Mehr Notrufe im Giftinformationszentrum: Kinder trinken versehentlich Desinfektionsmittel

Während der Corona-Krise kam es zu deutlich mehr Notrufen, weil Menschen sich im Haushalt mit Desinfektions- und Reinigungsmitteln vergifteten. Hauptsächlich kamen die Hilferufe von Eltern, deren Kinder versehentlich Desinfektionsmittel getrunken hatten.

Während der Corona-Krise hat sich die Gefahr, dass sich Menschen durch Desinfektionsmittel im Haushalt verletzten, deutlich erhöht. Das Giftinformationszentrum in Erfurt erreichten in diesem Jahr knapp 600 Anrufe dazu. Wie die Leiter des Giftnotrufs, Dagmar Prasa, der dpa mitteilte, seien dies ein Drittel mehr Anrufe gewesen als in den Jahren zuvor. Das Giftnotrufzentrum wird von den Bundesländern Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern gemeinsam betrieben, erfasst aber auch Notrufe aus anderen Bundesländern.

Wie Prasa erklärte, seien es hauptsächlich Anrufe von Eltern gewesen, deren Kinder versehentlich Desinfektionsmittel getrunken hätten oder denen aus dem Spender etwas ins Auge gespritzt sei. Es gebe aber auch Erwachsene, die versehentlich in Wasserflaschen umgefülltes Desinfektionsmittel getrunken hatten. In Sachsen gab es aber auch einen Fall, bei dem ein Mann mit Erkältungssymptomen aus Angst vor einer SARS-CoV-2-Erkrankung absichtlich einen Schluck Desinfektionsmittel genommen habe. Dabei sei aber zum Glück nichts weiter passiert.

Mittel für die Desinfektion der Hände enthalten in der Regel hochkonzentrierten Alkohol wie Ethanol und Isopropanol. In einigen sind laut dem Giftinformationszentrum auch Chlor freisetzende Substanzen enthalten. Diese Mittel reizen den Magen-Darmtrakt und können zu Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall führen. Gefährlicher seien demnach Konzentrate, die auch ätzend wirken können. In etwa 18 Prozent der Fälle empfahlen die beratenden Ärzte und Apotheker des Giftnotrufs eine Überwachung und Behandlung in der Klinik. In 44 Prozent der Fälle rieten sie zunächst zu einer häuslichen Beobachtung und empfahlen, sich nur beim Auftreten von Symptomen einen Arzt oder eine Klinik aufzusuchen.

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(rt/dpa)