Je beknackter, desto erfolgreicher: User nehmen Posts von satirischer US-Facebook-Seite ernst

"Allah" bedeutet "Gehirnkontrolle" auf Latein, und der "erste Weihnachtsbaum" ist "212 Jahre älter als Allah" – eine satirische Facebook-Seite in den USA macht sich über die neue Rechte in den USA lustig. Doch die nimmt die irren Posts offenbar für bare Münze.

Eine Facebook-Seite in den USA sorgt für Belustigung –aber auch für Ärger, je nachdem, auf welcher Seite des politischen Spektrums der USA man sich verortet. Die Satire-Seite des 46-jährigen Christopher Blair erfindet Geschichten. Gegründet wurde die Seite während des US-Präsidentschaftswahlkampfs und war zunächst als ein Witz unter Freunden gedacht, wie die Washington Post berichtet.

Blair selbst ist Anhänger der Demokraten. Die Facebook-Seite sollte sich ursprünglich über extreme Ansichten lustig machen, die unter der "Neuen Rechten" in den USA verbreitet sind. Um sich auf diese Zielgruppe "einzuschießen", posteten er und seine Kumpel Beiträge, die "Hassobjekte" der Rechten, zum Beispiel Bill und Hillary Clinton sowie Barack Obama, auf total abgedrehte Weise diffamieren oder Flüchtlinge und den Islam verunglimpfen.

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Doch der eigentliche Gag ist etwas anderes: Zwar steht auf der Facebook-Seite "Nichts auf dieser Seite ist echt" – doch viele scheinen das nicht verstanden zu haben. Die Beiträge werden munter geteilt und erreichen laut der Washington Post bis zu sechs Millionen Menschen. Mehr als 217.000 Usern gefällt die Facebook-Seite, die Beiträge werden bis zu 2.000 Mal geteilt und 20- bis 200-fach kommentiert.

Vor allem in rechten Kreisen erfreut sich die Seite größter Beliebtheit: Sie wurde laut Washington Post eine der populärsten unter über 55-jährigen konservativen Trump-Unterstützern. Der Gründer kann es selbst kaum glauben: "Je extremer wir werden, desto mehr Leute glauben es", so Blair gegenüber der Washington Post. "Ich kann die absolute Absurdität nicht mehr kontrollieren." Es sei völlig egal, wie abgedreht und offensichtlich falsch die Beiträge seien, sie würden dennoch geliket, geteilt und kommentiert.

Eine Gruppe von 100 Personen, die von Blair aufgebaut wurden, durchkämmt die Kommentarspalten zu den Fake-Beiträgen. Stoßen sie dabei auf beleidigende, hetzerische Kommentare, werden diese Facebook – und auch den Arbeitgebern der Kommentatoren – gemeldet, so die Washington Post.

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