Ukraine-Krieg: Deutschland liefert Kiew Schützenpanzer Marder und Flugabwehrraketensystem Patriot

Seit Beginn der militärischen Sonderoperation Russlands hatte die Ukraine von westlichen Verbündeten immer wieder um Kampf- und Schützenpanzer gefordert. Entgegen früheren Bedenken im Westen kommen nun doch Zusagen: Nach Frankreichs Vorstoß sagte Deutschland nun Kiew Schützenpanzer vom Typ "Marder" zu, die USA wollen das Modell "Bradley" liefern.

Deutschland wird der Ukraine entgegen früheren Bedenken nun doch Schützenpanzer vom Typ "Marder" sowie ein Flugabwehrraketensystem "Patriot" liefern. Das gab die Bundesregierung am Donnerstag nach einem Telefonat zwischen dem Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und dem US-Präsidenten Joe Biden bekannt. Die beiden Regierungschefs hätten sich demnach gemeinsam auf den zuvor lange umstrittenen Schritt verständigt. Die USA wollen der Regierung in Kiew den Angaben zufolge zudem leichte Schützenpanzer vom Typ "Bradley" und selbst weitere Patriot-Systeme zur Verfügung stellen.

Während einer Kabinettssitzung im Weißen Haus hatte der US-Präsident zuvor bereits erklärt, dass die USA und ihre Alliierten "die Unterstützung für die Ukraine" angesichts der neusten Entwicklungen in dem Krieg nun weiter verstärken werden. Damit vollzieht der Westen eine Kehrtwende in seiner bisher öffentlichen verkündeten Strategie. Zwar hatte die Ukraine seit Monaten immer wieder solche Waffensysteme gefordert. Im Westen wurden diese Bitten bisher allerdings immer gern mit dem Verweis darauf abgewiesen, dass noch kein anderes NATO-Land solche Panzer in die Ukraine geschickt hätte.

Am Mittwoch hatte Frankreich nun jedoch als erstes NATO-Land bekannt gegeben, veraltete Spähpanzer vom Typ AMX-10 RC an die Ukraine liefern zu wollen. Deshalb werden nun auch Deutschland und die USA der Ukraine die genannten Kampfsysteme entgegen früheren Verlautbarungen zur Verfügung stellen und kündigten auch bereits an, die ukrainischen Streitkräfte an den Panzern dafür ausbilden zu wollen. Es handelt sich bei den zugesagten Kampffahrzeugen um die ersten Schützenpanzer westlicher Bauart. Bisher waren von osteuropäischen NATO-Staaten im Rahmen von Ringtausch-Aktionen nur Modelle früherer, sowjetischer Kampfpanzer in das Kriegsgebiet geliefert worden. Allerdings erhielt Kiew zuvor bereits auch schon Flugabwehr-, Transport- oder Bergepanzer aus dem Westen.

Wie viele Marder-Panzer Deutschland exakt an die Ukraine liefern will, geht aus der Pressemitteilung nicht hervor. Es wird aber über mehrere Dutzend gemutmaßt, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet. Zunächst werden von Deutschland ältere "Marder" aus Industriebeständen an die Ukraine geliefert, die einsatztauglich gemacht werden sollen. Bereits im Sommer hatte der Rüstungskonzern Rheinmetall der Bundesregierung 100 Marder-Schützenpanzer für die Ukraine in Aussicht gestellt. Inzwischen sind 40 davon jedoch für Griechenland bestimmt, das dafür Schützenpanzer sowjetischer Bauart in die Ukraine liefert. Angesichts dessen zieht die Bundesregierung für die Ukraine nun auch Exemplare aus Bundeswehr-Beständen in Betracht, die in den Folgemonaten dann durch Schützenpanzer aus der laufenden Instandsetzung ersetzt werden können. 

Der russische Botschafter in Washington, D.C. Anatoli Antonow äußerte seine Enttäuschung über die Entscheidung der NATO-Verbündeten. Gleichzeitig warf er ihnen einen mangelnden Willen zur Beilegung des bereits fast ein Jahr andauernden Konflikts vor. Alle jüngsten US-Aktionen zeigten direkt, dass man in Washington keinen Wunsch für eine politische Lösung in der Ukraine habe, bemängelte Antonow laut einem Bericht der russischen Nachrichtenagentur TASS. Er fügte hinzu: 

"Es sollte kein Zweifel daran bestehen, wer für die Verlängerung des jüngsten Konflikts verantwortlich ist."

Der Botschafter kritisierte außerdem, dass die nun für Kiew bestimmten Waffen entgegen allen früheren Behauptungen keinen rein "defensiven Charakter" haben. Vielmehr bestätige die Entscheidung der US-Regierung, solche Bradley-Schützenpanzer an Kiew zu liefern, "dass die Vereinigten Staaten nicht auf die wiederholten Forderungen der russischen Seite gehört hätten, die mögliche Auswirkung eines solch gefährlichen Kurses Washingtons in Betracht zu ziehen", begründete Antonow seine Enttäuschung.

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