Am Mittwoch hat das UN-Flüchtlingshilfswerk in Genf seine vorläufige Jahresstatistik zu Vertriebenen bekanntgegeben. Demnach waren Mitte dieses Jahres mehr Menschen auf der ganzen Welt aus ihrer Heimat vertrieben als je zuvor. Die Organisation schätzte die Zahl auf mehr als 80 Millionen, obwohl 168 Länder weltweit im April wegen der COVID-19-Pandemie ihre Grenzen auch für Asylsuchende ganz oder teilweise geschlossen hatten.
Wie das UNHCR ferner mitteilte, hätten nur rund 800.000 Menschen bis Ende Juni in ihre Heimat zurückkehren können. Nur 17.400 Menschen hätten in der ersten Jahreshälfte eine neue permanente Heimat in einem Aufnahmeland gefunden, halb so viele wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Grund hierfür ist auch die Pandemie: Von März bis Juni waren solche Umsiedlungen wegen der weltweiten Reisebeschränkungen ausgesetzt.
Zudem setzten sich Konflikte, Unruhen und Gewalt fort, wodurch im Kongo, in Syrien, in der Sahel-Region in Afrika sowie in Mosambik, Somalia und im Jemen weiterhin Menschen vertrieben wurden. Allein im Kongo seien wegen der Unruhen in der Provinz Ituri Ende Juni mehr als 660.000 Menschen vertrieben gewesen. In Syrien hätten mehr als 580.000 Menschen erneut vor Kämpfen in der Region um Idlib fliehen müssen, so das UNHCR.
Ende letzten Jahres waren nach UNHCR-Schätzungen weltweit 79,5 Millionen Menschen vertrieben, 57 Prozent von ihnen im eigenen Land. Filippo Grandi, UN-Flüchtlingshochkommissar, sagte, dass sich die Zahl der gewaltsam Vertriebenen in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt habe. Der internationalen Gemeinschaft gelinge es nicht, Frieden zu wahren, so Grandi.
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(rt/dpa)