Eskalation der Proteste im Irak – Polizei setzt scharfe Munition ein

Eine genaue Zahl der Opfer, die durch Scharfschützen ums Leben gekommen sind, gibt es bisher nicht. Mindestens 270 sollen es sein. Nach Zeugenaussagen bedient sich die Polizei nun auch scharfer Munition. Amnesty International kritisiert zudem den Einsatz von Tränengasgranaten.

Irakische Behörden schalteten angesichts der neuen Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften in Bagdad das Internet ab. Bereits am 3. Oktober hatte die Regierung den Internetzugang in der Hauptstadt für zwei Wochen unterbrochen. Seit dem 1. Oktober wird im Irak protestiert. Es sind besonders die Sunniten und die Kurden, die ihr Vertrauen in die mehrheitlich schiitische Regierung verloren haben.

Die Proteste begannen im Zentrum und in den südlichen Provinzen des Irak. Die irakische Regierung versprach, den Forderungen der Demonstranten durch ein soziales Maßnahmenpaket entgegenzukommen, um so die sozialen Missstände zu beseitigen.  

Auch am Wochenende gab es wieder Todesopfer. Demonstranten versuchten, das iranische Konsulat in Kerbela in Brand zu setzen. Dabei riefen sie: "Die Menschen wollen den Sturz des Regimes." Drei Demonstranten wurden erschossen und 19 verletzt. Der irakische Außenminister verurteilte die Angriffe auf das Konsulat und sprach von einer "roten Linie, die nicht überquert werden sollte". 

Rund 270 Menschen sollen bereits ums Leben gekommen sein. Die meisten von ihnen sind Demonstranten, die durch Scharfschützen ermordet wurden. Verlässliche Opferzahlen gibt es nicht. Hatte die Polizei bisher Tränengasgranaten eingesetzt, die zu lebensgefährlichen Verletzungen an Kopf, Brust, Bauch und Rücken führen, soll sie nun auch von scharfer Munition Gebrauch gemacht haben. 

In den sozialen Medien tauchten Bilder auf, in denen Demonstranten zu sehen sind, die durch Tränengasgranaten getötet wurden. Diese blieben in ihrem Körper stecken. Amnesty International wirft den irakischen Behörden vor, die Sicherheitskräfte würden neue Arten der Tränengasgranaten anwenden, die größer und schwerer als die üblichen seien. Mit den Granaten würde statt in die Luft direkt auf die Demonstranten geschossen. 

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