Teuer und unerwünscht: Indien zählt 21 Millionen ungewollte Mädchen

Indische Paare haben so lange Kinder, bis sie endlich einen männlichen Stammhalter bekommen. Mädchen sind teuer und unerwünscht. Schuld ist die Tradition der teuren Mitgift. Insgesamt 21 Millionen ungewollter Mädchen zählt die Statistik in Indien.

Ein indisches Sprichwort besagt: Ein Mädchen aufzuziehen ist wie den Garten des Nachbarn zu gießen. Das gilt heute genauso wie vor Jahrzehnten. Mädchen gelten als teuer und Frauen bekommen viel Druck aus der Gesellschaft, einen männlichen Nachkommen zu gebären. 

Die Feststellung des Geschlechts ungeborener Kinder ist in Indien illegal, Möglichkeiten fern des Gesetzes gibt es aber zuhauf. Diejenigen, die es sich leisten können und lieber einen Jungen haben, treiben ab. Laut einer britischen Studie aus dem Jahr 2011 wurden 12 Millionen Mädchen innerhalb der drei Jahrzehnte vor der Studie abgetrieben. 

Auf 1.000 Jungen kommen in Indien 940 Mädchen. Aus einem jährlichen Wirtschaftsbericht der indischen Regierung heißt es: 

In Familien, in denen ein Sohn geboren wird, ist es wahrscheinlicher, dass sie mit dem Kinderkriegen aufhören, als in denjenigen, in denen ein Mädchen geboren wird. 

Indische Werbespots bewerben Produkte zum Bleichen der Haut. Die Schwangerschaft ist wohl die einzige Zeit, so scherzt man in Indien, in der sich ein Mann eine dunkle Haut seiner Partnerin wünscht, denn diese sei, so der Aberglaube, ein Hinweis auf einen männlichen Nachkommen. Der Wunsch nach Süßem in der Schwangerschaft, die linke Position des Embryos, der verspätete Eintritt der Wehen, all dies sollen Anzeichen für den ersehnten Stammhalter sein.

Neben der teuren Mitgift liegen weitere Gründe der Bevorzugung von Jungen in der Tradition, dass Mädchen in den Haushalt des Ehepartners folgen und den Eltern als Hilfe verloren gehen. Im Jahr2015 startete die indische Regierung eine Kampagne: "Rette die Tochter, bilde die Tochter". Aber im weltweiten Vergleich liegt Indien auf einem schlechten Platz, was die wirtschaftliche Teilhabe und Möglichkeiten für Frauen betrifft. Das südasiatische Land belegte im Jahr 2017 nur den 139-ten Platz im Bericht des World Economic Forums.

In ländlichen Gebieten wird Mädchen der Schulbesuch verwehrt und sie werden früh verheiratet. Aus dem Regierungsbericht geht auch hervor, dass die Ablehnung von Mädchen sich in allen Schichten der Gesellschaft wiederfindet. 

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