"Lähmender Konsens" in Corona-Berichterstattung – Redakteur aus ARD-Sender über verlorene Standards

Mit deutlicher Kritik an der öffentlich-rechtlichen Berichterstattung zur COVID-19-Pandemie und der damit verbundenen Politik ist ein SWR-Redakteur an die Öffentlichkeit gegangen. Er beklagt Einseitigkeit und den Ausschluss alternativer Sichten. Er warnt, die Sender beteiligten sich an der Spaltung der Gesellschaft.

"Ich kann nicht mehr schweigen. Ich kann nicht mehr wortlos hinnehmen, was seit nunmehr anderthalb Jahren bei meinem Arbeitgeber, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk passiert." Mit diesen Worten beginnt ein Offener Brief von Ole Skambraks, Redakteur der ARD beim Südwestrundfunk (SWR), in dem er sich kritisch zur Corona-Berichterstattung äußert. Veröffentlicht wurde der Text vom Online-Magazin Multipolar.

Skambraks wirft den öffentlich-rechtlichen Sendern in der Bundesrepublik vor, das Gegenteil von dem zu praktizieren, was in deren Statuten und den zugrundeliegenden Medienstaatsverträgen über ihre Aufgaben steht. Dort werden hohe Ansprüche wie "Ausgewogenheit", "gesellschaftlicher Zusammenhalt" und "Diversität" an die eigene Berichterstattung gestellt. Der SWR-Redakteur belegt seine Kritik mit zahlreichen Beispielen aus der öffentlich-rechtlichen Berichterstattung über die am 11. März 2020 von der Weltgesundheitsorganisation WHO ausgerufenen COVID-19-Pandemie.

"Ich war von Anfang an der Ansicht, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk genau diesen Raum füllen sollte: den Dialog fördern zwischen Maßnahmenbefürwortern und Kritikerinnen, zwischen Menschen, die Angst haben vor dem Virus, und Menschen, die Angst haben, ihre Grundrechte zu verlieren, zwischen Impfbefürworterinnen und Impfskeptikern."

Doch das Gegenteil sei geschehen, bedauert Skambraks. Er verweist auf die Wissenschaftler und Experten, die bis Anfang 2020 respektiert und angesehen waren. Die nun aber ausgegrenzt und diffamiert werden. Sie seien "plötzlich Spinner, Aluhutträger oder COVIDioten", so der Redakteur, der auf das Beispiel von Wolfgang Wodarg verweist. An die Stelle der kompetenten Experten seien "sogenannte Faktenchecker getreten", die Wodarg und andere diskreditieren.

"Lähmender Konsens"

Skambraks beklagt einen "lähmenden Konsens" in den öffentlich-rechtlichen Redaktionen: "Anstelle eines offenen Meinungsaustausches wurde ein 'wissenschaftlicher Konsens' proklamiert, den es zu verteidigen gilt." Wer diesen anzweifelt und eine multidimensionale Perspektive auf die Pandemie einfordert, ernte Empörung und Häme. Er beruft sich auf das, was er beobachtete und analysierte. Sein Urteil ist klar und deutlich:

"Das Ergebnis von anderthalb Jahren Corona ist eine Spaltung der Gesellschaft, die ihresgleichen sucht. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat daran großen Anteil. Seiner Verantwortung, Brücken zwischen den Lagern zu bauen und Austausch zu fördern, kommt er immer seltener nach."

Der Redakteur widerspricht dem Argument, dass die Kritiker der offiziellen Linie beim Thema COVID-19-Thema nur "eine kleine, nicht beachtenswerte Minderheit darstellen". Dem stehe unter anderem entgegen, dass bei dem Referendum in der Schweiz über die Corona-Maßnahmen im Juni dieses Jahres nur 60 Prozent für die Regierungspolitik stimmten. Skambraks fragt in seinem Offenen Brief: "Kann man bei 40 % der abgegebenen Stimmen von einer kleinen Minderheit sprechen?"

Er bezeichnet es als aufschlussreich, was im öffentlich-rechtlichen Rundfunk unerwähnt bleibt. Die Gründe dafür seien "vielfältig und bedürfen einer ehrlichen internen Analyse". Der Redakteur sagt, was er beobachtete: "Schon sehr früh galt die Gleichung, dass Kritik am Corona-Kurs der Regierung dem rechten Spektrum angehört." Das habe nachdenkliche und kritische Journalisten abgeschreckt.

