"Sie schneiden euch die Finger ab": Ukrainischer Kriegsgefangener über Kiews Gräuelpropaganda

Russische Soldaten würden gefangenen Ukrainern Finger und Ohren abschneiden, behauptete Kiews Militärführung gegenüber den eigenen Kämpfern. Die Realität sieht indessen wohl weniger gruselig aus. Ein ukrainischer Kriegsgefangener berichtet.

Die ukrainische Militärführung verbreitete unter ihren Soldaten Falschmeldungen darüber, dass kriegsgefangene Ukrainer von russischen Militärangehörigen angeblich gefoltert würden. Dies berichtete Alexander Lasarenko, ein in russischer Gefangenschaft befindlicher Soldat des 125. Bataillons der ukrainischen 113. Separaten Territorialverteidigungsbrigade, in einem am Donnerstag veröffentlichten Gespräch mit der Nachrichtenagentur RIA Nowosti.

Lasarenkos Verband wurde ursprünglich für den Dienst im tiefen Hinterland aufgestellt. Nachdem ein Kämpfer der Brigade beim Versuch, eine Handgranate zum Fischen einzusetzen, einen Arm verlor sowie ein weiterer in einer Konfliktsituation sein Sturmgewehr auf einen Kameraden abfeuerte, sei die gesamte Einheit im Rahmen einer Kollektivstrafe an die Front versetzt worden. Die Kämpfer des 125. Bataillons sollten Schützengräben ausheben und gerieten dabei oft unter russisches Artilleriefeuer. Nach einem solchen Angriff verloren Lasarenko und ein weiterer Soldat die Orientierung und gerieten daraufhin am 27. November in russische Kriegsgefangenschaft.

In einem von RIA Nowosti veröffentlichten Video berichtet der Gefangene:

"Uns wurde gleich gesagt: 'Sie werden euch Finger und Ohren abschneiden, also bittet gleich um eure Erschießung.' Als ich gefangen genommen wurde und mit ihnen ging, bettelte ich sie auf Knien an und sagte: 'Jungs, erschießt mich!' Sie sagten: 'Bist du verrückt?'"

Lasarenko habe sogar den russischen Soldaten angeboten, eine Flucht vorzutäuschen, um ihnen einen Vorwand zu geben, ihn zu erschießen. Nachdem er deren Reaktion durch eine charakteristische Geste gezeigt hatte, setzt er fort:

"Sie sagten: 'Warum sollten wir dich erschießen, du bist doch unbewaffnet, alles wird gut.'"

Als er seine heilen Hände zeigt, erklärt er:

"Man hat uns einfach eingeschüchtert, dass man uns in Gefangenschaft die Finger abschneiden werde, aber die Jungs haben mir Wasser, Dosenfleisch und Tee gegeben."

Vor dem Hintergrund unbestätigter Meldungen über Misshandlungen von Kriegsgefangenen durch russische Militärangehörige waren bereits zahlreiche Fälle von Folter und Mord an russischen Gefangenen durch Kiews Militär dokumentiert worden.

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