Deutsche Welle: Gefahr, dass den ukrainischen Streitkräften die Munition ausgeht

Die Deutsche Welle hat am Mittwoch berichtet, dass der ukrainischen Armee die Munitionsbestände ausgehen. Diese würden nur noch für eine Woche Kampfhandlungen mittlerer Intensität reichen. Dabei stellte der Westen in den letzten Jahren große Geldmengen für die Aufrüstung der Ukraine bereit. Wo ist dieses Geld hin?

von Maria Müller

Die Deutsche Welle (DW) veröffentlichte am 2. März eine mit zahlreichen Interviews und Quellen belegte kritische Analyse der aktuellen Situation in der Ukraine (DW-Autor: Robert Mudge). Demnach sei eines der Hauptprobleme der ukrainischen Armee der Nachschub an Waffen und Munition.

Nach einer Woche kleinerer bis moderater Gefechte soll der Bestand an Munition der ukrainischen Streitkräfte laut dem deutschen Staatssender DW nur noch etwa eine Woche reichen. Im gleichen Artikel wird berichtet, dass die US-Militärhilfe seit 2014 mehr als 2,5 Milliarden Dollar betrug. Darin enthalten ist eine Summe von einer Milliarde, die die USA im Verlauf des Jahres 2021 bis heute an Kiew überwiesen haben. Weiter schreibt die DW:

"Die Munition für die schweren Waffen der Ukrainer reicht vielleicht noch für fünf Tage. Sie könnten dann noch erbeutete russische Waffen einsetzen. Aber damit können sie nicht sehr lange überleben."

Man muss sich fragen, wo die US-Dollars für die Waffenkäufe eigentlich hingingen. Doch auch Euros werden jetzt in großem Umfang gespendet oder geliehen.

"Die Europäische Union hat 450 Millionen Euro als direkte Militärhilfe an die Ukraine freigegeben: für Luftabwehrsysteme, Panzerfäuste, Munition und andere militärische Ausrüstung. Weitere 50 Millionen Euro sind für andere Dinge wie Treibstoff und Schutzausrüstung vorgesehen", wird weiter berichtet.

Insgesamt erhielt Kiew bis jetzt also damit Geldmittel im  Wert von etwa drei Milliarden Euro.

Sind diese Unsummen auch wirklich dort angekommen, wo sie verwendet werden sollten? Die Ukraine ist für ihre ausgedehnte Korruptionslandschaft berüchtigt. Dies ist auch eines der Hindernisse für einen Beitritt zur EU. Ein offizieller Beleg dafür sind die Äußerungen des EU-Außenbeauftragte Josep Borrell am 22. September 2020 bei einem Besuch in Kiew:

"Der Westen wird die Ukraine nur unterstützen, wenn sie den Rechtsstaat stärkt",  

sagte er bei dieser Gelegenheit. Es sei fraglich, ob unter den gegenwärtigen staatlichen Umständen 200.000 Euro an Hilfsgeldern wegen der Corona-Pandemie – und eine Kreditsumme von 1,2 Milliarden Euro gewährt würden. Heute sind diese Sorgen vergessen.

Logistische Probleme für die Waffenlieferungen der NATO

Der österreichische Politikwissenschaftler Gustav Gressel ist Spezialist für Osteuropa- und Verteidigungspolitik beim "European Council on Foreign Relations" in Berlin. Er verweist auf logistische  Probleme beim Transport der NATO-Waffen in die Ukraine. Bisher sei die Militärhilfe aus dem Westen je nach Waffentyp auf dem Land- oder Luftweg geliefert worden. Doch inzwischen würden russische Kampfflugzeuge den Luftraum kontrollieren und mögliche Transportwege zu Boden oder in der Luft  blockieren können.

Wie bekannt, hat Russland diese Option bisher noch nicht genutzt, denn sie birgt Gefahren einer weiteren militärischen Eskalation in sich. Womöglich würde ein Angriff auf solche Waffenkonvois als direkte Kriegshandlung gegen westliche Länder verstanden werden. Dann könnte sich die "Dynamik des Krieges" sehr schnell ändern, sagt Marc Finaud. Er ist Leiter des Bereichs Waffenhandel der Genfer Stiftung "Zentrum für Sicherheitspolitik".  

Ed Arnold, ein britischer Experte für europäische Sicherheitspolitik, äußerte sich gegenüber der DW, dass er überrascht sei. Denn die Streitkräfte der russischen Föderation haben die beiden möglichen Lieferrouten für NATO-Waffen bislang noch nicht abgeschnitten.  Sie könnten vom Südwesten Weißrusslands aus die von Polen kommenden Militärausrüstungen relativ schnell blockieren. Die gesamten Waffenlieferungen des Westens würden derzeit an der polnischen Grenze angehäuft.

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