Özdemir: Ohne Gas aus Russland drohen Lieferengpässe und weitere Preissteigerungen bei Lebensmitteln

Bundeslandwirtschaftsminister Özdemir erwartet, dass es ohne Gas aus Russland Lieferengpässe bei Lebensmitteln geben könnte. Wie auch in anderen Bereichen sind viele Unternehmen der Agrar- und Ernährungswirtschaft zwingend auf die Versorgung mit Gas angewiesen.

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir erwartet offenbar weitere Lieferengpässe und Preissteigerungen bei einigen Lebensmitteln, sollte Deutschland kein Gas mehr aus Russland beziehen oder Russland die Lieferungen doch noch stoppen. Das geht aus einer Antwort des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) auf eine Anfrage der Unionsfraktion hervor.

"Viele Unternehmen der Agrar- und Ernährungswirtschaft sind zwingend auf die Versorgung mit Gas angewiesen, um Lebensmittel beziehungsweise Futtermittel herstellen zu können", heißt es darin. "Bei einem Lieferstopp der Erdgaslieferungen aus Russland ist mit weiteren Preissteigerungen sowie Engpässen in der Versorgung bei einzelnen Lebensmitteln zu rechnen."

Betroffen seien demnach unter anderem Lebensmittelhersteller wie Bäckereien, Molkereien oder Schlachthöfe sowie Futtermittelhersteller.

Insgesamt sei die Versorgung mit Lebensmitteln in Deutschland derzeit gesichert, so die beruhigend klingende Aussage des Landwirtschaftsministeriums.

Dabei sind die Erzeugerpreise unter anderem für Agrarprodukte bereits extrem gestiegen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts kosteten Nahrungsmittel im April 8,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Speiseöle verteuerten sich im April EU-weit um 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, Fleisch um über neun Prozent, Gemüse wurde im Schnitt 10,7 Prozent teurer, ebenso wie Getreideerzeugnisse.

Eine Ursache sei der Ukraine-Krieg und die im Zusammenhang verhängten Sanktionen gegen Russland, einem führenden Exporteur von Getreide, Rohstoffen und Energie. Außerdem haben mehrere Beobachter und Politiker auf die Spekulationen mit Grundnahrungsmitteln als eine unbedingt zu beschränkende Ursache für die Verteuerungen hingewiesen.

Immerhin könne die Gesamtversorgung mit Gas laut dem Papier voraussichtlich "bis Ende des Sommers beziehungsweise Anfang des Herbstes 2022 bei einem kurzfristigen und längeren Ausfall aller russischen Gasimporte physisch sichergestellt werden". Allerdings setze diese Prognose eine maximale Auslastung der europäischen Flüssiggas-Terminals voraus. Wobei nicht weiter erläutert wird, ob dies die in Deutschland noch nicht existierenden Terminals einschließt sowie eine "Gesamtsystemstabilität und keine Versorgungsengpässe oder schweren Gasmangellagen in EU-Nachbarstaaten" voraussetzt.

Laut dem Ministerium wären von einer Gasmangellage "überwiegend Zierpflanzen- und Gemüsebau-Unterglasbetriebe betroffen". Dies könne aber durch Lieferungen aus anderen EU-Ländern ausgeglichen werden. Preissteigerungen besonders für diese Gemüse seien aber zu erwarten.

Im Falle einer Gasmangellage durch den Krieg in der Ukraine greife in Deutschland der von Wirtschaftsminister Habeck ausgerufene Notfallplan Gas. Das BMEL arbeite eng mit dem Bundeswirtschaftsministerium zusammen, um sicherzustellen, dass sich die Bundesnetzagentur rechtzeitig mit der besonderen Bedeutung der Kritischen Infrastruktur für die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung auseinandersetzt. Inzwischen haben Industriebetriebe bereits angedeutet, dass sie selbst eine andere Wahrnehmung ihrer Systemrelevanz haben, als der Notfallplan vorsieht.

Mehr zum Thema - Inflationshoch: Politikwissenschaftler warnt vor Verelendung der Armen