Warschau: Demonstranten ketten sich an Bildungsministerium und blockieren Brücke

In Warschau kam es zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und Demonstranten. Diese hatten sich aus Protest gegen eine Verschärfung des Abtreibungsrechts an die Tore des Ministeriums für Nationale Bildung gekettet. Andere errichteten auf einer Brücke eine Straßensperre.

In den vergangenen Wochen kam es in Polen wiederholt zu gewalttätigen Protesten gegen das Urteil des polnischen Verfassungsgerichtshofs vom Oktober, wonach die Abtreibung von Föten auch mit schweren Missbildungen verfassungswidrig sei.

Am Montag räumte die Polizei mit einem Abschleppwagen Autos von der Łazienkowski-Brücke in der polnischen Hauptstadt, nachdem sie im Rahmen einer von der nationalen Frauenstreikbewegung (Strajk Kobiet) organisierten Blockade dort abgestellt worden waren.

Vor dem Ministerium für Nationale Bildung hielten Demonstranten ein Transparent mit der Aufschrift "Freie Abtreibung, freie Bildung" und skandierten Berichten zufolge "Schulen frei von Faschismus".

Eine Person benötigte medizinische Hilfe, nachdem sie ihre Hand mit Sekundenkleber am Eingang des Gebäudes festgeklebt hatte, so ein Sprecher der Warschauer Polizei.

In einer Polizeierklärung hieß es auch, dass für eine weitere Person ein Krankenwagen gerufen wurde, die sich an den Gittern eines Polizeiautofensters in die Hand geschnitten haben soll.

Nach Angaben von Szpila, einer "Anti-Repressions"-Gruppe, wurden vier Demonstranten von der Polizei festgenommen. 

Die Beamten bestätigten nicht, wie viele Verhaftungen während der Proteste am Montag vorgenommen worden waren, teilten aber mit, dass alle Festgenommenen wieder freigelassen wurden.

Die Journalistin Agata Grzybowska, die für Gazeta Wyborcza und Associated Press arbeitet, wurde Berichten zufolge verhaftet, nachdem sie sich nicht ausweisen konnte. In den sozialen Medien wurden Videos veröffentlicht, die zeigen, wie sie in einen Polizeiwagen gesetzt wurde.

Später versammelten sich Demonstranten auf der Straße vor der Polizeistation, auf der Grzybowska vermutlich festgehalten wurde, und forderten die Freilassung von Gefangenen.

Ein Polizeiauto soll im Einsatz gegen die Demonstranten beschädigt worden sein, so ein Sprecher der Polizei. Dieser dementierte jedoch Berichte, wonach ein Fahrzeug mit einem Demonstranten zusammengestoßen sei.

Die Proteste vom Montag folgen auf eine Großdemonstration in der polnischen Hauptstadt Ende Oktober, an der Zehntausende Menschen teilnahmen. In dem Land galt bereits vor dem Urteil eines der strengsten Abtreibungsgesetze Europas.

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