An der Grenze zur Türkei will die griechische Polizei offenbar Schallkanonen einsetzen. Bisher gibt es keinen Bericht über eine tatsächliche Nutzung. Die EU-Kommission erwartet jedoch Auskunft von Griechenland. Kommissionssprecher Adalbert Jahnz sagte vergangene Woche, man habe die Installation der Technik "mit Besorgnis zur Kenntnis genommen", wie das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) berichtet.
Eine Schallkanone ist etwa so groß wie ein Fernsehgerät. Sie wird auf Fahrzeugen installiert und kann in verschiedene Richtungen gewendet werden. Mit einem schrillen Signal können Menschen beschossen und getroffen werden. Es ruft Schmerzen und wahrscheinlich bleibende Schäden hervor. Der Schalldruck kann 150 Dezibel betragen; das entspricht dem Lärmpegel eines Kampfflugzeuges in 30 Metern Entfernung.
Griechenlands Grenzschützer hatten im März 2020 mit Wasserwerfern und Tränengas versucht, große Gruppen von Migranten abzuschrecken. Diese waren damals in der Türkei mit Bussen an die Grenze gebracht worden. Mittlerweile werden die Abschnitte mit hohen Zäunen, Drohnen und Wärmebildkameras überwacht.
Die als Long Range Acoustic Device bezeichnete Schallkanonen-Technik wurde bereits von der US-Armee im Irakkrieg eingesetzt. Schiffe versuchen damit, Piraten abzuschrecken, wie RND weiter berichtet. Auch die Polizei in den USA hat Schallkanonen bereits mehrfach gegen Demonstranten eingesetzt. Nachdem sie zur Zahlung von Schmerzensgeldern verurteilt wurde, verpflichtete sich die New Yorker Polizei vor zwei Monaten, künftig auf den Einsatz von Schallkanonen zu verzichten.
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