"Admiral Gorschkow" operiert im Atlantik – Abschuss von Hyperschallrakete als Signal an die NATO

Die Besatzung der Fregatte "Admiral Gorschkow" führte im westlichen Atlantik eine Übung mit der Hyperschallrakete "Zirkon" durch. Laut dem russischen Verteidigungsministerium entsprach der Start voll und ganz den Erwartungen. Welche Schlussfolgerungen sollte die NATO hieraus ziehen?

Von Oleg Issaitschenko

Die Fregatte "Admiral der Flotte der Sowjetunion Gorschkow", die in Gebieten des westlichen Atlantiks operiert, hat eine Übung mit Hyperschallraketenwaffen durchgeführt, bei der eine Computersimulation zum Einsatz kam. Dies teilte das russische Verteidigungsministerium am Mittwoch mit.

Die Fregatte schoss mit einer Zirkon-Rakete auf ein Seeziel, das ein feindliches Kampfschiff in mehr als 900 Kilometern Entfernung simulierte. Im Verlauf der Übungen habe die Schiffsbesatzung eine hohe Handlungskohärenz bewiesen, betonte die russische Militärbehörde.

Nach Angaben des Schiffskommandanten, Kapitän Igor Krochmal, erreichte die Effizienz des Starts die angestrebte Stufe eins, was bedeutet, dass die Erwartungen voll erfüllt wurden. Die Übung bestätigte demnach alle dem Komplex innewohnenden Fähigkeiten.

In der zweiten Februarhälfte wird die "Admiral Gorschkow" voraussichtlich an Marineübungen der BRICS-Staaten (Russland, China und Südafrika) im Indischen Ozean vor der Küste von Durban, Südafrika, und in der benachbarten Richards Bay teilnehmen. Weiter wurde daran erinnert, dass der russische Präsident Wladimir Putin Anfang Januar die Fregatte "Admiral Gorschkow" mit dem Raketensystem Zirkon in den Kampfeinsatz geschickt hatte.

Konstantin Siwkow, Professor der Militärwissenschaften, sprach zuvor über die Eigenschaften der Zirkon-Rakete. Er erläuterte:

"Es handelt sich um eine Hyperschallwaffe, die für die Luftabwehr praktisch unverwundbar ist. Das landseitige System hat eine Reichweite von 1.000 bis 1.500 Kilometern. Die Reichweite der von Bord des Schiffes abgeschossenen Flugkörperbeträgt etwa 800 Kilometer. Das heißt, durch die Entwicklung und den Einsatz des Raketensystems können wir den Feind angreifen, ohne selbst in die Reichweite seiner Seezielflugkörper zu gelangen."

Die Übungen der Besatzung der Fregatte "Admiral Gorschkow" zum Einsatz der Hyperschall-Anti-Schiffsrakete Zirkon hätten die USA und die NATO ernsthaft alarmiert, sagen Experten. Alexander Bartosch, korrespondierendes Mitglied der Akademie der Militärwissenschaften, erklärte gegenüber der Zeitung Wsgljad:

"Es war ein elektronischer Teststart, der gezeigt hat, dass sowohl die Besatzung als auch die technische Ausrüstung des Schiffes voll einsatzbereit sind."

Bartosch fügte hinzu:

"Darüber hinaus kann der Hyperschalltest im Westatlantik als ein wirklich einzigartiges Ereignis bezeichnet werden. Allein schon das Auftauchen der 'Admiral Gorschkow' im Westatlantik ist ein eindeutiges Signal an unsere Gegner. Wir haben gezeigt, dass wir über eine sehr wirksame Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeit verfügen."

Der stellvertretende Chefredakteur der Zeitschrift Woin Rossii (deutsch: russischer Kämpfer), Kapitän Wassili Dandykin, sagte seinerseits ironisch:

"Die Übungen der 'Admiral Gorschkow' erregte im Westen sofort Aufsehen. Sofort wurde die Frage gestellt: 'Warum steuern Sie die US-Küste an?' Es war, als hätte sich ein ganzes Geschwader in ihre Richtung aufgemacht."

Der Militärexperte fuhr fort:

"Das Schiff hat nur die ihm zugewiesenen Aufgaben durchgeführt. Es würde an allen bereits angekündigten Standorten funktionieren. Der Atlantik ist groß, und es macht Sinn, Übungen in seinem westlichen Teil durchzuführen, insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse in Osteuropa."

Dandykin sagte auch:

"Natürlich ist Zirkon für die NATO von großer Bedeutung. Die Rakete fliegt mit einer enormen Geschwindigkeit, es ist sehr schwierig, wenn nicht gar unmöglich, sie abzuschießen. Außerdem kann sie einen Sprengkopf mit einem speziellen Gefechtskopf tragen. Es ist nicht schwer sich vorzustellen, was mit einem Flugzeugträger passiert, wenn diese Rakete ihn trifft."

