der landwirtschaftlichen und pharmazeutischen Produkte statt. Jetzt, da der gesamte Westen Russland blockiert, werden sich für indische Unternehmen viele Möglichkeiten ergeben, in Russland Fuß zu fassen."

Das indische Finanzministerium und die indische Zentralbank haben sich noch nicht zu der neuen Handelsvereinbarung geäußert.

Im Gegensatz zu den USA und der EU hat Indien Russland wegen seines Militäreinsatzes in der Ukraine nicht kritisiert und sich bei den jüngsten UN-Abstimmungsrunden einer Verurteilung Moskaus enthalten. Auf die Frage, ob Indiens fortgesetzter Handel mit Russland den Zorn des Westens auf sich ziehen würde, sagte Sakthivel, sein Land habe eine "neutrale Haltung" zur Situation in der Ukraine eingenommen. Er betonte:

"Die Regierung wird alle Faktoren in Betracht ziehen. Die Regierung geht dabei sehr vorsichtig vor."

Indien exportierte im vergangenen Jahr Waren im Wert von 3,3 Milliarden US-Dollar nach Russland, hauptsächlich pharmazeutische Produkte, Tee und Kaffee. Gleichzeitig kaufte es russische Produkte im Wert von 6,9 Milliarden US-Dollar, darunter Waffen und Verteidigungsgüter, Bodenschätze, Düngemittel, Metalle und Edelsteine sowie russisches Erdöl.

Jüngsten Medienberichten zufolge hat der größte Raffineriebetreiber des Landes, die Indian Oil Corp, in den vergangenen Monaten verstärkt russisches Rohöl gekauft. Berichten zufolge erwägt Neu-Delhi angesichts der in die Höhe geschossenen Rohstoffpreise auch den Kauf von Rohstoffen aus Russland und Weißrussland für die Düngemittelproduktion.

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