Live im russischen Fernsehen: Mitarbeiterin zeigt Anti-Kriegs-Plakat

Während einer Livesendung im staatlichen russischen Fernsehen ist eine Mitarbeiterin überraschend ins Bild gesprungen. Sie hielt ein Anti-Kriegs-Plakat in der Hand und rief "Stoppt den Krieg. Nein zum Krieg". Die Übertragung wurde abgebrochen. Sie wurde zu einer Geldstrafe von umgerechnet 260 Euro verurteilt.

Am Montagabend hat eine Mitarbeiterin des Perwy Kanal während der Abendnachrichten gegen den Krieg in der Ukraine protestiert. Als die Moderatorin von westlichen Sanktionen gegen Russland sprach, schlich sie sich vor die Kamera, und rief "Stoppt den Krieg. Nein zum Krieg". Auf ihrem Plakat stand: "Glauben Sie der Propaganda nicht. Hier werden Sie belogen. Russen gegen den Krieg." Wenige Sekunden später wurde die Übertragung abgebrochen, die Zuschauer bekamen einen Bericht aus einem Krankenhaus zu sehen. Der Pressedienst des Senders kündigte Ermittlungen an.

Später wurde bekannt, dass es sich um Marina Owsjannikowa handelt, die beim Sender Perwy Kanal als Redakteurin tätig ist. Im Internet ist zudem eine Videobotschaft aufgetaucht, in der Owsjannikowa die Geschehnisse in der Ukraine kritisierte. Sie sagte, ihr Vater sei Ukrainer und ihre Mutter Russin, und sie seien nie Feinde gewesen. Was derzeit passiere, sei ein Verbrechen. Sie brachte ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass sich die beiden Völker noch versöhnen und forderte die Menschen auf, auf die Straße zu gehen:  

Wir, das russische Volk, sind denkend und clever, und es steht nur in unserer Macht, diesen Wahnsinn zu stoppen. Kommt zu Kundgebungen, habt vor nichts Angst. Sie können uns nicht alle einsperren.

Ein Fragment des Videos ging viral und bekam Zuspruch von zahlreichen Internetnutzern in Russland. Sie nannten Owsjannikowa "mutig" und eine "Heldin". Das Portal The Insider twitterte, sie seien bereit, die Redakteurin einzustellen. Der Vorfall schaffte es auf das Titelbild der britischen Zeitung The Guardian:

Mehrere Medien berichteten am Dienstagmorgen, es unklar sei, wo sich die Redakteurin derzeit aufhalte. Sie melde sich nicht, ihr Anwalt habe keinen Kontakt zu ihr. 

Laut der Nachrichtenagentur TASS wurde gegen Owsjannikowa mittlerweile eine Voruntersuchung eingeleitet. Nach einem kürzlich in Kraft getretenen Gesetz können Menschen in Russland, die die Handlungen der russischen Armee verunglimpfen, zur Verantwortung gezogen werden. 

Nachtrag: Die betreffende Mitarbeiterin des Senders Perwy Kanal ist in einem ersten Schnellverfahren zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Marina Owsjannikowa muss eine Geldstrafe von 30.000 Rubel zahlen. Das sind derzeit umgerechnet rund 235 Euro.

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