Und weiter:

"Die Rakete ist auch in der Lage, Ziele in Tausenden Kilometern Entfernung zu treffen. Wir sollten mit solchen Raketen nicht nur in der Arktis, sondern auch im Atlantik üben und die entsprechenden Abschusspunkte erreichen. Genau aus diesem Grund beobachten die USA unsere Übungen genau, werten sie aus und ziehen ihre Schlüsse daraus."

Dandykin betonte:

"Außerdem haben wir der NATO ja wiederholt und ganz genau gesagt, dass wir über solche Waffen verfügen. Computergrafiken wurden vorgeführt. Aber sie haben uns nicht geglaubt. Nun, jetzt gibt es keinen Zweifel mehr. Unsere Übungen in dieser Region des Atlantiks sind ein vollwertiges Element der Gefechtsausbildung, das verdeutlicht: Es kommt nicht auf die Quantität der Waffen an, sondern auf ihre Qualität."

Experten weisen darauf hin, dass die Übungsfahrt der "Admiral Gorschkow" mit den Zirkon-Raketen auch deshalb ein einzigartiges Ereignis ist, weil Russland als erstes Land eine neue Seite im Buch der Geschichte aufschlägt, die mit "Hyperschallraketen auf den Weltmeeren" überschrieben ist. Dmitri Stefanowitsch, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Zentrums für internationale Sicherheit beim russischen Institut für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen, teilte mit, dass nach offiziellen Angaben die "Admiral Gorschkow" den Atlantik, den Indischen Ozean und das Mittelmeer passieren wird. Das sei wirklich ein Novum – so etwas habe es bis heute noch nie gegeben.

Er fügte hinzu, dass, obwohl ähnliche Programme zur Entwicklung von Hyperschallraketen für Schiffe auch in anderen Ländern wie den USA und China laufen, Russland diesen Ländern nunmehr voraus sei. Stefanowitsch erklärte:

"Dennoch können wir natürlich nicht behaupten, dass es sich um eine revolutionäre Veränderung der Situation handelt. Der traditionelle Schwerpunkt der sowjetischen und dann russischen Marine lag auf Hochgeschwindigkeitsraketen zur Schiffsabwehr. Was sich nun geändert hat, ist die Fähigkeit, auch Bodenziele zu treffen, was auch eine gängige Entwicklung bei anderen Anti-Schiffs-Raketen ist. Wir reden hier allerdings über ein ganz anderes Niveau von Geschwindigkeit und Reichweite."

Experten weisen auch auf eine weitere wichtige Nuance hin – den wahrscheinlichen Einsatz eines Zielbestimmungssystems im Weltraum während der Übung, denn ohne dieses System wird Zirkon physisch nicht in der Lage sein, seine Aufgaben zu erfüllen, da seine "Augen" ohne solche Systeme das Ziel nur in einer Entfernung von 30 bis 40 Kilometern erkennen können. Der Militärexperte Alexei Leonkow erklärte gegenüber der Zeitung Wsgljad:

"Wenn man ein gegnerisches Objekt in einer beliebigen Entfernung treffen will, geht es nicht ohne Zielerfassung und Aufklärung. Dabei helfen uns die Satelliten. Jeder weiß, dass ein Schiff auf See wie eine Nadel im Heuhaufen ist. Um ein Ziel ausfindig zu machen, müssen Sie zunächst das Feld eingrenzen, auf dem sich das feindliche Schiff befindet."

Analysten spekulieren, dass der Militärsatellit Pion-NKS, der im vergangenen Herbst in Alarmbereitschaft versetzt wurde, für eine solche Aufgabe genutzt worden sein könnte. Leonkow sagte:

"Der Aufklärungssatellit gibt dann die Koordinaten des Ziels für die Rakete an. Wenn sich die Rakete dem Ziel nähert, scannt sie den Raum, die Endaufklärung des Objekts findet statt. Ist das Ziel genau identifiziert, ändert die Rakete ihre Flugbahn und sinkt auf den maximal zulässigen Punkt für den anschließenden Angriff."

Leonkow schloss mit dem Fazit:

"Insgesamt können wir auf der Grundlage der Ergebnisse der Atlantik-Übung vorsichtig davon ausgehen, dass die Zusammenarbeit im Bereich der Weltraumaufklärung und der Seestreitkräfte funktioniert. Zu diesem Zweck wurde zwar bereits ein globales satellitengestütztes Weltraumaufklärungs- und Zielsystem geschaffen; dessen Arbeit wurde jedoch nach der Krise der 1990er-Jahre eingestellt. Jetzt muss alles wiederhergestellt werden. Jetzt kommt es darauf an, diese Systeme in ausreichender Zahl zu skalieren."

Übersetzt aus dem Russischen, zuerst erschienen bei Wsgljad.

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