Iran: Polizei setzt Tränengas bei Anti-Regierungs-Protesten in Teheran ein

Die Polizei setzte Tränengas ein, als Demonstranten am Sonntag inmitten eines wachsenden öffentlichen Aufschreis gegen die Regierung auf die Straßen von Teheran gingen, nachdem diese eingeräumt hatte, versehentlich ein ukrainisches Passagierflugzeug abgeschossen zu haben. Dabei starben alle 176 Insassen. Zunächst hatte die Regierung mehrere Tage lang eine Verantwortung dementiert.

Am Samstag räumten die iranischen Streitkräfte ein, dass das Flugzeug "unbeabsichtigt" abgeschossen wurde, nachdem es von den iranischen Luftabwehrsystemen fälschlicherweise als Marschflugkörper identifiziert worden war.

In Teheran skandierten Studenten: "Rücktritt ist nicht genug! Strafverfolgung muss sein!" oder "Tod den Lügnern!" Es sind Sprechchöre, die sich gegen den Obersten Führer Ali Chamenei und die mächtige Revolutionsgarde richten.

Der britische Botschafter Rob Macaire war laut der Nachrichtenagentur Tasnim am Samstag für einige Stunden festgenommen worden. Er habe die Demonstranten vor der Amir-Kabir-Universität provoziert, "radikale Aktionen" durchzuführen, schrieb Tasnim. Nach "einigen Stunden" sei er wieder freigelassen worden.

Inzwischen hat sich der iranische Präsident Hassan Rohani in einem Telefongespräch offiziell bei seinem ukrainischen Kollegen Wladimir Selenskij entschuldigt. Er wandte sich auch an die Betroffenen: Im Namen der Islamischen Republik spreche er den Familien der Opfer sein tiefstes Beileid aus.

Der Flug PS752 der Ukraine International Airlines (UIA) wurde am Mittwoch Minuten nach dem Start vom Teheraner Flughafen Imam Chomeini abgeschossen und löste damit einen diplomatischen Streit aus, als westliche Staaten den Iran für den Vorfall verantwortlich machten. Die iranische Regierung leugnete den Abschuss zunächst.

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