Außenministerin Baerbock besucht Indien

Die deutsche Außenministerin ist zu Besuch in Indien. Themen sind unter anderem die Energiewende und die Durchsetzung der sogenannten regelbasierten Ordnung. Im Vorfeld kam es zu Verstimmungen – durch eine Äußerung Baerbocks zum Kaschmir-Konflikt, die Indien als Einmischung wertet.

Die Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen) besucht in diesen Tagen Indien. In Neu-Delhi trifft sie ihren indischen Amtskollegen Subrahmanyam Jaishankar. Auf ihrer Liste der zu besprechenden Themen stehen unter anderem der gemeinsame Kampf gegen den Klimawandel, aber auch Chinas Gewinn an Einfluss in der Region.

Deutschland wirbt in Indien für mehr Unabhängigkeit von China und dient zugleich Indien die Vertiefung der Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland an. Angedacht ist auch ein erleichterter Austausch im universitären Bereich, der es Studenten ermöglichen soll, im jeweils anderen Land Zugang zur Hochschulbildung zu erhalten.

Hintergrund des verstärkten Werbens von Deutschland ist einerseits, dass sich Deutschland in einem Systemwettbewerb mit China sieht und den Gewinn an Einfluss dieses Landes zurückdrängen möchte. Andererseits ist Indien eine aufstrebende Wirtschaftsmacht und damit ein interessanter Absatzmarkt für Deutschland. Besonders im Bereich Elektromobilität sieht Deutschland Möglichkeiten für eine Intensivierung der Kooperation.

Die deutsche Außenministerin möchte auch die sogenannte "regelbasierte Ordnung" zur Sprache bringen, die sie durch den Einmarsch Russlands in die Ukraine verletzt sieht. Indien hat sich bisher einer Verurteilung Russlands enthalten. Gleichzeitig unterhält das Land vor allem im Energiebereich, aber auch im Bereich militärischer Ausrüstungen enge Wirtschaftsbeziehungen zu Russland. 

Schon vor Beginn ihrer Reise überschattete eine Äußerung von Baerbock zum Kaschmir-Konflikt das deutsch-indische Verhältnis. Die Außenministerin warb bei einem Besuch des pakistanischen Außenministers in Berlin für eine Lösung des Konflikts unter Beteiligung der Vereinten Nationen und unter besonderer Mitwirkung Deutschlands. Indien reagierte darauf scharf. Das Land sieht den Kaschmir-Konflikt als eine innere Angelegenheit an und betrachtet die Äußerung Baerbocks als eine diesbezügliche Einmischung.

Auf ihrer zweitägigen Reise will Baerbock außerdem mit Vertretern der Zivilgesellschaft und von NGOs zusammentreffen. Die Lage von Frauen und Minderheiten stehe bei allen gesellschaftlichen Fortschritten Indiens regelmäßig in der Kritik, schreibt das deutsche Außenministerium dazu auf seiner Webseite.

Indien hat kürzlich von Indonesien den derzeitigen G20-Vorsitz übernommen. Gemeinsam mit China und Russland ist das Land unter anderem Mitglied der BRICS-Staaten, der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) und der Konferenz für Zusammenarbeit und vertrauensbildene Maßnahmen in Asien (CICA).

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