Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat Demonstranten als Terroristen bezeichnet, nachdem Dozenten und Studenten gemeinsam gegen die umstrittene Ernennung eines regierungstreuen Akademikers zum Leiter von Istanbuls prestigeträchtigster Universität protestierten.
In einer Videoansprache sagte der türkische Präsident am Mittwoch, dass diese jungen Leute Mitglieder von Terrororganisationen seien. Er beschuldigte sie, keine nationalen oder moralischen Werte des Landes zu besitzen. Außerdem behauptete Erdoğan, die Demonstranten hätten das Büro des Rektors stürmen und besetzen wollen.
Erdoğans Ernennung von Melih Bulu, einem Akademiker und ehemaligen politischen Kandidaten, zum Rektor der renommierten Boğaziçi Universität in Istanbul Anfang Januar löste eine heftige Debatte über die Macht der Regierung aus und führte zu Protesten im ganzen Land.
Nachdem die Demonstrationen diese Woche an Stärke gewannen, wurden mehr als 250 Demonstranten in Istanbul und 69 weitere in Ankara verhaftet. Die Demonstranten behaupteten, Bulus' Ernennung sei undemokratisch gewesen und forderten seinen Rücktritt als Rektor. Dieser lehnte die Forderung jedoch ab.
Erdoğan erklärte, er werde keine Massenproteste gegen die Regierung wie im Jahr 2013 mehr zulassen:
"Dieses Land wird kein Land sein, das von Terroristen beherrscht wird. Wir werden es niemals zulassen. Dieses Land wird Vorfälle wie die Geschehnisse in Gezi in Taksim nicht noch einmal erleben."
Die Spannungen nahmen am Wochenende zu, nachdem Studenten unter dem Vorwurf der Anstachelung zum Hass und der Beleidigung religiöser Werte verhaftet wurden, weil sie ein Plakat zeigten, auf dem die heiligste Stätte des Islam, die Kaaba in Mekka, mit LGBT-Fahnen geschmückt war.
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