Fehlende Sichten

Skambraks führt eine lange Liste von offenen Fragen zum Thema der gegenwärtigen Pandemie, "die keine substanzielle Berichterstattung bekommen haben". Das reicht von der kaum thematisierten "gain of function research" (das ist jene Forschung, wodurch Viren für den Menschen gefährlicher werden könnten) und durch das Infektionsschutzgesetz eingeschränkte Grundrechte über kaum berichtete Studien unter anderem von John Ioannidis bis hin zu fehlenden Analysen zu verschiedenen Impfnebenwirkungen.

Der SWR-Redakteur geht in seinem Offenen Brief auf einige der Themen ausführlicher ein. Dazu gehören die Frage der Gain-of-function-Forschung und die Suche nach dem unklaren Ursprung des Virus SARS-CoV-2, das laut WHO die Krankheit COVID-19 auslöst. Ebenso fragt er nach Alternativen zu den Stoffen, die Menschen per Spritze verabreicht werden, um sie angeblich gegen COVID-19 zu schützen.

"Der von Politik und Medien propagierte Weg aus der Pandemie entpuppt sich als Dauerimpfabonnement", stellt er fest. Und: "Wissenschaftlerinnen, die einen anderen Umgang mit Corona fordern, bekommen immer noch keine adäquate Bühne bei den öffentlich-rechtlichen Medien, wie die zum Teil diffamierende Berichterstattung zur Aktion #allesaufdentisch wieder gezeigt hat."

Anstatt mit den Beteiligten über die Inhalte der Videos zu diskutieren, seien Experten gesucht und befragt worden, die die Kampagne diskreditieren. "Damit begehen die Öffentlich-Rechtlichen genau den Fehler, den sie #allesaufdentisch vorwerfen." In den Beiträgen der ARD-Sender werde "die andere Seite" zwar vereinzelt erwähnt.

Doch sie bekomme nur "sehr selten Gesicht in der Form, dass tatsächlich mit den Menschen gesprochen wird, die kritische Standpunkte einnehmen". Meist werde sie dagegen infrage gestellt und diffamiert, wie er an verschiedenen Beispielen zeigt.

"Blinder Fleck"

Der SWR-Redakteur schreibt: "Lange Zeit konnte ich mit Stolz und Freude sagen, dass ich beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk arbeite." Das habe sich mit der COVID-19-Pandemie verändert: "Plötzlich nehme ich einen Tunnelblick und Scheuklappen wahr und einen vermeintlichen Konsens, der nicht mehr hinterfragt wird."

Es sei "der blinde Fleck, der in unseren Köpfen eingekehrt ist, der keine wahrhaftige Auseinandersetzung mehr zulässt. Wir werfen uns scheinbare Fakten um die Ohren, aber können uns nicht mehr zuhören. Verachtung tritt an die Stelle von Verständnis, das Bekämpfen der anderen Meinung ersetzt Toleranz."

Skambraks bedauert, dass die Grundwerte der Gesellschaft "hoppladihopp über Bord geworfen" werden. Er plädiert für Kooperation statt Streit angesichts der Veränderungen in der Welt. Und er fügt hinzu:

"Für unsere geistige Gesundheit täten wir gut daran, den Debattenraum zu öffnen – in Achtsamkeit, Respekt und Verständnis für unterschiedliche Perspektiven."

Am Ende seines Offenen Briefes schreibt Skambraks, er komme sich "vor wie ein Ketzer; jemand, der Hochverrat begeht und mit Strafe rechnen muss". Und doch hoffe er: "Vielleicht ist es gar nicht so. Vielleicht riskiere ich hiermit gar nicht meinen Job, und Meinungsfreiheit und Pluralismus sind nicht gefährdet. Ich wünsche es mir sehr und freue mich über einen konstruktiven Austausch mit Kolleginnen und Kollegen."

Für die "Faktenchecker" und für "Menschen, die an einer Multiperspektive interessiert sind" hat er noch eine Liste mit den Gegenpositionen zu den im Text besprochenen Punkten angefügt.

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