NS-Raubkunst: Großbritannien prüft Rückgabe eines Gemäldes

Eine Courbet-Landschaft im Fitzwilliam-Museum in Cambridge wurde wahrscheinlich im von den Nazis besetzten Frankreich für die Sammlung Hermann Görings geraubt. Nun prüft das Museum die Rückgabe des Gemäldes – ein entsprechender Antrag wurde bereits eingereicht.

Wie die Zeitung The Art Newspaper berichtet, sei ein stimmungsvolles Landschaftsgemälde von Gustave Courbet, das sich derzeit im Fitzwilliam-Museum in Cambridge befindet, wahrscheinlich von den Nazis im besetzten Frankreich geraubt worden. Das bestätige die Tatsache, dass das Museum kürzlich einen Antrag auf Rückgabe des Werks beim Spoliation Advisory Panel eingereicht habe. Die Organisation berät die britische Regierung bei Ansprüchen auf Kulturgüter, die während der NS-Zeit geraubt wurden.

Das Gemälde Courbets unter dem Titel "Tanzende Kinder: Unter den Bäumen von Port-Berteau" ("La Ronde Enfantine") zeigt eine Gruppe im Wald tanzender Kinder, die von der Sonne angestrahlt werden. Das Bild sei dem Museum im Jahr 1951 geschenkt worden, so The Art Newspaper. Möglicherweise aber sei das Landschaftsgemälde von Hitlers Stellvertreter Hermann Göring nach einem Bildertausch mit Außenminister Joachim von Ribbentrop als Raubkunst erworben worden. Ribbentrop galt als einer der wichtigsten Nazi-Sammler von Beutekunst – er hatte eine Vorliebe für französische Malerei des 19. Jahrhunderts und besaß eine Reihe von Courbets Werken, so The Art Newspaper. Die Kuratoren des Museums gehen davon aus, dass das Gemälde "möglicherweise während des Zweiten Weltkriegs in Paris von Nazi-Agenten beschlagnahmt wurde".

Als das Gemälde dem britischen Museum im Jahr 1951 geschenkt wurde, hätte es gewaltige Lücken bei der Provenienz gegeben, berichtet The Art Newspaper. Das Fitzwilliam-Museum wusste beispielsweise bis vor Kurzem überhaupt nicht, was mit dem Gemälde während der Nazi-Zeit in den Jahren 1933-45 geschehen ist. Den Untersuchungen des Museums zufolge hätte sich das Bild nach dem Krieg im Besitz des Züricher Händlers Kurt Meissner befunden, schreibt die Zeitung. Meissner hätte es dann im Jahr 1951 an den Londoner Händler Arthur Tooth verkauft. Dann sei das Bild in die Sammlung von Eric Milner-White, dem Dekan von York, gelangt. Milner-White wiederum hätte "La Ronde Enfantine" später im Jahr 1951 dem britischen Museum geschenkt.

Eine Spur zur Herkunft des Gemäldes konnte mit Hilfe des Berichts der US-Armee aus dem Jahr 1945 gefunden werden: In dem Papier über von den deutschen Besatzern in Frankreich enteignete Kunstwerke tauche ein Bild auf, das sowohl von der Beschreibung als auch von den Abmessungen dem Courbets Gemälde identisch sei. In diesem Bericht sei auch festgehalten, dass das Gemälde vom Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg beschlagnahmt und dann von Göring für seine persönliche Sammlung ausgewählt worden war. Sie sei höchstwahrscheinlich einem jüdischen Besitzer in Frankreich entzogen worden, meldet The Art Newspaper.

Nun soll die Provenienz des Gemäldes vom Beratungsausschuss für Enteignungen der britischen Regierung geprüft werden – dann wird entschieden, ob das Werk von Courbet an den noch nicht benannten Antragsteller zurückgegeben werden soll.

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